10.11. 2008, 525. Geburtstag
Martin Luther (1483 - 1546)
„Er veränderte die Welt für immer“ lautet der Untertitel eines Films über Martin Luther. Und das ist nicht einmal übertrieben. Manche Historiker sehen mit dem Mönch aus Wittenberg die Neuzeit beginnen.

- Martin Luther (Quelle: Württembergische Landesbibliothek)
Mit Luther hat der einzelne Mensch, das Individuum, eine ungeheure Aufwertung erfahren. Seit Luther gibt es neben der orthodoxen und der katholischen Kirche eine dritte Konfession: Die evangelische.
Alle Veränderungen haben ihren Ursprung in einem Befreiungserlebnis. „Da fühlte ich mich ganz und gar neu geboren und durch offene Pforten in das Paradies selbst eingetreten“, schreibt Luther im Rückblick. Zu diesem Zeitpunkt ist Luther bereits Professor für Theologie im sächsischen Wittenberg.
Am 10. November 1483 in Eisleben geboren und in Mansfeld und Eisenach aufgewachsen, hatte er zunächst ein Jurastudium begonnen. Doch als ihn in einem Gewitter beinahe der Blitz trifft, beschließt er Mönch zu werden – aus Angst einmal unvorbereitet vor seinem himmlischen Richter zu stehen.
Luther geht ins Kloster, studiert Theologie, unterreicht an der Universität. Eine Frage lässt ihn nicht los: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Luther versucht durch ein heiliges Leben vor Gott gut da zu stehen. Doch alle durchwachten Nächte, alles Fasten und Beten bringen im keine Heilsgewissheit.
Frei von Angst wird Luther erst, als er beim Lesen der Bibel entdeckt, dass der Weg der eigenen Leistungen ein Irrweg ist und dass Gott ihm das ewige Leben schenkt - umsonst, durch den Glauben, weil Christus schon alles getan hat, was zu tun ist.
"Wir sind Bettler, das ist wahr"
Am 31. Oktober 1517 schlägt Luther seine berühmten 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg – der Startschuss der Reformation. Die Thesen – eigentlich für eine akademische Diskussion an der Universität gedacht – werden ohne Luthers Wissen veröffentlicht. Die Schrift, die den Ablasshandel der damaligen katholischen Kirche kritisiert, findet reißenden Absatz.
Die Kirche geht gegen Luther vor, lässt sich dabei aber Zeit. Luther nutzt sie. 1518 gewinnt er bei einem Streitgespräch an der Universität Heidelberg viele Anhänger unter den jungen Akademikern. Sie tragen Luthers Lehre weiter. 1520 schreibt Luther drei Bücher, in denen seine neue Erkenntnis voll zum Ausdruck kommt.
Als der Papst Luther 1521 zum Ketzer erklärt, hat die neue Bewegung schon ganz Deutschland ergriffen. Luther soll seine Lehren auf dem Reichstag in Worms widerrufen. Doch er beruft sich auf sein Gewissen. Mit den Worten „Hier stehe ich und kann nicht anders, Gott helfe mir“ stellt sich Luther als Einzelner gegen Papst und Kaiser – die alles beherrschenden Mächte seiner Zeit.
Es folgen Jahre der Auseinandersetzungen, nicht nur mit der katholischen Kirche. Einigen seiner Anhänger gehen Luthers Reformbemühungen nicht weit genug. In der Schweiz gehen Zwingli und später Calvin einen eigenen Weg.
1525 heiratet Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Sie haben sechs Kinder.
Luther stirbt am 18. Februar 1546. Am Morgen findet man einen Zettel auf seinem Schreibtisch. In dessen letzten Zeilen hat Luther ein letztes Mal seine Überzeugung niedergeschrieben, dass er alles, was er hat und ist, von Gott geschenkt bekommen hat: „Wir sind Bettler, das ist wahr“.
Andreas Föhl
Weiterführende Links
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
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