02.03.2009, 200. Geburtstag

Clemens Theodor Perthes (1809 - 1867)

„Entweder er wird ein ausgezeichneter Mensch oder er geht verloren“. So urteilte der Vater von Clemens Theodor Perthes über den damals Zwanzigjährigen. Perthes ging nicht verloren, sondern setzte sich für Menschen in Not ein. Er gründete 1854 die erste „Herberge zur Heimath“ für reisende Handwerksgesellen.


Clemens Theodor Perthes wird am 2. März 1809 in Hamburg geboren. Seine Mutter Caroline ist eine Tochter des Dichters Matthias Claudius, sein Vater der bedeutende Buchhändler und Verleger Friedrich Christoph Perthes.

Clemens ist ein Sorgenkind, das unter einer Nervenerkrankung leidet und viel Pflege bedarf. Nach dem frühen Tod der Mutter zieht die Familie 1821 nach Gotha, wo er das Gymnasium besucht. Sein Vater verkehrt mit wichtigen Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik, sein Familienname sollte Clemens Theodor später viele Türen öffnen.
 
Zunächst schlägt Clemens die Offizierslaufbahn ein. Wegen seiner  Nervenschwäche wird er jedoch bald dienstuntauglich und nimmt in Bonn das Jurastudium auf. Es ist zu dieser Zeit, dass der Vater an seinem Charakter zweifelt und klagt, dass sich sein Sohn zu sehr der „Lust und lustiger Gesellschaft“ hingebe. Doch nach einer langen Kur bessert sich 1830 nicht nur Clemens’ Gesundheitszustand, auch seine Persönlichkeit wird gefestigt. Er promoviert 1834 und habilitiert sich bereits zwei Monate später. 1839 heiratet er Marie Madelung, mit der er sechs  Kinder hat.


„Bruder“ der Wandergesellen

Clemens Theodor Perthes ist überzeugter Royalist und lehnt die bürgerliche Revolution von 1848 ab. Nach kurzen, für ihn enttäuschenden Ausflügen in die Politik kehrt er nach Bonn zurück, wo er angesichts der stärker werdenden sozialen Gegensätze diakonisch handeln, etwas bewirken möchte. Von Wicherns Ideen beeinflusst, wird er Vorsitzender des 1848 gegründeten Bonner Vereins für Innere Mission. Ihm liegen vor allem die Wandergesellen am Herzen, die in ihren Unterkünften vielen Gefahren und Versuchungen ausgesetzt seien, häufig verwahrlosten oder radikalen politischen Ideen anhingen.

Dank seines guten Namens hat er bald genügend Geld gesammelt, um eine eigene „Herberge zur Heimath“ zu gründen, die am 21. Mai 1854 eingeweiht wird. Sie wird das am häufigsten aufgesuchte Haus in Bonn und ist Vorbild für viele weitere Einrichtungen der Inneren Mission.

Von der ökumenischen Offenheit seines Elternhauses geprägt, respektiert Perthes stets die Konfession und Religion seiner Gäste. Er ist überzeugt, dass die Herberge kein „Bekehrungshaus“, sondern in erster Linie ein „Wirthshaus“ sei. Die Grundlage seiner Hilfe ist nicht nur Mitgefühl, sondern auch die Einsicht, dass Mitgefühl nie ein Ersatz für fachliche Hilfe sein kann. Und er verurteilt nicht, sondern sieht in seinen Gästen immer auch den „Bruder“. Er hat nie vergessen, dass auch er in jungen Jahren Gefahr lief, verloren zu gehen.

Clemens Theodor Perthes stirbt am 25. November 1867 im Alter von 58 Jahren.

Sabine Keller



Weiterführende Links
Wikipedia
Diakonie Geschichte
 
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Quelle: Landeskirchliches Archiv

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