4. Februar 2006: 100. Geburtstag
Dietrich Bonhoeffer
Bei Dietrich Bonhoeffer blieb – spannungsvoll und sich befruchtend - zusammen, was bei uns oft auseinander fällt: das gottesdienstliche Lied und der Schrei für die Stummen, Jenseitserschlossenheit und Diesseitsentschlossenheit.
Seine Briefe, Gedichte und Gebete, seine theologischen Skizzen und Bücher wurden zur Quelle von Inspiration und Ermutigung für ungezählte Menschen, vor allem auch in Ländern mit Unrechtsregimes.
So erschienen seine Briefe aus der Haft, von dem Freund Eberhard Bethge 1951 unter dem Titel "Widerstand und Ergebung" herausgegeben, auch auf Chinesisch, Japanisch und Koreanisch.
Entscheidender Ökumeniker
Dietrich Bonhoeffer kommt am 4. Februar 1906 in Breslau zur Welt, wächst mit sieben Geschwistern in den großbürgerlichen Kreisen Berlins auf, studiert in Tübingen, Rom und Berlin Theologie und wird Vikar in Barcelona. Ein Graduiertenstipendium in New York 1931/32 macht ihn zu einem entschiedenen Ökumeniker – während Deutschland sich nationalistisch einigelt.
Nach Hitlers Machtübernahme kämpft Bonhoeffer um eine klare Position seiner Kirche und formt die "Bekennende Kirche" mit, die gegen die "Deutschen Christen" eine nichtkorrumpierte evangelische Alternativkirche aufbauen will. Sein Buch "Nachfolge" ist aus diesen Kirchenkampferfahrungen herausgewachsen. Nach einem kurzen Intermezzo als Auslandspfarrer in London beruft ihn die Bekennende Kirche 1935 zum Leiter der illegalen Pfarrerausbildung in Finkenwalde bei Stettin. Bonhoeffers Konzept sorgt für Aufsehen: Er will die Vikare an eine vertiefte persönliche Spiritualität heranführen und eine christliche Kommunität bilden als Kern eines künftigen Netzwerkes von Pfarrern der Bekennenden Kirche. In der Schrift "Gemeinsames Leben" gibt er darüber Rechenschaft ab. Nach zweieinhalb Jahren beendet die Gestapo das Experiment Finkenwalde.
"Prüfungen dieser Zeit" mit dem Volk bestehen
Im Sommer 1939 trifft Bonhoeffer die folgenschwerste Entscheidung seines Lebens: Eine Gastprofessur in New York, die ihm amerikanische Freunde vermittelt hatten, bricht er nach kurzer Zeit ab. Er sieht sich nicht berechtigt, bei der Neuordnung von Kirche und Gesellschaft mitzuwirken, ohne die "Prüfungen dieser Zeit" mit seinem Volk zu teilen. Bonhoeffer findet zur Widerstandsgruppe um Admiral Canaris und wird vom Mitwisser zum Mittäter. In der Stellung eines zivilen Geheimdienstagenten kann er auch während des Krieges ins neutrale Ausland reisen und seine ökumenischen Kontakte zur Vorbereitung eines Sturzes der Naziregierung nutzen. Politischer Widerstand, in aller Zweideutigkeit, war für ihn "Nachfolge Christi". In seinen Vorarbeiten zur "Ethik", seinem geplanten Hauptwerk, reflektiert er sein Handeln – mit Einsichten, die auch für Grenzfragen unserer Zeit noch wegweisend sind.
Anfang 1943 verlobt sich Bonhoeffer mit Maria von Wedemayer, die aus einer preußischen Gutsbesitzerfamilie stammt. Doch kurz darauf wird er verhaftet. Seine Gefängnisbriefe geben davon Zeugnis, wie die Passion Jesu ins Zentrum seiner Theologie rückt und ihm die Nähe Gottes auch im Scheitern, auch im Leiden verbürgt. So erwächst ihm die Kraft, angesichts des Todes die Vision einer zukünftigen Gestalt des christlichen Glaubens und der Kirche zu skizzieren.
Am 9. April 1945 wird er im KZ Flossenbürg nach einem nächtlichen Standgericht erhängt. Mit den Worten: "Dies ist das Ende - für mich der Beginn des Lebens" hatte er sich von seinen Mitgefangenen verabschiedet.
Dr. Gottfried Claß
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Prälat Paul Dieterich über Dietrich Bonhoeffer
Film "Die letzte Stufe" auf www.kirchenfernsehen.de
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Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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Dietrich Bonhoeffer, Bild in Druckqualität, [JPG, 237 KB], Quelle: Landeskirchliches Archiv, Stuttgart
Dietrich Bonhoeffer - weiter denken
Flyer zur Festveranstaltung anlässlich des 100. Geburtstags am 4. Februar 2006 [PDF, 130 kb]






