22.03.2008, 100. Geburtstag
Albrecht Goes (1908 - 2000)
Mit seinen Erzählungen erlangte der württembergische Pfarrer und Dichter Albrecht Goes Weltruhm. Er schrieb viel in seinem Leben – und lebte für das Schreiben.

- Albrecht Goes an einem seiner Lieblingsplätze (Quelle: Landeskirchliches Archiv)
Welche seine Lieblingstugend sei, wurde Albrecht Goes einmal gefragt. „Gewissenhaftes Briefeschreiben“ hatte er geantwortet und damit zugleich ein Bekenntnis abgelegt – das Bekenntnis zum geschriebenen Wort als seinem Lebenselixier. „Aus dem Wort will ich Leben schlagen, wie einer Feuer schlägt aus dem Stein“, schrieb Goes 1953 in seiner „Krankenvisite“. Kein Satz eignete sich besser als dieser, müsste ein Titel für das Leben des Dichters und Pfarrers gefunden werden.
Am 22. März 1908 wird Albrecht Goes in Langenbeutingen/ Hohenlohe in eine alte württembergische Pfarrersfamilie hineingeboren. Er schlägt den in Schwaben üblichen Weg zum Pfarrdienst ein: Besuch der Seminare in Schöntal und Urach, Theologiestudium am Tübinger Stift und in Berlin. Der „sträflich faule Kollegbesucher“ – wie der ältere Goes den Studenten Goes im Rückblick nennt – wird 1930 in der Tuttlinger Stadtkirche durch den eigenen Vater ordiniert. Es folgen das Vikariat in Stuttgart und 20 Jahre als Pfarrer erst in Unterbalzheim, ab 1938 in Gebersheim bei Leonberg - „ländliche Jahre zwischen Mädchenflöten und alten Händen, Wiegen und Sterbebetten, Bratäpfelduft und christlichen Hochfesten“, wie die Südwest Presse 1983 in einem Porträt des Pfarrers und Dichters schreibt. In diese Jahre dörflicher Idylle fallen Heirat und Geburt der drei Töchter, aber auch fünf Kriegsjahre – die er erst als Soldat, dann als Lazarett- und Gefängnispfarrer an der Ostfront erlebt.
Im Wort das Leben reflektieren
Den Schrecken des Krieges verarbeitet Goes, indem er über ihn schreibt. In seiner Novelle „Unruhige Nacht“ (1950) begleitet ein Militärgeistlicher einen zum Tode verurteilten Deserteur zu dessen Hinrichtung. Rat- und Hilflosigkeit im Angesicht des Krieges, aber auch die Hoffnung dort, wo sich der Mensch am Abgrund befindet – diese zentralen Motive finden sich auch in seinen Erzählungen „Das Brandopfer“ (1954) und „Das Löffelchen“ (1963) wieder.
Im Wort reflektiert Albrecht Goes das Leben. 1932 veröffentlicht er seinen ersten Gedichtband im Selbstverlag, zudem schreibt er in diesen Jahren zahlreiche Laienspiele, die bis zum heutigen Tage aufgeführt werden. Seine - ihm sehr wichtige - theologische Arbeit ist in den Predigtbänden "Hagar am Brunnen" (1958), "Der Knecht macht keinen Lärm" (1968) und "Kanzelholz" (1971) dokumentiert. 1953 wird er auf eigenen Wunsch und zugunsten seiner schriftstellerischen Tätigkeit aus dem württembergischen Kirchendienst entlassen und in ein freies Dienstverhältnis mit regelmäßigem Predigtauftrag in Stuttgart übernommen.
Das Haus von Elisabeth und Albrecht Goes in Stuttgart-Rohr wird zum Ort der Begegnung mit Mensch und Wort. Unten empfängt das Ehepaar Nachbarn, Freunde und Kollegen. Oben hackt der Hausherr– der „die Übermacht der Computerwelt“ als „größtes Unglück“ bezeichnete - seine Arbeiten in die Schreibmaschine. Oder schreibt er, immer per Hand, seine unzähligen Briefe, die ihm bis ins hohe Alter „ein Geschenk, ein Stück persönlichen Lebens“ sind. Am 23. Februar 2000 stirbt Albrecht Goes in Stuttgart.
Wolf-Dieter Retzbach
Weiterführende Links
Downloads
Albrecht Goes, Text [RTF, 11 KB]
Albrecht Goes, Bild in Druckqualität [JPG, 989 KB]
Quelle: Württembergische Landesbibliothek
Albrecht Goes, Bild in Druckqualität [JPG, 1,8 MB]
Quelle: Landeskirchliches Archiv





