12.07.2011, 475. Todestag
Der Humanist Erasmus von Rotterdam
Manchen gilt er als Weggefährte der Reformatoren. Genauso wie Luther war Erasmus von Rotterdam (1465 – 1536) zuerst Augustinermönch und entschied sich ebenso wie dieser gegen das Klosterleben.

- Erasmus von Rotterdam Fotonachweis: Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler Quelle: Kunstmuseum Basel
Wie Luther war auch Erasmus der Wortlaut der Bibel sehr wichtig. Unter den 150 Büchern, die Erasmus veröffentlichte, ist auch eine sehr sorgfältig zusammengestellte Ausgabe des Neuen Testamentes auf Griechisch. Luther nutze dieses von Erasmus herausgegebene Neue Testament für seine Übersetzungsarbeit. Die Missstände der Kirche seiner Zeit kritisierte Erasmus ebenso vehement wie Luther. Ein dunkles Geheimnis der katholischen Kirche verkörperte Erasmus als Person: Er war der illegitime Sohn eines katholischen Priesters. Anders als Luther verwendete Erasmus in seiner Kritik weniger derbe Worte – aber er beherrschte das Stilmittel der Ironie wie kaum ein anderer. Einer der bekanntesten Texte des Erasmus ist die sarkastische Lehrrede „Lob der Torheit“. Erasmus lobt darin die Weltherrscherin Torheit samt ihrer Töchter Eigenliebe, Schmeichelei, Vergesslichkeit, Faulheit und Lust.
Mit der Tradition des Humanismus verbunden
Nach dem Tode des „Soldatenpapstes“ Julius II. – den Luther als „Blutsäufer“ bezeichnet hatte - gab Erasmus eine Schrift heraus, laut welcher dieser Papst selbstbewusst an die Himmelstür klopft, aber von Petrus abgewiesen wird: Julius habe Geld und Machtmittel genug; lässt Erasmus den Petrus sagen; er solle sich sein eigenes Paradies bauen. Die katholische Kirche setzte die Werke des Erasmus auf die Liste der verbotenen Bücher. Erasmus stand mit vielen Fürsten und Bischöfen seiner Zeit im Kontakt. Dem späteren Kaiser Karl V. – der anders als viele seiner Fürsten am alten Glauben festhielt – war Erasmus einst als Erzieher zur Seite gestellt worden. Zu einer persönlichen Begegnung zwischen Luther und Erasmus kam es dagegen nie. Trotz vieler Gemeinsamkeiten wollte Erasmus dessen Weg in Richtung einer neuen Kirche nicht mitgehen. Ganz der Tradition des Humanismus verbunden betonte Erasmus auch viel stärker als Luther den freien Willen und die Bildungsfähigkeit der Menschen. Erasmus sah zeitlebens die katholische Kirche als seine Heimat an. Seine Kirche wollte Erasmus verbessern, aber niemals spalten. Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung lehnte Erasmus immer ab. Erasmus wurde in Basel, seiner wichtigsten Wirkungsstätte, begraben. Beigesetzt wurde er, der zeitlebens katholischer Priester blieb, im inzwischen evangelischen Münster. Dabei hatte Erasmus einst das evangelisch werdende Basel verlassen, um im katholischen Freiburg Zuflucht zu suchen.
Dietrich Hub
Bild: Hans Holbein d. J., Werkstatt (um 1497/1498-1543); Bildnis des Erasmus von Rotterdam um 1530 (?) (Inv. G 1972.9)
Lindenholz, 18.2 x 14.5 cm. Kunstmuseum Basel
Weiterführende Links:
Wikipedia
Kunstmuseum Basel
Downloads:
Erasmus von Rotterdam, Text [RTF, 3 KB]




