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6. Januar 2006: 750. Geburtstag

Gertrud die Große von Helfta

Die Mystikerin, Theologin und Künstlerin Gertrud von Helfta wollte denen einen Weg zu Gott zeigen, die sich nach "Belebung ihres ausgedörrten Lebens sehnen".

Gertrud von Helfta Bildrechte: Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz/bpk

Am 6. Januar 1256 wurde Gertrud vermutlich in Thüringen geboren. Bereits mit fünf Jahren kam sie als Waise in das Benediktinerinnenkloster Helfta bei Eisleben. Ihre herausragende theologische Bildung und ihr Selbstbewusstsein als Frau unterscheiden sie von zahlreichen anderen Mystikerinnen des Mittelalters. Obwohl sie nie offiziell heilig gesprochen wurde, erhielt sie den Beinamen "die Große".

Zwei Werke sind der Nachwelt überliefert und liegen in deutscher Übersetzung vor: das Hauptwerk Legatus divinae pietatis (Gesandter der göttlichen Liebe), in dessen Mittelpunkt das vorbildhafte geistliche Leben Gertruds steht sowie die Exercitia spiritualia (Geistliche Übungen), die zu einem geistlichen Leben anleiten wollen.

Am 27. Januar 1281 erlebte Gertrud die für sie entscheidende Erscheinung Christi. Bis zu ihrem Tod lebte sie mit Christus in enger Verbindung, ja man kann von einer tiefen, ganzheitlichen Liebesbeziehung sprechen.

In feierlicher, schöner und alle Sinne ansprechender Prosa bringt Gertrud ihre Erfahrungen der mystischen Vereinigung zum Ausdruck: "O ewiger Sonnenstillstand, sichere Bleibe, Ort der vollauf entzückt, Paradies ewiger Freuden, überflutet von Flüssen unschätzbarer Wonne! Man wird angelockt durch das frühlingsgleiche Grünen mannigfaltiger Schönheiten, gestreichelt durch den lieblichen Ton, ja noch lieblicher durch die Melodien der Musiker, erfrischt durch den ausströmenden Duft der Gewürze, trunken von der erschlaffenden Süße des inneren Geschmacks, verwandelt durch die wunderbare Zärtlichkeit der geheimen Umarmungen!"

Gertrud hat ein außerordentlich positives Gottesbild: Gott ist für die Menschen das, was sie jeweils brauchen: Mutter, Vater, Freund, Gemahl und anderes mehr. Dieses Gottesbild führt zu einem positiven Menschenbild. Gottes Zuwendung, und insbesondere seine Menschwerdung, "vergöttlicht" den Menschen buchstäblich und heiligt ihn. Daraus leitet Gertrud die unvergleichliche Würde eines jeden Menschen ab.  Deshalb macht sie keinerlei Zugeständnisse an das männlich geprägte Denken der Kirche, sondern vertritt eine weibliche Perspektive, was sich auch im gesamten Werk der "Geistlichen Übungen" niederschlägt. Ihre Gebetsweise ist spezifisch weiblich und sie scheut sich nicht, Bibelstellen zu ändern, um für Frauen eine Identifikationsmöglichkeit herzustellen: beispielsweise macht sie aus dem verlorenen Sohn die verlorene Tochter oder sie sieht sich als junges Mädchen an der Stelle des Johannes an der Brust Christi liegen.

Gleichermaßen ist für Gertrud das Priestertum nicht an das Geschlecht gebunden, sondern einzig und allein an die Berufung durch Christus. Dabei unterscheidet sie die allgemeine Berufung der ganzen Kirche zum Priestertum und die spezifische Berufung einzelner, wozu sie sich auch zählt. Ihr eigenes Priestertum beruht auf Gottes Gegenwart in ihrer Seele, was von ihren Mitschwestern voll und öffentlich anerkannt wird.

Die ihr von Gott geschenkte innere Freiheit machte sie frei zur Kritik an kirchlichen Strukturen. Gertrud von Helfta bezog gegen Missbräuche in der Kirche Stellung. Sie wandte sich gegen den Reliquienkult, bezahlte Ablässe und dagegen, dass Menschen vom Abendmahl ausgeschlossen werden. Andererseits erschwerte ihr starker Wille den selbst auferlegten Gehorsam gegenüber Gott. Ihre Fragen an Gott formulierte sie mit einem gewissen Ton der "Gleichberechtigung".

Trotz ihrer tiefen mystischen Spiritualität lebte Gertrud nicht zurückgezogen, sondern diente den Menschen ihrer Umgebung als Ratgeberin und Seelsorgerin. Sie starb 1302 in Helfta bei Eisleben.


Anja Wessel


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Wichtiger Hinweis:
Zu Gertrud von Helfta können wir aus rechtlichen Gründen leider kein Bild zur Verfügung stellen.

Weiterführender Link

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

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Gertrud von Helfta, Text [RFT, 15 KB]

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