17.12.2007, 325. Geburtstag
Beata Sturm (1682 - 1730)
Am 17. Dezember 2007 würde Beata Sturm 325 Jahre alt. Die „Sturmin“ gilt als Muster an pietistischer Frömmigkeit und wurde im 18. und 19. Jahrhundert fast wie eine Heilige verehrt. Noch heute ist sie unter dem Ehrennamen „Württembergische Tabea“ bekannt, den ihr ihr Biograph Georg Konrad Rieger verlieh.

- Beata Sturm
1682 als Tochter des Oberjustizrats und Rechtsberaters Johann Heinrich Sturm und seiner Frau Brigitta Beata, der Tochter des Hofpredigers Christoph Zeller in Stuttgart geboren, wurde Beata Sturm eine vergleichsweise gute Bildung zuteil. Denn der Privatlehrer im Hause Sturm kümmerte sich nicht nur um den männlichen Nachwuchs.
Bibel, Gebet und karitatives Engagement
Ihr Elternhaus vermittelte Beata einen intensiven Umgang mit der Bibel. Vater Sturm las in den Ursprachen darin 73 Verse pro Tag. Beate selbst soll die Bibel im Laufe ihres Lebens etwa 30 Mal ganz durchgearbeitet haben. Ihr jüngerer Bruder machte sie zudem auf Luthers Schriften aufmerksam, die sie mit Interesse las.
Beata hatte schwere Zeiten zu durchleben. Schon in früher Jugend erkrankten ihre Augen. Zwei Jahre lang war sie praktisch blind. Im elften Lebensjahr überstand sie fünf Operationen. Diese verliehen ihr eine begrenzte Sehkraft, entstellten andererseits aber ihr Gesicht. Ein Jahr später verstarb ihre Mutter und ihr Vater geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Mehrfach hegte sie als junge Frau Selbstmordabsichten.
Die frühen Erfahrungen mit Trauer und Krankheit prägten Beata Sturms Religiosität. Die Zeit der Blindheit habe ihr die Augen für die Herrlichkeit von Gottes Schöpfung geöffnet, so sagte sie. Bibellesen, Meditation und Gebet waren zentral in Beatas Frömmigkeitspraxis. Manchmal soll sie ganze Nächte hindurch gebetet haben.
Darüber hinaus unterhielt sie intensiven Kontakt zu vielen Pfarrern und führenden Männern der Kirche. Sie unterstützte Pfarrer, die über wenig Einkommen verfügten, mit Medikamenten, Büchern und Geld und kümmerte sich um Witwen, Waisen, Arme und Kranke. Für sie setzte sie fast ihr ganzes Vermögen ein.
Die kleine Autobiographie, die ihrer eigenen Erinnerung diente, verbrannte die Sturmin kurz vor ihrem Tod. Sie sah die im Pietismus beliebten Lebensbeschreibungen frommer Menschen kritisch. Solch eine Literatur würde eigene religiöse Erfahrungen eher behindern, so meinte sie. Zur Biographie kam es trotzdem. Rieger, der die am 11. Januar 1730 Verstorbene, beerdigte, brachte noch im selben Jahr ihre Lebensbeschreibung unter dem Titel „Die Württembergische Tabea“ heraus, die zu einem Klassiker württembergisch-pietistischer Erbauungsliteratur geriet und offenbar reißenden Absatz fand. Schon wenige Monate nach ihrem Tod war sie in Norddeutschland bekannt, später sogar im halleschen Missionsgebiet Trankebar in Indien. Auch in Wien und in Klöstern hat man sich für die württembergische Pietistin interessiert, die manche Berührungspunkte mit katholischer Spiritualität aufwies.
Stephan Braun
Literatur:
Martin H. Jung: Frauen des Pietismus: von Johanna Regina Bengel bis Erdmuthe Dorothea von Zinzendorf; Gütersloh 1998
Weiterführende Links
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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Quelle: Landeskirchliches Archiv





