04.06.2009, 50. Todestag
Paul Schempp (1900 - 1959)
Nicht durch Paragraphen, sondern geistlich müsse die Kirche geleitet werden. Dieses Anliegen vertrat Pfarrer Paul Schempp vehement. Weil die Kirche die Botschaft Jesu Christi verkündige, müsse sie gegen Unrecht klar ihre Stimme erheben. Stattdessen aber, so Paul Schempp, sei die Evangelische Kirche damit beschäftigt, die von den Nazis gewünschten Bescheinigungen über die arische Abstammung auszustellen. Die Kirchenleitung durch Bischof Theophil Wurm bezeichnete Schempp deshalb als „Judaskirchenregiment“ und den Oberkirchenrat als „Gottlosenzentrale“.

- Paul Schempp (Quelle: Landeskirchliches Archiv)
Paul Schempp wurde am 4. Januar 1900 geboren. 1933 war er Religionslehrer am Königin-Olga-Stift in Stuttgart, einer Mädchenrealschule. Bereits wenige Tage nach Hitlers Machtergreifung sagte er beim Verlassen des Lehrerzimmers: „Ich gehe jetzt zu meinen zukünftigen Kriegerwitwen.“ Kurz darauf wurde er als Religionslehrer entlassen. Im Ersten Weltkrieg hatte Schempp sich noch freiwillig an die Front gemeldet. Im Frühjahr 1919 kämpfte er als Freikorpssoldat gegen die Augsburger Räterepublik, ebenso 1920 im Ruhrgebiet gegen streikende Arbeiter. Schempp studierte anschließend Theologie und war von der „Wort-Gottes-Theologie“ von Karl Barth beeindruckt.
Vertreter der „Bekennenden Kirche“
1934 übernahm er die Pfarrstelle in Iptingen, zwischen Pforzheim und Vaihingen an der Enz gelegen. Als entschiedener Vertreter der Bekennenden Kirche kritisierte Schempp massiv den „Zickzackkurs“ der Kirchenleitung gegenüber den Nazis. Der Oberkirchenrat strengte 1938 ein Disziplinarverfahren gegen ihn an, das mit seiner zwangsweisen Entfernung aus dem Pfarrdienst endete. Schempp hatte keine Gelegenheit ausgelassen, die Kirchenleitung mit deutlichen Worten anzugreifen. Als einmal das kirchliche Rechnungsprüfungsamt anfragte, ob die Krankenkassenbeiträge des Mesners korrekt abgeführt wurden, antwortete Schempp: „Sie wurden bezahlt; mein Mesner ist ehrlicher als der ganze Oberkirchenrat.“
Im Disziplinarverfahren musste der Oberkirchenrat eingestehen, dass Schempp eine vorzügliche Gemeindearbeit leistete. Kirchenrat Weeber – der im Auftrag Wurms den Kirchengemeinderat Iptingen über das Disziplinarverfahren informierte - schrieb über diese Sitzung: „Der Kirchengemeinderat bestätigte, was uns schon bekannt war, dass nämlich Pfarrer Schemp ein tüchtiger, treuer, hilfsbereiter, freundlicher Seelsorger und guter Prediger sei, den die Gemeinde sehr schätze und nicht verlieren wolle.“ Der Kirchengemeinderat Iptingen akzeptierte Schempps Entlassung aus dem Pfarrdienst nicht. Die Gemeinde stellte sich vor ihren Paul Schempp und sagte sich von der württembergischen Landeskirche los. Die Gemeindemitglieder zahlten keine Kirchensteuern mehr und sorgten selbst für die Besoldung ihres Pfarrers.
Im Krieg wurde Schempp zur Wehrmacht eingezogen. Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft kritisierte Schempp die Restauration in der Landeskirche. Er forderte die Kirche dazu auf, ihre Schuld gegenüber den Juden klar zu bekennen – was im „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ vom Oktober 1945 „vergessen“ wurde. Paul Schempp schrieb dazu: „Wir sind mutlos und tatenlos zurückgewichen, als die Glieder des Volkes Israel unter uns entehrt, beraubt, gepeinigt und getötet worden sind. Wir ließen den Ausschluss der Mitchristen, die nach dem Fleisch aus Israel stammten, von den Ämtern der Kirche, ja sogar die kirchliche Verweigerung der Taufe von Juden geschehen.“
1958 wurde er als Theologieprofessor nach Bonn berufen. Kurz nach Beginn seiner Tätigkeit als Hochschullehrer starb er am 4. Juni 1959.
Dietrich Hub
Weiterführende Links
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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Quelle: Landeskirchliches Archiv





