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24.11.2007, 375. Geburtstag

Baruch de Spinoza (1632 - 1677)

Baruch de Spinoza gilt heute als einer der größten Denker des modernen Judentums. Zu Lebzeiten aber wurde der jüdische Philosoph von seinen Glaubensbrüdern geächtet – und aus der jüdischen Gemeinde verbannt.

Baruch de Spinoza

„Verflucht sei er tagsüber, verflucht sei er bei Nacht (…) Wir warnen hiermit, dass kein Mensch mit ihm ihn Beziehung treten darf (…) und kein Buch lese, das er verfasst und geschrieben hat.“ Mit diesen Worten sprachen Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Amsterdam im Jahr 1656 den Bann gegen Baruch Spinoza aus. Vorausgegangen waren grundlegende Differenzen zwischen Spinozas Philosophie und der religiösen Tradition des Judentums. Nicht nur wurde dem Philosophen vorgeworfen, er distanziere sich öffentlich vom Glauben und stelle die Gültigkeit jüdischer Gesetze in Frage.
Auch und vor allem seine Kritik an der jüdischen Gottesvorstellung machte Spinoza zur persona non grata in jüdischen Gelehrtenkreisen. Spinoza setzte Gott gleich mit dem ziel- und zweckfreien System der Natur. Moralisch-ethische Handlungen sind keine Gotteshandlungen, sondern schreibt er allein dem Menschen zu. Mit dieser entpersonalisierten Gottesvorstellung grenzte Spinoza sich radikal vom jüdischen Gottesbegriff ab, in dessen Zentrum ein Gott der Liebe und Gerechtigkeit steht.

Philosoph und Glasschleifer

Den Bann gegen den Abtrünnigen sprachen Rabbiner jener Stadt aus, in der Spinoza am 24. November 1632 geboren wurde und als Sohn einer portugiesisch-jüdischen Einwandererfamilie aufwuchs. Spinoza verlor früh seine Mutter, nach dem Tod des Vaters übernahm der nun 23-jährige zusammen mit seinem Bruder den väterlichen Kaufmannsbetrieb. Spinoza handelte mit Südfrüchten, nebenher machte er sich im Freundeskreis und Selbststudium mit der neuesten Philosophie von Descartes, Hobbes, Bacon und Campanella vertraut. Es waren die Jahre, in denen Spinoza sich geistig von den traditionellen jüdischen Lehren löste und sich der Bruch zwischen dem Philosophen und dem Judentum vollzog.

Sein Ausschluss aus der jüdischen Gemeinde war eine harte Strafe für Spinoza, sowohl in sozialer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Jüdischer Geschäftsmann konnte er nicht mehr sein, fortan verdiente der Philosoph sich seinen Lebensunterhalt als Glasschleifer für Mikroskope und Teleskope. Nach wechselnden Aufenthalten zog Spinoza im Jahr 1670 nach Den Haag.

Im selben Jahr veröffentlichte er seinen Tractatus theologico-politicus, eine Abhandlung über die Freiheit des Philosophierens und das falsche Selbstverständnis von Theologen und Politikern. Damit galt Spinoza endgültig als Atheist, der den göttlichen Schöpfungsgedanken ablehnt. Heftige Attacken gegen das Traktat waren die Folge in einer Zeit, in der das jüdische Leben von der Religion und der Autorität der Gemeinde bestimmt wurde. Vier Jahre nach Erscheinen des Werks wurde es in den Niederlanden verboten. Nach all diesen Erfahrungen vorsichtig geworden, sah Spinoza von der Veröffentlichung seines 1675 vollendeten Hauptwerkes, der Ethica, ab. Es wurde posthum von seinen Freunden veröffentlicht, nachdem Spinoza am 21. Februar 1677 in Den Haag gestorben war.

Wolf-Dieter Retzbach

Literatur:

- Bartuschat, Wolfgang: Baruch de Spinoza. München 1996.
- Levy, Ze’ev: Baruch Spinoza – seine Aufnahme durch die jüdischen Denker in Deutschland. Stuttgart 2001.
- Hampe, Michael & Robert Schnepf (Hrsg.): Baruch de Spinoza. Ethik. Berlin 2006.

Weiterführende Links

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Wikipedia

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Quelle: Graphische Sammlung der Württembergischen Landesbibliothek

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Quelle: Landeskirchliches Archiv

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