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04.02.2011, 325. Geburtstag


Christina Wilhelmine von Grävenitz (1686 – 1744)

Namentlich ins Kirchengebet aufgenommen werden wollte sie, so wird über Christina Wilhelmine von Grävenitz  berichtet. Prälat Osiander ließ sich von ihr – anders als der württembergische Herzog Eberhard Ludwig - nicht umgarnen. Es werde bereits in jedem Gottesdienst für sie gebetet, so soll der Prälat der Mätresse des Herzogs erwidert haben, "nämlich mit der siebten Bitte des Vaterunsers `und erlöse uns von dem Übel´".


Christina Wilhelmine von Grävenitz Quelle: Gomaringer Verlag & Druck GmbH

Sie sei „die Landverderberin“ genannt worden, die Frau aus Mecklenburg, die massiven Einfluss auf die württembergische Politik  ausübte. Diesen Ruf bekam sie nicht nur wegen ihrer Liaison mit dem verheirateten Herzog, der immerhin auch das Oberhaupt der evangelischen Landeskirche war.

Die (rechtmäßige) Herzogin Johanna Elisabeth von Baden-Durlach willigte nicht in eine Scheidung ein. Eberhard Ludwig heiratete deshalb 1707 zusätzlich seine Mätresse „zur linken Hand“, d.h. ohne dass sie oder die aus dieser Beziehung hervorgehenden Kinder erbberechtigt worden wären. Diese heimliche – und illegitime - zweite Ehe wurde bald bekannt. 1710 gab der Herzog dem Druck nach und ließ „die Grävenitz“ in die Schweiz verbannen. Doch bald reiste er ihr nach und holte sie an seinen Hof zurück, indem er sie zum Schein mit einem seiner Günstlinge verheiraten ließ. Dieser habe für diese Scheinehe Geld bekommen, welches er wegen seiner Spielschulden dringend gebraucht hätte.


Vom Herzog geliebt, von vielen gehasst und am Ende verstoßen

„Die Grävenitz“ mischte sich nach ihrer Rückkehr nach Württemberg massiv in die Landespolitik ein, gab hemmungslos Geld aus und hievte ihre Verwandten in hohe Ämter. Sie selbst  wurde 1717 als ordentliches Mitglied in das Geheime Cabinett aufgenommen und hatte damit quasi ein Ministeramt inne. Immerhin 20 Jahre lang dauerte die Liebesbeziehung zum Schaden Württembergs.

Die Stadt Ludwigsburg wiederum hat der Christina Wilhelmine von Grävenitz viel zu verdanken, nämlich das größte Barockschloss Deutschlands. Ursprünglich hätte dieses Anwesen nur ein Jagdschlösschen werden sollen. Als leidenschaftlicher Jäger brauchte der Herzog vor den Toren Stuttgarts eine standesgemäße Unterkunft für seine Jagdgesellschaften. Seine Mätresse hätte  aber auf einen viel luxuriöseren Ausbau dieses Jagdschlosses gedrungen. Hier residierte der Herzog bald dauerhaft mit ihr, während seine Ehefrau in Stuttgart blieb.

1731 starb der einzige Sohn, den der Herzog mit seiner rechtmäßigen Gemahlin gezeugt hatte. Ohne erbberechtigten Nachkommen wäre dem evangelischen Herzog sein katholischer  Cousin Karl Alexander im Amt nachgefolgt. Der Herzog wurde deshalb von vielen Seiten gedrängt, die Grävenitz zu verstoßen und mit Johanna Elisabeth zu einem weiteren legitimen Nachfolger zu kommen.

Eberhard Ludwig gab nach und ließ seine Mätresse auf dem Hohen Urach inhaftieren. Ihre Besitztümer in Württemberg wurden ihr entzogen, sie erhielt aber die Summe von 150.000 Gulden. Ein Jahr später kam sie wieder frei und lebte bis zu ihrem Tod 1744 in Berlin.

Dietrich Hub

Weiterführende Links:
Wikipedia
Stadtführung durch Ludwigsburg mit "der Grävenitz"

Downloads:
Christina Wilhelmine von Grävenitz, Bild in Druckqualität
[JPG, 1,7 MB]
Quelle: Gomaringer Verlag & Druck GmbH
Christina Wilhelmine von Grävenitz, Text
[RTF, 15 KB]


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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