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StartseiteGlaubenGedenktageGedenktage 2007Rieger, Magdalena Sibylla

29.12.2007, 300. Geburtstag

Magdalena Sibylla Rieger (1707 - 1786)

Die 1707 in Maulbronn geborene Dichterin wurde 1743 von der Universität Göttingens als einzige Frau Württembergs zur kaiserlich gekrönten Dichterin ernannt und später in die Teutsche Gesellschaft zu Göttingen aufgenommen.

Magdalena Sibylla Rieger

Noch zu Lebzeiten, 1772, nennt sie der Staatsrechtler und pietistische Dichter Johann Jakob Moser als einzige Frau in seinem Württembergischen Gelehrten-Lexikon. Bekannt wurden vor allem ihre poetischen Auslegungen von Predigtexten als „Andächtige Sonntagsübungen“.

Magdalena Sibylla wird von ihrem Vater, dem Prälaten und Liederdichter Philipp Heinrich Weißensee, selbst unterrichtet. Sie genießt dadurch eine für Mädchen der Barockzeit außergewöhnliche  Ausbildung. Weißensee führt sie in alte und neue Sprachen ein, bringt ihr theologisches und naturwissenschaftliches Denken nahe. Sie findet Zugang zu Gesang, Klavierspiel und Dichtkunst.

Pietistin mit aufklärerischem Impetus

Im Alter von 16 Jahren heiratet Magdalena Sibylla Emmanuel Rieger, den Bruder des bekannten Theologen Georg  Konrad Rieger. Sie bringt sechs Kinder zur Welt und führt mit ihrem Mann, dem Stadtvogt von Calw, später von Stuttgart, ein bürgerliches Leben. Im Herzogtum Württemberg des 18. Jahrhunderts bedeutet dies ein männlich dominiertes Leben und eine gewisse Enge. Sie leidet darunter, als Frau von allen geistigen Betätigungen im Bildungsbereich öffentlich ausgeschlossen zu sein und bringt dies in ihren Werken ebenso zur Sprache wie die gesellschaftliche und politische, häufig von Kriegen gezeichnete, Realität. Magdalena Sibylla Rieger gilt als tieffromme Frau mit Ecken und Kanten und Lust am eigenen Denken. Das Schreiben ist für sie nicht nur Protest, sondern auch ein Heilmittel gegen ihre „Nervenschmerzen“.


Magdalena Sibylla Rieger hat auch Lion Feuchtwanger beeindruckt. Als „Magdalen Sibylle“ findet sie Eingang in seinen Roman „Jud Süß“.  Dort allerdings wird sie zur vergewaltigten Mätresse des Herzogs.


Stephan Braun


Literaturhinweis
Elisabeth Schneider-Böklen: „Magdalena Sibylla Rieger (1707 -1786). Eine geistliche Dichterin mit verborgener Langzeitwirkung“ in: Württembergische Blätter für Kirchenmusik, Stuttgart, Heft 4/1990.

Weiterführende Links

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon über Georg Konrad Rieger, Ehemann von Magdalena Sibylla

Downloads

Magdalena Sibylla Rieger, Text [RTF, 11 KB]

Magdalena Sibylla Rieger, Bild in Druckqualität [JPG, 270 KB]

Quelle: Graphische Sammlung der Württembergischen Landesbibliothek

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