24.06.2011, 450. Geburtstag
Matthias Hafenreffer
Als Vertreter orthodoxer Theologie und Frömmigkeit, vor allem aber als Verfasser eines der einflussreichsten theologischen Lehrbücher zählt Matthias Hafenreffer zu den profiliertesten Theologen in der Kirchengeschichte Württembergs. Johann Valentin Andreae verdankte ihm wichtige theologische Erkenntnisse und wahrte ihm wegen seiner persönlichen Integrität und menschlichen Wärme ein ehrendes Angedenken.
Das Jahr 1600 – die Guttat der Reformation

- Matthias Hafenreffer Quelle: Landeskirchliches Archiv
Dass die unter der Finsternis des Papsttums angefochtenen Gewissen „durch das göttlich Liecht / des heiligen Evangeliums / auß solcher Seelen marter erlöset / und zum Seeligmachenden Trost / den wir allein in Christo unserm Heyland / und seinem thewren / verdienst haben / seeliglichen erleuchtet“, war für den Tübinger Theologieprofessor Matthias Hafenreffer die „Guthat“ Gottes schlechthin. Die Erinnerung an die Reformation, nicht das von Papst Clemens VII. ausgerufene Jubeljahr mit seinen Ablassgnaden machten für ihn das Jahr 1600 zu einem evangelischen Jubeljahr. Die geschenkte Gnade war das Thema seiner am Neujahrstag 1600 in der Tübinger Stiftskirche gehaltene Predigt, sie benannte die konfessionelle Alternative zum Schatz der Kirche alten Kirche, erworben aus den Werken der Menschen.
Matthias Hafenreffer – der Gelehrte
Den Schwiegersohn des Johannes Brenz schätzten seine Zeitgenossen vor allem als tiefgründigen Gelehrten, dessen mathematische Kenntnisse selbst einem Johannes Kepler Respekt abnötigten und dessen theologische Kompetenz seine rasche kirchliche Karriere beförderte. 1590 Hofprediger und Konsistorialrat in Stuttgart, wurde er bereits zwei Jahr später an die Theologische Fakultät der Universität Tübingen berufen, zudem zweiter Superintendent des Tübinger Stifts. Während seiner Tübinger Zeit verfasste er 1601 sein Hauptwerk Loci theologici sive compendium theologiae, ein dogmatisches Lehrbuch. Das ursprünglich auf Anregung von Herzog Friedrich entstandene, später mehrfach umgearbeitete Werk erfuhr in- und außerhalb des Herzogtums außerordentliche Wertschätzung, vor allem wegen seiner begrifflichen Klarheit, seines einfachen Stils und der gewählten Darstellungsform in Frage und Antwort. In Württemberg war es bis zum Ende des 17. Jahrhunderts das maßgebliche theologische Lehrbuch.
Matthias Hafenreffer – der Lehrer
Hafenreffer war ein ausgewiesener Vertreter der lutherischen Orthodoxie, für den die Geltung der Konkordienformel außer Frage stand. Seine Kompromisslosigkeit in der Lehre, die zum Bruch mit Kepler führte, verband er mit tiefer persönlicher Frömmigkeit und einem warmherzigen Umgang mit anderen. „Lehre“ und „Leben“ verbanden sich in ihm zu einer harmonischen, stimmigen Einheit, die ihn zum verehrten und geliebten akademischen Lehrer werden ließ. Ein Johann Valentin Andreä etwa wahrte im zeitlebens ein ehrendes Angedenken und verdankte dem 1619 als Kanzler der Universität und Propst an der Stiftskirche Verstorbenen manch wichtige theologische Einsicht.
Norbert Haag
Weiterführende Links:
Biografisch-bibliografisches Kirchenlexikon
Erwähnt in: "Das Kanzleramt an der Universität Tübingen und seine Inhaber 1590-1817" von Wolfram Angerbauer bei Google books
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Quelle: Landeskirchliches Archiv
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