21.04.2008, 200. Geburtstag
Johann Hinrich Wichern (1808 - 1881)
Das hätte sich Johann Hinrich Wichern sicher nie träumen lassen: dass er einmal Eingang finden würde in ein „Ökumenisches Heiligenlexikon“ im World Wide Web. Aber damals hat es das Internet ja auch noch nicht gegeben – weder bei seiner Geburt am 21. April 1808 in Hamburg noch bei seinem Tod am 7. April 1881 ebenda.

- Johann Hinrich Wichern Quelle: Württembergische Landesbibliothek
Dafür ist am Ende dieses knapp 73 Jahre langen Lebens etwas anderes da, das man an seinem Anfang ebenfalls noch nicht kannte: der Adventskranz, als dessen Erfinder Wichern gilt.
Der erste Adventskranz verweist auf eine zweite „Erfindung“ von Johann Hinrich Wichern: das so genannte „Rauhe Haus“ wiederum in Hamburg. 1833 als „Anstalt zur Rettung verwahrloster und schwer erziehbarer Kinder“ gegründet, sieht man in dieser Einrichtung bis heute einen Ursprungsort der Diakonie. Was aber bewegt Wichern dazu, ein solches „Rettungshaus“ zu schaffen? Es ist die von Bauernbefreiung, Landflucht und Industrialisierung verursachte „soziale Entwurzlung des Menschen“, welche vor allem die junge Generation betrifft und dem Theologen und Sonntagsschullehrer bei seinen Hausbesuchen auf Schritt und Tritt begegnet. Das „Rauhe Haus“ hat sein Prinzip: Liebe zu den Kindern und Liebe zu Gott. Und es hat sein Ritual: Lernen, Arbeiten und Feiern, und das alles in kleinen, familienähnlichen Strukturen. Apropos Feiern: In den Zusammenhang gehört dann auch der erste Adventskranz hinein.
Pionier der evangelischen Diakonie
1848, im Jahr der Revolution, findet in Wittenberg ein Kirchentag statt. Er soll einer größeren Einheit der evangelischen Landeskirchen dienen. Johann Hinrich Wichern aber fordert dazu auf, auch die soziale Frage auf die Tagesordnung zu setzen. Seine eindrückliche Stegreifrede führt zur Gründung des „Centralausschusses für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche“, eine weitere Pionierleistung in Sachen Diakonie.
Erst Hamburg, dann Berlin. Dort wird Wichern 1851 Beauftragter der preußischen Regierung für die Reform des Gefängniswesens und später Direktor des Mustergefängnisses Moabit. Auch in die Berliner Kirchenleitung tritt er ein, gibt aber die Verantwortung für das „Rauhe Haus“ in Hamburg nie ganz ab ab. 1874 erkrankt Wichern und tritt in den Ruhestand. Sieben Jahre später stirbt er nach langem und schwerem Leiden.
Johann Hinrich Wichern, ein „ökumenischer Heiliger“? Auf jeden Fall, und das auch noch 200 Jahre nach seiner Geburt, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der evangelischen Diakonie und ein Vorbild in Sachen praktiziertem Glauben. Und auch dieser Satz von ihm ist zeitlos gültig: „Was man will, muss man ganz wollen. Halb ist es gleich nichts.“
Andreas Koch
Weiterführende Links
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Quelle: Württembergische Landesbibliothek





