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15.12.2008, 150. Geburtstag

Johannes Lepsius (1858 - 1926)

Preisfrage: wo lernen ein Berliner und eine Schwäbin sich im 19. Jahrhundert kennen und lieben? Antwort: Im osmanischen Jerusalem.

Johannes Lepsius (Quelle: Württembergische Landesbibliothek)

So geschehen 1884, als der junge Johannes Lepsius in Jerusalem für den Vorstand des Syrischen Waisenhauses arbeitete. Dort lernte er die Schwäbin Margarethe ( Maggie) Zeller kennen. Sie stammte aus der württembergischen Missionarsfamile Zeller, alt-württembergische Ehrbarkeit sozusagen.

Johannes Lepsius war der jüngste Sohn des Begründers der Ägyptologie Deutschlands, Carl Richard Lepsius und seiner Frau Elisabeth, eine Urenkelin des Berliner Aufklärers Friedrich Nicolai.  Das verpflichtet und so wuchs Johannes in einem großbürgerlichen, liberalen Elternhaus mit großem intellektuellem Horizont auf.

Das osmanische Reich war am Zerfallen – in Deutschland sprach man vom „kranken Mann am Bosporus“.  Dieser Zerfall bewegte nicht nur westliche orientierte Kräfte wie Kemal Mustafa Atatürk, den „Vater der modernen Türkei“, sondern auch Nationalisten aller Art. Inmitten dieser lebte das – christliche – armenische Volk. Und wie einst Nero die Christen in Rom, dienten nun die Armenier den untergehenden Herrschenden als Blitzableiter.

Dokumentar eines Völkermords

Es kam zwischen 1894 und 1896 zu staatlich organisierten Armeniermassakern. Lepsius, der als alles hautnah mitbekam, gründete 1896/97 das Armenische Hilfswerk, für das er eine in der Kirchengeschichte erstmals humanitäre Werbekampagne aufzog, die ihn durch ganz Deutschland führte. Er baute mit dem gewonnenen Geld Hilfsstationen in Persien und Bulgarien, wohin die Armenier flohen.

Nach seiner Reise durch die Türkei, wo er selbst Zeuge der Massaker in Ostanatolien wurde, schrieb er Tatsachenberichte, die fast täglich in Fortsetzungen im Berliner „Reichsboten“ erschienen. Die Zeitung wurde deshalb den Händlern buchstäblich aus den Händen gerissen..
Alle Artikel verfasste er anschließend als Buch. „Armenien und Europa. Eine Anklageschrift wider die christlichen Großmächte und ein Aufruf an das christliche Deutschland“. Das Buch wurde 1896 zum Bestseller und erschien im gleichen Jahr noch in Lausanne auf Französisch, 1897 auf englisch in London. 1898 wurden Teile davon ins Russische übersetzt und in Moskau gedruckt.

1908 hatten die Armenier große Hoffnungen in die Jungtürkische Revolution gesteckt ( Kemal Atatürk), dem 1909 dem verhassten osmanischen Regime unter Abdul Hamid ein Ende setzte. Doch 1915 – die Türkei kämpfte gegen England, mit Unterstützung der Deutschen – kam es kurz vor einer möglich gehaltenen Invasion Konstantinopels zu massiven Übergriffen auf die Armenier in der Hauptstadt. Ihnen wurde Konspiration mit den Engländern vorgeworfen. Nun regierte der Hass - es kam zwischen 1915 und 1917 zum Völkermord an den Armeniern.

Diesen Völkermord hat Lepsius dokumentiert und konnte den Bericht noch an 20 000 Adressaten in Deutschland verschicken, bevor er am 7.8.1916 von der kaiserlichen Zensur verboten wurde. Alle Politker ignorierten den Bericht, bis auf den katholischen Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, der davon so bewegt war, dass er selber in die Türkei reiste und mit den Jungtürken verhandelte. Erfolglos.

Lepsius wohnte in Potsdam. In seinem Haus soll eine Erinnerungsstätte für den Völkermord an den Armeniern eingerichtet werden. 2001/02 kam es deswegen zum Streit mit der türkischen Botschaft. Die Türkei leugnet den Völkermord bis heute. Entsprechend verhielt sich die türkische Botschaft. Der damalige Potsdamer OB Matthias Platzeck wurde mit einer Welle von türkischen Protestbriefen eingedeckt, es wurde ihm gegenüber sogar mit Unruhen unter den Türken Berlins gedroht. Geschichte lebt eben weiter.

Jürgen Kaiser

Weiterführende Links

Wikipedia

Downloads

Johannes Lepsius, Text [RTF, 8 KB]

Johannes Lepsius, Bild in Druckqualität [JPG, 1 MB]

Quelle: Württembergische Landesbibliothek

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