18.09.2011, 225. Geburtstag
Justinus Kerner (1786 – 1862)
Er war Dichter, Arzt und Autor medizinischer Schriften. Heute sind Straßen, Schulen und Plätze nach ihm benannt. Eine Rebsorte trägt ebenso seinen Namen wie ein Preis der Stadt Weinsberg, der regelmäßig für besondere literarische, medizinische oder denkmalpflegerische Leistungen verliehen wird: Justinus Andreas Christian Kerner. Am 18. September jährt sich sein Geburtstag zum 225. Mal.

- Justinus Kerner. Quelle: Landeskirchliches Archiv
Justinus wächst als eines von sieben Kindern des Oberamtmanns Christoph Ludwig und seiner Frau Friederike Luise, geborene Strohmaier, auf. Er besucht zunächst die Schule in Ludwigsburg und wird nach der Versetzung seines Vaters nach Maulbronn von Stipendiaten der dortigen Klosterschule unterrichtet. Später erhält er Unterricht in Knittlingen. Als sein Vater 1799 stirbt, zieht die Familie zurück nach Ludwigsburg und Justinus beginnt auf den Wunsch seiner Mutter hin eine kaufmännische Lehre in der herzoglichen Tuchfabrik. Dort sind gleichzeitig das Irrenhaus und das Zuchthaus untergebracht. Kerner, der seine Arbeit als ziemlich stumpfsinnig empfindet, fängt an Gedichte zu schreiben und die Kranken zu unterhalten. Sein ehemaliger Pfarrer und Lehrer, Karl Philipp Conz, setzt sich dafür ein, dass Justinus studieren darf. So beginnt er ein Studium der Naturwissenschaften und der Medizin in Tübingen und schließt Freundschaft mit Ludwig Uhland und später auch mit Gustav Schwab.
Romantik gegen Aufklärung
Im „Sonntagsblatt für gebildete Stände“, das er zusammen mit anderen herausgibt, verficht er die Ideen der Romantik gegenüber der Aufklärung. Er begeistert sich für das Volkslied, die Legende, das Märchen, das Übersinnliche, die Kunst des Mittelalters und die Heimatgeschichte. Im Lauf der Jahre werden etliche seiner Gedichte zu Liedern. So vertonte Hugo Wolf einige seiner Verse, Friedrich Silcher widmete ihm eine Komposition und auch unter Robert Schumanns Lieder finden sich Kernergedichte.
Auf einer Geburtstagsfeier Uhlands lernt er seine spätere Frau, Friederike Ehmann, kennen. Zusammen mit ihr hat er drei Kinder. Nach Studium und Promotion geht er zunächst auf Reisen und wird dann als Arzt tätig: zunächst in Dürrmenz, dann in Wildbad, Welzheim, 1815 als Oberamtsarzt in Gaildorf und vier Jahre später bis zu seiner Pensionierung in Weinsberg. Dort errichtet er das so genannte Kernerhaus, das sich rasch zum beliebten Treffpunkt von Ludwig Uhland, Gustav Schwab, Nikolaus Lenau, Alexander von Württemberg und anderer Größen seiner Zeit entwickelt. Als seine bleibende Leistung als Arzt gilt die erstmalige klinische Beschreibung der Lebensmittelvergiftung Botulismus.
Aber auch als Kunstsammler macht sich Justinus Kerner einen Namen. Zur Rettung der Burgruine Weibertreu gründet er den Weinsberger Frauenverein, dem der König von Württemberg später die Ruine übereignen wird. Im Jahr seiner Pensionierung wird Justinus Kerner zum Ritter des Ordens der Württembergischen Krone ernannt. Der bayerische König Maximilian II: nimmt ihn später in den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst auf. Im Februar 1862 stirbt Kerner an Grippe.
Stephan Braun
Weiterführende Links
Ausführlicher Lebenslauf
Biografie von Kurt Seeber (Autor)
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