02.05.2007, 150. Geburtstag
Otto Umfrid (1857 - 1920)
Otto Umfrid wurde am 2. Mai 1857 in Nürtingen als Sohn des Rechtsanwaltes Otto Ludwig Umfrid und seiner Frau Mathilde Umfrid (geb. Scholl) als ältestes von sechs Kindern geboren.
Familie Umfrid hatte trotz des Berufs des Vaters stets sehr wenig Geld zur Verfügung, weswegen die Kinder größtenteils von den Großeltern oder Paten aufgezogen wurden. Obwohl Otto Umfrids Haltung seinem Vater gegenüber nicht unkritisch war, fand er in ihm das erste Vorbild für eine kritische, politisch unabhängige Haltung.
In der Schule war es damals selbstverständlich, Kinder körperlich zu züchtigen, um ihnen Gehorsam einzubläuen. Auch Umfrid, vielfach dieser Erfahrung ausgesetzt, hat nach eigenen Aussagen „nicht viel bei dem Massenbetrieb gelernt, der in der Schule angewandt wurde.“ (Mauch, Christof/ Tobias Brenner: Für eine bessere Welt ohne Krieg. Otto Umfrid und die Anfänge der Friedensbewegung. Ulm. 1987, S. 17).
Die Friedensfrage als Lebensaufgabe
Mit der evangelischen Kirche kam Umfrid im Alter von acht Jahren das erste Mal in Kontakt. Einen tiefen Eindruck hinterließ dabei der sozial engagierte Pfarrer Gustav Werner. Die Frage der sozialen Verantwortung der Amtskirche angesichts der Verarmung breiter Bevölkerungsschichten prägte bei Umfrid schon früh ein Verständnis von Christentum, an das er später in radikaler Form anknüpfte.
Die Theologenlaufbahn schlug Umfrid auch wegen der finanziellen Lage der Familie ein. Nach dem Studium im Tübinger Stift, wo er mit einer weltoffenen Theologie in Berührung kam, musste er als Vikar nach Gschwend – dort lernte er die Welt des schwäbischen Pietismus unverfälscht kennen. Im Spiegel dieses traditionellen Christentums befand er, dass Kirche sich den „großen Zeitfragen“ (Reischle, Dr. Helmut: Otto Umfrid. Sonderdruck zum Geschäftsbericht der Volksbank Nürtingen. 1993, S. 5) - wie der Friedensfrage und der sozialen Frage - zu stellen habe.
Die Friedensfrage wurde für Umfrid zur Lebensaufgabe. Im geistigen Klima der Aufrüstung traf er im Rahmen der Deutschen Friedensgesellschaft auf Gleichgesinnte. Gemeinsam mit Bertha von Suttner und anderen organisierte er von Stuttgart aus, neben seiner Tätigkeit als Stadtpfarrer, die Ortsgruppen der Friedensgesellschaft in ganz Württemberg. Bei Regierung und den so genannten „Kriegtheologen“, die sich dem Zeitgeist anpassten und die Aufrüstungspolitik theologisch untermauerten, stieß er dabei auf herben Widerstand. Mit vielen öffentlichen Schriften und zahllosen Vorträgen im ganzen Land predigte Umfrid gewaltfreies Miteinander. Das gemeinsame Ziel war, den heraufziehenden Krieg zu verhindern. Möglich war das nach Meinung der Friedensgesellschaft nur durch eine Erziehung zum Frieden.
Kurz bevor Umfrid der Friedensnobelpreis verliehen werden sollte, brach der Erste Weltkrieg aus und verhinderte die Verleihung. Er starb am 23. Mai 1920 in Winnenden nach schwerem körperlichem und seelischem Leiden im Alter von 63 Jahren. Sein Sohn Hermann trat nach seinem Tod in seine Fußstapfen und wurde, weil er sich gegen Rassendiskriminierung aussprach, von Nationalsozialisten in den Tod getrieben.
Marianne Grahm
Quellen:
Mauch, Christof und Brenner, Tobias: Für eine Welt ohne Krieg. Otto Umfrid und die Anfänge der Friedensbewegung. Ulm. 1987.
Reischle, Dr. Helmut: Otto Umfrid. Sonderdruck zum Geschäftsbericht der Volksbank Nürtingen. 1993.
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Weiterführende Links
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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Otto Umfrid, Text [RTF, 14 KB]
Otto Umfrid: Porträt von Hellmut Kuby, Nürtingen [RTF, 11 KB]
Otto Umfrid, Bild in Druckqualität [JPG, 231 KB]
Quelle: Landeskirchliches Archiv






