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21.09.1558, 450. Geburtstag

Kaiser Karl V. (1500 - 1558)

Karl V. ist für die evangelische Kirche deshalb von Bedeutung, weil er in ihrer Entstehungszeit einer ihrer größten Widersacher war. Als überzeugtem Katholiken war ihm die Bewahrung der religiösen Einheit des Heiligen römischen Reiches ein zentrales Anliegen. Von daher ist auch sein militärisches Engagement gegen die evangelischen Reichsstände zu verstehen. Dass Karl aber letztlich die religiöse Aufspaltung Deutschlands nicht rückgängig machen konnte, lag vor allem an den außenpolitischen Bedrohungen, mit denen das Reich während der gesamten Regierungszeit Karls konfrontiert war.

Kaiser Karl V (Quelle: Württembergische Landesbibliothek)

Karl wurde am 24. Februar 1500 in Gent geboren. Durch den Tod seines Vaters erbte er bereits im Jahr 1506 mit dem Herzogtum Burgund Belgien, die Niederlande und Teile Frankreis. Als spanischer Thronfolger trat er 1516 die Herrschaft über die ganze iberische Halbinsel an. Dazu gehörten auch Neapel, Sizilien, Sardinien und die Kolonien in Amerika. Nach dem Tod seines Großvaters Maximilian fielen 1519 zudem die großen habsburgischen Besitzungen im Heiligen Römischen Reich an Karl.


Die Kaiserwahl im Jahr 1519 konnte der junge Herrscher gegen seine Mitbewerber, den französischen König Franz  I. und Heinrich VIII. von England, für sich entscheiden.

Während der ersten Regierungsjahre des streng katholischen Monarchen auf dem Kaiserthron brach in Deutschland die Reformation aus. Um die Situation zu klären, rief Karl die Reichsstände 1521 zum Reichstag in Worms zusammen. An den Wittenberger Theologieprofessor und Augustinermönch Martin Luther erging der Befehl, am 17. April ebenfalls dort zu erscheinen. Dem Kaiser sollte er Rede und Antwort stehen. Der Papst erwartete von Karl, dass er den Mönch zur Einsicht und zum Widerruf seiner Ansichten bringen würde.

Auf dem Reichstag erklärte Luther aber, dass er ohne Zeugnisse der Heiligen Schrift oder die Angabe von Vernunftgründen nicht widerrufen könne. Sein Gewissen sei in Gottes Wort gefangen.

Karl wollte Luther nicht weiter anhören. Als treuem Katholiken lag ihm die Einheit der bestehenden Kirche am Herzen. Er sah in Luther einen notorischen Ketzer. Obwohl ihm seine Ratgeber empfahlen, den Wittenberger sofort verhaften zu lassen, hielt sich Karl an seine Zusage des freien Geleits und ließ Luther gehen. Schon am Tag darauf verhängte der Reichstag gegen Luther die Reichsacht. Der Augustinermönch wurde damit für vollkommen rechtlos erklärt. Ihn zu unterstützen, seine Schriften zu drucken, zu kaufen und zu lesen, wurde verboten. Auch für sämtliche Anhänger Luthers galt die Acht.

Zum Religionsfrieden gezwungen

Aber es zeigte sich in den folgenden Jahren, dass die Macht fehlte, dieses Edikt durchzusetzen. Der Kaiser war nicht nur in Spaniens Innenpolitik stark gebunden, es begann nun zudem ein mehr als zwei Jahrzehnte dauernder Machtkampf mit Franz I. von Frankreich. Und auch die Verteidigung des Abendlandes vor den andrängenden Türken forderte von der Zentralinstanz des Reiches in den nächsten Jahrzehnten starken Einsatz.

Erst 1530 hatte Karl durch vorübergehende Friedensschlüsse mit Frankreich und durch den Abzug der Türken wieder so viel Aktionsfreiheit, dass er sich der religiösen Situation des Reiches zuwenden konnte. Nach seiner Kaiserkrönung durch den Papst - der letzten, die ein Papst an einem deutschen Kaiser Reiches durchführte – sollte auf dem Augsburger Reichstag „eines jeden Gutdünken, Opinion und Meinung“ gehört werden. Die lutherischen Reichsstände nutzen die Gelegenheit, um mit der Überreichung des „Augsburger Bekenntnisses“ ihre Position noch einmal grundlegend darzustellen. Die katholische Seite lieferte eine Widerlegung, und damit war der Vermittlungswunsch Karls in Augsburg gescheitert. Das Wormser Edikt gegen die lutherischen Reichstände blieb in Geltung.

Die Konsequenz war die Furcht der lutherischen Partei vor einem militärischen Vorgehen des Kaisers. Daraus resultierte der Zusammenschluss der führenden protestantischen Stände zu einem Militärbündnis, dem Schmalkaldischen Bund. Mit ihm aber war dem Protestantismus in Deutschland so viel Macht zugefallen, dass der Kaiser 1532 zu einem Religionsfrieden gezwungen war. Denn ohne die Aufbietung aller Kräfte des Reiches schien dessen Bedrohung durch die Türken nicht abzuwenden zu sein.

Mit der Eröffnung des Konzils von Trient im Jahr 1545 begann die Gegenreformation. Die katholische Kirche erstarkte wieder, und Karl konnte für die katholische Seite einige Fürsten des Reiches neu gewinnen. Mit ihnen griff er im Jahr 1546 den Schmalkaldischen Bund an und siegte in der entscheiden Schlacht von Mühlberg an der Elbe im April 1547. Durch die Gefangennahme und Absetzung von Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen gelang ihm die Unterwerfung der Protestanten. Nun herrschte Karl das erste Mal faktisch über ganz Deutschland. Weil 1547 zudem sein großer Widersacher, Franz I. von Frankreich, gestorben war, war Karl jetzt auf dem Höhepunkt seiner Macht. Mit dem sogenannten Augsburger Interim schuf er 1548 einen Kompromiss, der das gemeinsame Leben von Protestanten und Katholiken im Reich bis zum Ende des Konzils möglich machen sollte. Bis zur endgültigen Entscheidung eines gemeinsamen Konzils wurde den Protestanten darin allerdings lediglich das Abendmahl unter Brot und Wein sowie die Priesterehe zugestanden. Eine darüber hinausgehende Religionsausübung blieb ihnen verwehrt.

Konfessionelle Spaltung Deutschlands besiegelt

Doch vier Jahre danach erhob sich die protestantische Fürstenopposition unter Moritz von Sachsen gegen Karl. Der Kaiser entkam nur knapp seiner Gefangensetzung. Im Passauer Vertrag wurde die Interimslösung aufgehoben und den Protestanten bis zum nächsten Reichstag wieder freie Religionsausübung zugesichert. Drei Jahre später musste Karl dann 1555 im Augsburger Religionsfrieden die lutherische Seite als eigene Konfession in Deutschland mit unbeschränkter Religionsfreiheit anerkennen. Die konfessionelle Spaltung Deutschlands war damit besiegelt.

Entkräftet und enttäuscht legte Karl bald danach alle seine Reichsämter nieder, im Jahr 1556 verzichtete er auch auf die Kaiserkrone, ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des Heiligen römischen Reiches. Karl zog sich ins Kloster San Yuste in Spanien zurück und verstarb dort starb am 21. September 1558 an der Malaria.

Karl V. ist mit seinem Bemühen, die Einheit von Kirche und Reich politisch und militärisch wiederherzustellen, gescheitert. Die Gründe dafür liegen vor allem darin, dass er die politischen Auswirkungen der Reformation in ihrer Anfangszeit unterschätzt hatte und seine Kräfte in den Folgejahren zumeist in den Kriegen mit Frankreich und gegen die Türken gebunden waren. Die außenpolitischen Herausforderungen der Regierungszeit Karls waren so groß, dass er gegenüber den protestantischen Reichsständen zumeist entweder still halten oder sie sogar durch zwischenzeitliche Zusicherung freier Religionsausübung unter sein Heerbanner bringen musste.

Mit dem politischen Scheitern Karls beginnt in Mitteleuropa das konfessionelle Zeitalter. Seitdem bis zur Wiederkehr der Glaubenseinheit – so die Idee von Augsburg – sollte es einen unbefristeten Frieden zwischen den streitenden Religionsparteien geben. Lange gehalten hat er nicht. Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 war neben politischen Konflikten auch der konfessionelle Gegensatz ursächlich für die Verwüstung Mitteleuropas.

Stefan Wittig

Weiterführende Links:

Wikipedia

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Downloads:

Kaiser Karl V. (RTF, 16 KB)

Kaiser Karl V., Bild in Druckqualität (JPG, 616 KB)

(Quelle: Württembergische Landesbibliothek)

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