01.04.2009, 150. Todestag
Amalie Wilhelmine Sieveking (1794 - 1859)
Ihr Ziel, einen Orden barmherziger Schwestern innerhalb der evangelischen Kirche zu gründen, konnte sie nicht realisieren. Was Amalie Sieveking aber gelang war dies, einen weiblichen Verein für die organisierte Armenfürsorge und Krankenpflege ins Leben zu rufen. Ihr Engagement trug dazu bei, dass Staat und Kirche erkannten, wie notwendig die organisierte Hilfe für Bedürftige ist.

- Amalie Sieveking (Quelle: Landeskirchliches Archiv)
Amalie Wilhelmine Sieveking wurde am 25. Juli 1794 in Hamburg geboren. Die Hansestadt war zeitlebens ihr Wirkungsort. Ihrer Herkunft nach stammte sie aus einem gutbürgerlichen Elternhaus. Ihr Vater war Kaufmann und seit 1800 Senator. Ihre Mutter starb früh, bald auch ihr Vater. Im Alter von 15 Jahren war Amalie Sieveking Vollwaise und mittellos. Bedingt durch die wirtschaftliche Situation hatte ihr Vater sein Vermögen verloren. Die Geschwister Sieveking wurden getrennt und wuchsen in verschiedenen Familien auf. Allein schon von ihrer eigenen Herkunft her hatte Sieveking Wohlstand und familiäres und wirtschaftliches Elend gleichermaßen kennen gelernt.
Während der Cholera-Epidemie in Hamburg im Jahr 1831 arbeitete sie im Ericus-Hospital. Bald wurden ihr Leitungsaufgaben übertragen. Die christliche Überzeugung der Helfenden konnte ihrer Meinung nach auch die Qualität der Krankenfürsorge verbessern. Sie schrieb: „daß es ein Anderes und Besseres sei um eine aus christlicher Liebe übernommene und geleitete Krankenpflege, als um das, was sich von den gewöhnlichen bezahlten Wärtern und Wärterinnen erwarten läßt.“ Maßgeblich waren bei Amalie Sieveking mehrere Motive: Einerseits das Anliegen, dass sich christlicher Glaube in der Liebestätigkeit für Bedürftige erweisen müsse. Sie war geprägt von der Erweckungsbewegung. Anderseits kam bei ihr auch das Anliegen dazu, dass eine dienende Tätigkeit im sozialen Bereich insbesondere für unverheiratete Frauen ein ehrenswerter Beruf sei. Ihrer eigenen Persönlichkeit nach verkörperte Sieveking für eine Frau dieser Zeit eher untypische Eigenschaften wie Interesse an Wissenschaft und Literatur, Tatendrang und Organisationstalent. Sie blieb zeitlebens unverheiratet.
Mitbegründerin der Diakonie
1832 gründete Amalie Sieveking den „Weiblichen Verein für Armen- und Krankenpflege". Die Schaffenszeit von Amalie Sieveking war in der Epoche, in welcher staatliche Organe und die evangelische Kirche zunehmend die Bedeutung von organisierter Sozialarbeit erkannten. Ausschlaggebend dafür waren anfangs die Initiativen einzelner Christen. Durch deren Engagement wurden sowohl die Kirchen insgesamt wie auch staatliche Stellen auf das Schicksal der ärmeren Bevölkerungsgruppen aufmerksam. Amalie Sieveking steht damit in einer Linie mit Johann Hinrich Wichern, der Begründer des „Rauhen Hauses“, und Theodor Fliedner, auf den der Kaiserswerther Diakonissenverband zurückgeht.
Von ihrer politischen Überzeugung blieb Sieveking zeitlebens konservativ. Die bestehende Gesellschaftsordnung stellte sie nicht in Frage. Die Ideale der Revolution von 1848 blieben ihr fremd. Der von Sieveking gegründete Verein zur Krankenpflege wurde vor allem von Frauen aus der Hamburger Oberschicht getragen. Das Beispiel von Hamburg wirkte auch auf andere Städte. Sieveking nahm noch weitere Arbeitsfelder für die Notleidenden in Angriff. Es wurden Armenwohnungen gebaut und ein Institut zur Ausbildung von Erzieherinnen gegründet. Amalie Sieveking starb am 1. April 1859. Auf ihren eigenen Wunsch hin erhielt sie ein Armenbegräbnis, an dem allerdings sehr viele Menschen aller Bevölkerungsschichten teilnahmen.
Dietrich Hub
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Quelle: Landeskirchliches Archiv





