29.05.2011: 200. Geburtstag
Hermann Mögling (1811-1881) - Ein schwäbischer Querdenker in Deutschland und Indien
„Wer weiß, bald könnte auch mein allzuschnelles Herzschlag-Uhrwehrklein einmal stille stehen“ schrieb Herrmann Mögling an seinen Freund Hermann Gundert am 25.11.1861 und bat ihn, eine Auswahl seiner Schriften für seine Kinder zu treffen. Mögling beschrieb sein bisheriges Leben in seiner Bewerbung an das Basler Missionskommitee im Jahre 1835 so:

- Quelle: Archiv Basler Mission/ Basel Mission Archives. Ref.Nr. QS-30.001.0131.01, Publisher: University of Southern California. Libraries
„Geboren den 29. Mai 1811 in Güglingen (Württemberg) [...] bin ich 1825 in das niedere Seminar zu Tübingen aufgenommen worden [...] am Schluss meines fünfjährigen Studienlaufes [...] wurde ich [...] durch Ausschließung von der damaligen Prüfung bestraft [...] Gut erzogen [...] wurde aus einem halben Christen ein ganzer Heide."
Die ersten Lebensjahre verbrachte Herrmann Mögling in Brackenheim. Dorthin war sein Vater als Präzeptor der Lateinschule berufen worden. Durch eine „Verführung Gottes zum Glauben" wird die Jahreswende 1834/35 zur Lebenswende. Mögling meldet sich als Missionar nach Indien, sehr zum Erstaunen seines langjährigen, von Mögling bewunderten, liberalen Lehrers David Friedrich Strauß. Möglings Bekehrung erregte viel Aufsehen: „Wenn der Herr Jesus solche Fische fange, sei David Fr. Strauß widerlegt”, meinen einige!
Mögling geht als Missionar nach Indien
Dort fällt dem Neuankömmling sofort auf, dass die Missionare „Herren sind“. Mögling jedoch rechnet Besitzlosigkeit zur „allgemeinen apostolischen Instruktion". Er zieht aus dem „Missionspalast" aus, um mit seinen indischen Studenten auf derselben Stufe zu leben. Er wird todkrank und erkennt, dass „Christus arm wurde, damit wir reich werden" (2. Kor. 8,9); deshalb müsse man seinen Reichtum an Wissen mit anderen teilen und von anderen lernen.
Der Bewunderer des indischen Geistes sieht es als seine Aufgabe, „Gold und Silber in den Bergwerken des indischen Altertums nachzugraben" und in „gute Münze" zu verwandeln. Für die Herausgabe der mit Hilfe seines Stiefbruders Gottfried Weigle 1853 abgeschlossenen dreibändigen "Bibliotheca Carnatica" erhält er 1858 in Tübingen die Ehrendoktorwürde. Weitere Bände folgten. Doch sein Sadguru (der wahre Lehrer) bleibt Jesus Christus.
Mögling bildete in Indien Handerker- Theologen als Botschafter des Friedens aus. Die von ihm gegründete Schule wird Keimzelle der „Industrie-Mission". Sein Ziel war die administrative, finanzielle und missionarische Unabhängigkeit der Kirche. Sein Schüler Anandrao Kaundinya reiste deshalb als Erster mit Mögling 1845 nach Basel, wo er bis 1851 studierte und nach Indien zurückkehrte. Andere folgten.
Global denken und lokal handeln
Mögling trat 1853 wegen Differenzen mit der Leitung aus der Basler Mission aus (1858 wurde er wieder aufgenommen) und arbeitete als „freier württembergischer Missionar” ohne Gehalt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1860 aus Gesundheitsgründen arbeitete er seit 1861 als Reiseprediger in Frankfurt am Main. Nach dem Tod seiner Frau Pauline, die nur 36 Jahre alt wurde, legte er in Württemberg das Zweite Theologische Examen ab und wurde 1862-69 Pfarrer in Untergruppenbach bei Heilbronn. Dort heiratete er Bertha Schmidt (1824-96) aus Frankfurt.
Bis zu seinem Tod (1881 in Esslingen) arbeitet er weiter für die indische Kirche an einer kanaresischen Bibelübersetzung und einer ethnologischen Untersuchung über das Kurgland, das als „Geschichte des Kurglandes" noch heute bleibende Bedeutung hat.
Heute kommen viele Inder nach Tübingen, um die „Bibliotheca Carnatica" zu studieren.
Karl Wilhelm Rennstich
Anmerkung: Bei Abdruck des Textes mit Bild bitten wir darum, zwei Belegexemplare an Frau Barbara Frey Näf, Missionsstrasse 21, CH-4003 Basel oder an barbara.frey[at]mission-21.org zu senden.
Weiterführende Links
Bildarchiv der Basler Mission
Ausführlicher tabellarischer Lebenslauf
Wikipedia (auf Englisch)
Basler Mission (Wikipedia)
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Quelle: Archiv Basler Mission/ Basel Mission Archives. Ref.Nr. QS-30.001.0131.01, Publisher: University of Southern California. Libraries
Hermann Mögling, Text [RTF, 45 KB]
http://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Mission




