7. Juli 2006: 475. Todestag
Tilman Riemenschneider
Im Übergang von der Spätgotik zur Renaissance erlebte der Würzburger Bildhauer Tilman Riemenschneider seine künstlerische Blütezeit. Um 1500 war der mainfränkische Künstler einer der bedeutendsten Bildhauer und -schnitzer seiner Zeit.

- Tilman Riemenschneider
Ab dem frühen 16. Jahrhundert verband er sein künstlerisches Schaffen mit politischem Engagement, das ihn bis in die Ratsspitze der Stadt Würzburg führen sollte. Durch seine künstlerischen Werke und ratsherrlichen Privilegien erwarb Riemenschneider sich ein hohes gesellschaftliches Ansehen.
Zwischen 1459 und 1462 in Heiligenstadt (Thüringen) als Sohn eines Münzmeisters geboren, verbrachte Riemenschneider seine Kinder- und Jugendjahre in Osterode im Harz. Nach Lehr- und Wanderjahren in Schwaben und am Oberrhein bekam er im Jahr 1485 in Würzburg das Bürgerrecht und die Meisterwürde verliehen. In den nächsten Jahrzehnten schuf er eine Vielzahl von Figuren und Altären. Werke wie der Creglinger Marienaltar, der Heiligblutaltar in Rothenburg ob der Tauber oder der Flügelaltar in Münnerstadt verhalfen Riemenschneider zu einer gesteigerten öffentlichen Wahrnehmung. Folglich wurde er im Jahr 1504 zum Mitglied des Städtischen Rates von Würzburg gewählt. Nach knapp zwei Jahrzehnten als Ratsmitglied und seiner Wahl in den städtischen Oberrat amtierte Riemenschneider von 1520 bis 1521 als Bürgermeister von Würzburg.
Riemenschneiders Werkstatt, in der er zahlreiche Gesellen beschäftigte, entwickelte sich zu einem florierenden Kunstbetrieb. Dabei nutzte Riemenschneider in zunehmendem Maße die Form des arbeitsteiligen Werkprozesses, indem er die Ausführung von Großaufträgen zu wesentlichen Teilen seinen Mitarbeitern übertrug und diesen als Organisator vorstand.
Nachdem er sich im Bauernkrieg von 1525 auf die Seite der Aufständischen geschlagen hatte, war Riemenschneiders Ruf zerstört. In Folge dieser Parteinahme geriet er in Folterhaft. Nach seiner Entlassung und Enthebung von allen Ämtern geriet Riemenschneider in Vergessenheit, erhielt keinen größeren Auftrag mehr und stellte seine künstlerische Tätigkeit weitestgehend ein.
Tilman Riemenschneider gilt als der Hauptmeister der deutschen Spätgotik. Es sind vor allem seine Altarwerke sowie das Grabmal für Kaiser Heinrich II. im Bamberger Dom und „Adam und Eva“ am Portal der Würzburger Marienkapelle, die Riemenschneiders Ruhm begründeten und heute als Hauptwerke seines Schaffens bezeichnet werden. Der Marienaltar gilt als spätgotisches Meisterwerk, das dem württembergischen Creglingen zu internationalem Ruhm verhalf. Passion und Beweinung waren die Hauptthemen von Riemenschneiders Werken, deren Ziel die bildhafte Darstellung von Christi Leiden war. Seine Skulpturen waren nicht stilbildend, weisen aber eine unverwechselbare Handwerkskunst auf. Riemenschneiders persönliche Handschrift manifestiert sich in den ausdrucksstarken Gesichtern seiner Figuren. Dabei ersetzte er die bisher übliche Bemalung des Materials mit Licht- und Schattenwirkungen. Riemenschneider gehörte zu den wenigen zeitgenössischen Bildhauern, die ihr Handwerk sowohl in Holz als auch in Stein beherrschten. Er war darüber hinaus der erste und einzige Bildhauer seiner Zeit, der ab etwa 1500 auf die farbige Fassung seiner Plastiken verzichtete.
Riemenschneider starb am 7. Juli 1531 und hinterließ neben seiner mittlerweile vierten Ehefrau, seinen Kindern und zahlreichen Schülern die Werkstatt, die von seinem Sohn Jörg weitergeführt wurde.
Wolf-Dieter Retzbach
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Quelle: Landeskirchliches Archiv Stuttgart





