9. September 2006: 400. Todestag
Leonhard Lechner
Schon in jungen Jahren galt Leonhard Lechner als ein „gewaltiger Componist und Musicus“. Das Leben eines der bedeutendsten evangelischen Liederdichter und Komponisten war bewegt und spiegelt Süddeutschlands Kulturgeschichte in der Zeit der Renaissance wider.
Sänger, Komponist und Liederdichter
Leonhard Lechner wurde um 1553 geboren. Seine genaue Herkunft bleibt bis heute unbekannt, jedoch verweist der von ihm teilweise verwendete Beiname ‚Athesinus’ auf das Etschtal in Südtirol. Bereits in jungen Jahren fiel Lechner durch seine stimmliche Begabung auf, was ihn als Sängerknabe an den bayrischen Hof nach Landshut brachte. Dort war er unter anderem Schüler beim bedeutendsten Komponisten jener Zeit, Orlando di Lassus. 1570 verließ Lechner Landshut und verbrachte die folgenden Jahre mit Reisen, vermutlich unter anderem nach Italien.
1575 führte Lechners Weg nach Nürnberg, wo er die aus einer Handwerkerfamilie stammende Witwe Dorothea Kast heiratete. Die so errungene gesellschaftliche Anerkennung in der Reichsstadt ermöglichte es ihm, Leiter der „ehrbaren musikalischen Gesellschaft“ zu werden. Zu dieser Zeit veröffentlichte Lechner unter dem Titel „Motectae Sacrae“ eine erste Sammlung seiner zahlreichen Kompositionen und Liederdichtungen.
Aus Unzufriedenheit mit seiner dennoch nur mittelmäßigen Position bewarb Lechner sich mehrfach an verschiedenen Höfen, bis er schließlich Anfang 1584 eine Stellung als Hofkapellmeister bei Graf Eitel Friedrich von Hohenzollern in Hechingen annahm. Trotz des hohen Ansehens dieser Stelle und der guten Bezahlung stand Lechners Tätigkeit am Hofe in Hechingen jedoch von Beginn an unter schlechten Vorzeichen. Lechner, der sich in Nürnberg der Reformation angeschlossen hatte, geriet oft in Konflikt mit seinem katholischen Hofherrn, die Glaubensgegensätze erwiesen sich als unüberbrückbar. Die vordringende Gegenreformation verschärfte das Verhältnis zusätzlich, so dass Lechner sich gezwungen sah, Hechingen heimlich zu verlassen. Als somit Vogelfreier fand er zunächst im evangelischen Tübingen Unterschlupf.
Unter dem Schutz Herzog Ludwigs von Württemberg wechselte Lechner von einer bescheidenen Anstellung als Tenorist in Backnang 1589 als Hofkomponist zur Württembergischen Hofkapelle nach Stuttgart, wo er 1594 zum Hofkapellmeister ernannt wurde. Obwohl Lechner in seinen letzten Lebensjahren chronisch krank war, gelangte er in seinem Amt zu überregionalem Ruhm und leitete die Hofkapelle in deren glanzvollsten Periode. Lechner starb am 9. September 1606 und fand in der Hospitalkirche in Stuttgart seine letzte Ruhe.
Lechners Schaffen ist aus weltlicher und geistlicher Sicht von großer Bedeutung.
Er belebte das evangelische Kirchenlied neu und schuf mit seinem Werk ‚Historia der Passion und Leidens unsers einigen Erlösers und Seligmachers Jesu Christi’ ein Vorbild für viele spätere Passionskompositionen. Höhepunkt seines weltlichen Liedschaffens sind seine ‚Deutschen Sprüche von Leben und Tod’. Alle Werke Lechners glänzen durch seine meisterhafte Beherrschung der polyphonen Komposition. Neben seinem Lehrer Orlando di Lassus hat Lechner seinen Platz als bedeutendster deutscher Komponist seiner Zeit.
Peter Vaclavicek
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Weiterführende Links
Biographisch Bibliographisches Kirchenlexikon
Heiligenlexikon
Werke von Leonhard Lechner
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