17. November 2006: 775. Todestag / 2007: 800. Geburtstag
Elisabeth von Thüringen
Die Lebensgeschichte Elisabeths von Thüringen befremdet den heutigen Betrachter. Knapp 800 Jahre liegen zwischen ihm und der Heiligen, die am 17. November 1231 im Alter von 24 Jahren starb. Wer sich anlässlich ihres 775. Todestages und ihres 800. Geburtstages an Elisabeth erinnert, der blickt auf einen Lebensentwurf, der nichts mit den Lebensentwürfen unserer Zeit zu tun hat.

- Elisabeth von Thüringen - Steinfigur in der Stuttgarter Stiftskirche [Bild: Evang. Kirche Stuttgart/Schmeck]
Ein Jahr ist Elisabeth alt, als die Eltern, König Andreas II von Ungarn und Gertrud von Andechs-Meran, ihre Tochter mit dem Sohn des Landgrafen von Thüringen verloben. Drei Jahre später muss das kleine Mädchen seine Familie verlassen, um auf der Wartburg, am Hof ihres künftigen Gemahls, das Leben einer Landgräfin von Grund auf einzuüben.
Schon als Kind zeigte Elisabeth eine ausgeprägte Frömmigkeit. Der Wunsch, dem gekreuzigten Christus in seiner Armut und seinem Leiden gleich zu sein, bestimmte fortan ihr Leben und motiviert ihre Zuwendung zu den Armen. Elisabeth hilft ihnen nicht in erster Linie aus Mitleid, sondern wegen des Jesuswortes: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Einmal zerreißt sie einen Leinenvorhang, bettet die Kranken, die sie zuvor gebadet hat, darauf und ruft: „Welches Glück für uns, unseren Herrn zudecken und baden zu dürfen!“ Der Adel reagiert mit Unverständnis und Ablehnung.
Außergewöhnlich für die damalige Zeit war auch ihre Ehe mit dem Landgrafen Ludwig IV von Thüringen. Adelsehen wurden damals in erster Linie aus politischen Überlegungen geschlossen. Platz für die Liebe kannten diese Ehen nicht. Anders bei Elisabeth und Ludwig. Ein Chronist schreibt über die beiden: „Oh, welch ein gar seliges Paar im ehelichen Leben sind diese beiden gewesen“. Ludwig, ein machtbewusster Realpolitiker, unterstützt die Frömmigkeit seiner Frau und deren Engagement für die Armen. Er lobt seine Frau, als sie während einer Hungersnot die Vorratskammern der Wartburg für die Bedürftigen öffnen lässt. Dagegen befürchtet Ludwigs Bruder, Heinrich Raspe, dass seine freigiebige Schwägerin die Burg in den Ruin treiben werde.
Als Ludwig 1227 auf einem Kreuzzug ins Heilige Land an einer Seuche stirbt, verliert Elisabeth mit ihrem geliebten Mann auch ihren Beschützer und ist nun den Anfeindungen ihrer Umwelt ausgeliefert. Ihr Schwager vertreibt sie mit ihren drei Kindern von der Wartburg. Zwei Freundinnen begleiten sie.
Elisabeth sucht in Eisenach am Fuße der Wartburg eine Bleibe, muss aber feststellen, dass die Menschen, denen sie früher geholfen hat, ihr Ablehnung und Hass entgegenbringen. Schließlich findet sei ein Quartier in einem ehemaligen Schweinestall. Dennoch ist Elisabeth über ihre Lage nicht unglücklich; sie fühlt sich durch ihre Armut Christus näher. In diesen Tagen der Erniedrigung und körperlichen Entbehrungen hat Elisabeth mehrere Visionen: Sie sieht Jesus Christus, der sich ihr zuwendet und sie tröstet.
Elisabeth gelangte schließlich nach Marburg an der Lahn. Mit ihrem inzwischen ausgezahlten Erbe gründete sie dort 1228 ein Spital und arbeitete dort aufopferungsvoll als Pflegerin. Elisabeth stellt sich nun ganz unter den Einfluss des Priesters Konrad von Marburg. Schon auf der Wartburg war Konrad ihr Beichtvater und so genannter Seelenführer, der sie zum ewigen Seelenheil führen sollte. Elisabeth hatte Konrad wegen seiner Armut und seiner unbarmherzigen Strenge ausgewählt.
Konrad tut alles, um Elisabeths Willen zu brechen und sie zu quälen. Auf Befehl ihres Beichtvaters gibt Elisabeth ihre Kinder weg. Ihre Mutterliebe soll der vollkommenen Liebe zu Christus und dem Nächsten nicht im Wege stehen. Elisabeth teilt offenbar diese Argumentation. Sie sieht die Erniedrigungen Konrads als Mittel, Christus ähnlicher zu werden. Sie lässt sich von Konrad blutig prügeln und wehrt sich auch nicht, als er ihr jeden Kontakt zu ihren beiden langjährigen Freundinnen verbietet. Physisch und psychisch entkräftet stirbt Elisabeth am 17. November 1231 in Marburg. Mit 24 Jahren hat sie das Ziel ihres Lebens erreicht: den Tod als Vereinigung mit Christus.
Vier Jahre später spricht Papst Gregor IX. Elisabeth heilig. Treibende Kräfte dabei sind Konrad von Marburg und das thüringische Landgrafenhaus, das sich geistlichen und politischen Machtgewinn von der Heiligsprechung erhoffte. Eine Heilige in der Familie machte sich damals gut.
Andreas Föhl
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Weiterführende Links
Elisabethjahr 2007 der Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland
Elisabeth von Thüringen bei Wikipedia
Elisabeth von Thüringen im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon
Elisabeth von Thüringen spielerisch entdecken
Die Evangelischen Kirchen und Diakonischen Werke in Hessen haben mit einem Strategiespiel im Internet die heiße Phase des Elisabethjahres 2007 eingeläutet. In dem Spiel kann jeder in die Rolle der Elisabeth von Thüringen schlüpfen: www.elisabethspiel.de
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Elisabeth von Thüringen, Text [RTF, 21 KB]
Elisabeth von Thüringen, Text - Langfassung [RTF, 23 KB]
Elisabeth von Thüringen, Bild in Druckqualität [JPG, 667 KB]; Bildrechte: Evang. Kirche Stuttgart/Schmeck





