27.01.2008, 200. Geburtstag
David Friedrich Strauß (1808 - 1874)
Albert Schweitzer nannte ihn einen „Propheten einer kommenden Wissenschaft“ und auch heute noch gilt er als Pionier der kritischen Bibelforschung: David Friedrich Strauß. Am 27. Januar jährte sich der Geburtstag des streitbaren württembergischen Theologen, Philosophen, Dichters und Abgeordneten zum 200. Mal.

- David Friedrich Strauß (Quelle: Württembergische Landesbibliothek)
David Friedrich Strauß besucht mit dem ebenfalls aus Ludwigsburg stammenden Friedrich Theodor Vischer das evangelische Seminar in Blaubeuren und studiert nach seinem Schulabschluss Philosophie und evangelische Theologie in Tübingen. Nach seiner Promotion hört er im Wintersemester 1831/32 Hegel und Schleiermacher in Berlin, kehrt daraufhin nach Tübingen zurück, wo er bis 1835 als Repetent am Evangelischen Stift arbeitet.
Mit seinem im Jahr 1835 erschienenen Werk „Das Leben Jesu Christi kritisch betrachtet“ veröffentlicht er nach Angaben des Who’s Who „eines der populärsten, aber auch umstrittensten Bücher des 19. Jahrhunderts“. Strauß deutet darin die Geschichtlichkeit der Evangelien als mythische Interpretation urchristlicher Ideen und stellt die Leben-Jesu-Forschung auf ein historisch-kritisches Fundament. Das trägt ihm den Vorwurf ein, die neutestamentarische Geschichte zu leugnen und kostet ihm die Stelle. Er kehrt nach Ludwigsburg zurück, wo er als Gymnasialprofessor und freier Schriftsteller arbeitet.
Schriftsteller und Abgeordneter
1939 wird Strauß von der Universität Zürich zum Professor für Dogmatik und Kirchengeschichte ernannt. Doch der Widerstand gegen ihn und seine Haltung erweist sich als so stark, dass er mit 1000 Franken Pension in den Ruhestand versetzt wird, noch bevor er seine Stelle antreten kann. Ein Umstand, der als „Straußenhandel“ in die Geschichte eingehen sollte.
Von nun an lebt David Friedrich Strauß als hauptberuflicher Schriftsteller. Es folgen sein zweites Hauptwerk „Die christliche Glaubenslehre, in ihrer geschichtlichen Entwicklung und im Kampf mit der modernen Wissenschaft dargestellt“ und weitere kleinere Veröffentlichungen. 1848 scheitert Strauß mit seiner Kandidatur ins deutsche Parlament, wird aber in den württembergischen Landtag gewählt, wo er als Abgeordneter der Liberalen den Wahlkreis Ludwigsburg vertritt. Doch noch im Dezember des gleichen Jahres legt er sein Mandat nieder.
Strauß wendet sich wieder der Schriftstellerei zu, veröffentlicht einige biographische Arbeiten bis 1863 „Das Leben Jesu, für das deutsche Volk bearbeitet“ erscheint, das in mehrere europäische Sprachen übersetzt und als Loslösung vom Christentum interpretiert wird. Es folgen „Der Christus des Glaubens und der Jesus der Geschichte“ als Reaktion auf Schleiermacher sowie 1872 als letztes Werk „Der alte und der neue Glauben“, das noch einmal für Empörung sorgt, da er sich vom Christentum abwendet und zu einer Mischung aus Pantheismus, Darwinismus und bürgerlicher Kulturreligion bekennt. Am 8. Februar 1874 verstirbt David Friedrich Strauß in Ludwigsburg im Alter von 66 Jahren.
Stephan Braun
Ausstellungstipps:
David Friedrich Strauß -1808 bis 1874 -
Zerstörer unhaltbarer Lösungen und Prophet einer kommenden Wissenschaft
Ausstellung in der Württembergischen Landesbibliothek vom 21. Januar bis 29. März 2008
Dauerausstellung im Städtischen Museum Ludwigsburg
Weiterführende Links
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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Quelle: Landeskirchliches Archiv
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Quelle: Württembergische Landesbibliothek





