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04.09.2007, 100. Todestag

Johannes Ziegler (1842 - 1907)

„Wann wird die Ruhe kommen?“ habe Mathilde geseufzt, wenn das Kopfweh zu schlimm wurde. „Wenn man uns hinausträgt“, habe ihr Mann Johannes geantwortet.

Johannes Ziegler

Als Direktor, Lehrer, Erzieher, aber auch als Spendensammler und Bauherr wirkte Johannes Ziegler unermüdlich für hilfsbedürftige Schüler und die Anstaltsschule in Wilhelmsdorf.

Johannes Ziegler kommt 1842 in Heubach bei Schwäbisch Gmünd zur Welt. Schon als Kind hat er einen unstillbaren Wissensdurst und Tatendrang. Gerade fünfjährig erbettelt er sich die vorzeitige Einschulung. Während der Ausbildung zum Lehrer findet er einen Freund, der mit ihm Glauben und Ehrgeiz teilt. Oft stehen beide drei Uhr nachts auf, um zu lernen.

Ein Herz für Arme, Elende und Hilfesuchende

1862 wird Ziegler Lehrer in Vorbachzimmern. Zwei Jahre später hört er vom Tod eines unbekannten Mädchens aus Wilhelmsdorf. Die 20-Jährige habe auf dem Sterbebett „heim, heim, heim“ gerufen. Ziegler ist beeindruckt und möchte in Wilhelmsdorf lernen, sich ebenso auf das Sterben freuen zu können. Er nimmt eine Stelle in der privaten Anstaltschule Wilhelmsdorf an. Als er eintrifft, begrüßen ihn 30 Knabeninstitut-Schüler und 26 Taubstumme teils „lallend und lächelnd“, erinnert sich Ziegler. Es geht bitterarm zu und Ziegler kehrt beinahe wieder um. Er ahnt nicht, dass er dort sein Leben lang wirken wird. Er lernt Mathilde, die Tochter des Leiters der Taubstummenanstalt August Friedrich Oßwald, kennen. Sie wird Zieglers Ehefrau und treue Wegbegleiterin.

1873 übernimmt Ziegler Oßwalds Stelle als Lehrer, Aufseher, Direktor und Hausvater der Wilhelmsdorfer Anstalten. Er geht in der Vaterrolle zu seinen Schülern auf, denn die Ehe bleibt kinderlos. „Für meine Söhne“ schreibt er als Widmung in jedes seiner Bücher. Lob und Verständnis, aber auch die damals übliche Strenge und Strafen prägen seinen Erziehungsstil. Ziegler setzt pädagogische Grundsätze und Ideen durch, die über 100 Jahre später noch spürbar sind. Er organisiert Schülerfeste sowie Sportwettkämpfe und beruft bereits eine Art Schülersprecher. Mit der Einführung des Turnens und Spielens in der Schule ist er seiner Zeit um zwei Jahrzehnte voraus. Der Zustrom an Zöglingen wächst rasant. Kein Aufnahmegesuch kann er ablehnen, wenn Hilfesuchende an seine Tür klopfen, „muss“ er handeln.

Als Ziegler 36-jährig zudem Gemeindevorsteher wird, ist er mit den zahlreichen Funktionen in seinem Element. Ziegler ist ein Praktiker. "Gedanken ohne Tat vertrocknen bei ihm" [Gerhard Döffinger über Johannes Ziegler in einer Rede zum 150. Geburtstag Zieglers].  Das finanzielle Budget der Anstalt ist mehr als knapp. Stets ist er auf der Suche nach Unterstützern und schafft es, beständig auszubauen: neue Anstaltshäuser, das Straßennetz, einen Park und Sportstätten. Er gründet eine Kleinkinderschule und nimmt als erster in Deutschland geistig behinderte Taubstumme in eine Schule auf. 1905 eröffnet Ziegler die erste Trinkerheilstätte, das heutige Fachkrankenhaus Ringgenhof. Er begründet damit die diakonische Arbeit für Suchtkranke in Wilhelmsdorf und wird später zum Namensgeber der Zieglerschen Anstalten.

 „Landauf, landab muss man einmal von mir sprechen, eher ruhe ich nicht!“, soll Ziegler in jugendlichem Übermut kundgegeben haben. Doch sein Tatendrang hat einen hohen Preis. Über 2000 Kinder leben und lernen nun in den Wilhelmsdorfer Anstalten, aber Zieglers rastloses Leben mündet in langer Krankheit mit unerträglicher Atemnot. Am 4. September 1907 stirbt Johannes Ziegler.

Beate Dreinhöfer


Literatur:
Gauger, Joseph: Direktor Ziegler - Ein Erzieher aus Gnaden. Elberfeld 1910
Döffinger, Gerhard: Johannes Ziegler, Festvortrag. Ravensburg 1993

Weiterführende Links

Zieglersche Anstalten

Downloads

Johannes Ziegler, Text [RTF, 15 KB]

Johannes Ziegler, Bild in Druckqualität [JPG, 125 KB],

Quelle: Graphische Sammlung der Württembergischen Landesbibliothek  

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