20.04.2008, 450. Todestag
Johannes Bugenhagen (1485 - 1558)
Johannes Bugenhagen, auch Doctor Pomeranus genannt, war ein bedeutender lutherischer Reformator, Freund und Pfarrer Martin Luthers.

- Johannes Bugenhagen (Quelle: Württembergische Landesbibliothek)
„Jeder Priester muss eine Privaten Opfer haben. Ergo opfert der Pomeranus seine Hörer durch seine langen Predigten, wir nämlich sind seine Opfer. Und heute hat er uns in außerordentlicher Weise geopfert.“ So stöhnte Martin Luther, nachdem sein Freund, Seelsorger und Pfarrer Johannes Bugenhagen die sonntägliche Predigt gehalten hatte – mal wieder, wie immer, viel zu lange.
Beide kannten sich seit dem März 1521 persönlich, als Bugenhagen nach Wittenberg kam, um den Reformator sowie Melanchthon kennen zu lernen. Diese Freundschaft sollte lebenslang bestehen bleiben. Bugenhagen schloss die Ehe Luthers mit Katharina von Bora, vollzog die Taufe an ihren Kindern und hielt die Grabrede für Martin Luther.
Bugenhagen studierte in Greifswald Theologie, wirkte dann als Lektor in der Klosterschule zu Belbruck. Dort kam er auch mit den Schriften Luthers in Berührung, die er zunächst als Ketzerei ablehnte. Aber sie beschäftigten ihn – so sehr, dass er im März 1521 nach Wittenberg kam, um Luther persönlich kennen zu lernen. Es wurde eine lebenslange Freundschaft. 1523 wurde er vom Rat der Stadt zum Stadtpfarrer gewählt.
"Reformator Norddeutschlands"
Im Prinzip hat Bugenhagen die evangelische Kirche geschaffen. Er kümmerte sich in besonderer Weise um evangelisch begründete Kirchenordnungen. Im Abendmahlsstreit legt er sich mit Zwingli an und kritisiert Martin Bucer (den Reformator Straßburgs ) und den württembergischen Reformator Johannes Brenz.
In Braunschweig, Hamburg, und Lübeck übernahm er die Aufgabe, mit seinen jeweiligen Kirchenordnungen die Stadtstaaten reformatorisch neu zu begründen und zu organisieren. Denn zu einer Kirchenordnung gehörte immer auch eine Schul- und eine Armenordnung. Damit war immer auch das Finanzwesen gefragt. Auch in Wittenberg organisiert er das Gemeinwesen neu, wird daraufhin nach Pommern und nach Dänemark zum selben Zweck berufen. Kein Wunder – nach seinem Tod wurde er „der Reformator Norddeutschlands“ genannt.
Nach Luthers Tod lag es an ihm, zusammen mit Melanchthon, den Kurs der Lutheraner zu bestimmen. Das von Kaiser Karl V. auferlegte Interim machte dies nicht einfacher. Hier war Bugenhagen sehr diplomatisch, was ihm harte Kritik der Gnesiolutheraner (der „Hardliner“ der Reformation) eintrug. Denen war Melanchthon schon viel zu weich und liberal (er und seine Anhänger wurden als „Kryptokatholiken“ – „heimliche Katholiken“ – verhöhnt). Und nun auch noch Bugenhagen.
Verbittert und zeitweise depressiv erkrankt, starb Johannes Bugenhagen mit 72 Jahren und wurde in der Stadtkirche in Wittenberg begraben. Melanchthon hielt ihm die Grabrede.
Jürgen Kaiser
Weiterführende Links
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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