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11.06.1660, 350. Geburtstag


Christoph Reuchlin (1660 - 1707)

Der Pietist auf Kanzel und Lehrstuhl


Christoph Reuchlin (Quelle: Eberhard Karls - Universität Tübingen (Professorengalerie))

Als Christoph Reuchlin am 28. April 1660 in Tübingen zur Welt kam, wurde er in eine Familie hineingeboren, die sich selbstbewusst auf Dionysius Reuchlin, einen Bruder des Humanisten Johannes Reuchlin, zurückführte. Christophs Vater David stand im Dienst der Tübinger Universität, er arbeitete als Buchbinder und Universitätspedell.

Nach der Schulbildung in Tübingen immatrikulierte sich Reuchlin an der dortigen Universität und erwarb 1678 den akademischen Grad eines Magister Artium. Im Anschluss begann er ein Theologiestudium, das er 1679 in Wittenberg fortsetzte. Zurück in Tübingen (1685) bot er zunächst Privatkollegien an, wurde dann aber Beichtvater des Herzogadministrators Friedrich Karl und württembergischer Feldprediger.


Die Karriere

Als ihm 1690 die Stelle eines Diakons an der Stuttgarter Leonhardskirche übertragen wurde, eröffneten sich ihm ganz neue Perspektiven. Privat bot ihm die sichere Finanzierung durch das Pfarramt die Chance, eine Familie zu gründen. Noch im gleichen Jahr heiratete er Eleonora Sibylle Hechler, die Tochter eines Stallmeisters des Herzogs von Württemberg-Oels; mit ihr hatte er vier Kinder, einen Sohn und drei Töchter. Und beruflich begann in der Residenzstadt eine steile Karriere.

Bereits 1692 wurde er als Praezeptor an das erst sechs Jahre zuvor gegründete erste württembergische Gymnasium berufen, wo er u.a. Theologie, Metaphysik und Logik sowie Griechisch und Hebräisch unterrichtete. Zeitgleich übernahm er das Amt eines Abendprediger an der Stiftskirche.

Von Stuttgart aus gelang ihm dann 1699 der Sprung an die Universität Tübingen. Nachdem er dort zum Doktor der Theologie promoviert worden war (1700), las er als dritter ordentlicher Professor u.a. über das Johannesevangelium.

Mit seiner Professur verbunden war das Amt des Stadtpfarrers an der Tübinger Stiftskirche. Fünf Jahre später übernahm er die Stelle des Dekans der Theologischen Fakultät mit der die Superattendenz am Fürstlichen Stipendiums verbunden war.

Ein Schlaganfall am 18. März 1707 stoppte jäh seine Tatkraft, doch bemühte er sich weiterhin, seinen Lehrverpflichtungen nachzukommen und sein Predigtamt auszuüben. Noch zwei Tage vor seinem Tod am 11. Juni 1707 stand er ein letztes Mal auf der Kanzel.


Das Bekenntnis zum Pietismus

An der Tübinger Theologenfakultät wurde zu Beginn des 18. Jh. heftig darüber gestritten, wie sich die vorherrschende lutherisch-orthodoxe Lehre zum Pietismus stellen sollte.

Für Reuchlin war die Entscheidung klar. Dass etliche meinten „sie seien schon bekehrt/ weil sie ein ehrbar bürgerliches Leben führten“, das war nach Auffassung Reuchlins, „noch lange nicht genug“. Er lud privat an Sonn- und Feiertagen zu pietistischen Erbauungsstunden ein und bot als Stiftsattendend als erster auch im Stift solche collegia pietatis an.

Seine Haltung polarisierte. Dennoch hat Reuchlin mit seiner praktischen Frömmigkeit einen wichtigen Teil dazu beigetragen, dass es in der württembergischen Landeskirche nicht zur Separation des Pietismus gekommen ist.

Sabine Holtz

Weiterführende Links

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Christoph Reuchlin, Text [RTF, 16 KB]  

Christoph Reuchlin, Bild in Druckqualität [JPG, 0,98 MB] Quelle: Eberhard Karls - Universität Tübingen (Professorengalerie)


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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