11. November 2005, 150. Todestag

Søren Kierkegaard (1813 - 1855)

Ein oberflächlicher Zeitgenosse hätte Søren Kierkegaard wohl um sein Leben beneiden können: Als jüngstes von sieben Kindern kam er am 5. Mai 1813 in Kopenhagen zur Welt.


Sein Vater war als Wollwarenhändler ein wohlhabender Mann geworden. Bereits mit 17 Jahren begann Kierkegaard Theologie zu studieren, als beinahe "ewiger Student" im ganzen über zehn Jahre lang. Er war in Kopenhagen geradezu als "Partylöwe" bekannt und unterhielt ganze Gesellschaften mit Witz und Charme.
Dazu kam eine romantische Liebesgeschichte: Regine Olsen hieß die fast zehn Jahre jüngere Dame seines Herzens. Es war Liebe auf den ersten Blick, die beide füreinander empfanden. Doch hier zeigt sich das Außergewöhnliche in Kierkegaards Biografie: Obwohl die Liebe auf beiden Seiten unvermindert fortbestand, lehnte Kierkegaard nach der Verlobung eine Heirat ab.


Theologe und Philosoph

Er hielt sich wegen seiner Schwermut letztlich doch nicht für fähig, eine solche lebenslange Bindung einzugehen. Zudem hatte der Vater die Vorstellung, dass ein Fluch auf der Familie liege, weil er seinerseits als Kind einmal Gott verflucht habe. Fünf seiner Kinder waren ebenso wie seine erste Frau früh verstorben. Und auch Sören Kierkegaard selbst glaubte an einen frühen eigenen Tod. Fortan stürzte sich Kierkegaard geradezu auf die Theologie, um seine Lebenserfahrung zu verarbeiten.
 
Er veröffentlichte eine Vielzahl von Werken. Eines davon trägt den Titel: "Entweder-Oder". Darin klingt an, dass der Mensch vor einer Wahl steht. Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten. Und jeder Mensch steht in der Verantwortung vor Gott, es nicht in oberflächlichem Lebensgenuss zu verfehlen. "Es kommt darauf an, dass einer es wagt, ganz er selbst, dieser bestimmte einzelne Mensch zu sein, allein vor Gott, allein in dieser ungeheuren Anstrengung und mit dieser ungeheuren Verantwortung", so Kierkegaard. Die Frage nach der Wahrheit des christlichen Glaubens hat für Kierkegaard also nur dann einen Sinn, wenn sie die Existenz des einzelnen Menschen berührt und verwandelt.
 
Mit diesem "existentiellen" Grundverständnis übt Kierkegaard bis heute große Wirkung auf Theologie und Philosophie aus.
Die Theologen Rudolf Bultmann und Karl Barth stehen ebenso in seiner Tradition wie die Philosophen Karl Jaspers, Martin Heidegger, Jean Paul Sartre und Albert Camus. In seiner Zeit dagegen blieb Kierkegaard ein einsamer Mahner. Seine mitunter harte Kritik am - wie er es empfand - oberflächlichen kirchlichen und gesellschaftlichen Leben rief oft Unverständnis und Ablehnung hervor.
 
Ein kirchliches Amt, das er zwischendurch zaghaft anstrebte, wurde ihm vom Bischof nicht gewährt. Schließlich wurde er sogar Gegenstand bissiger Karikaturen in Satiremagazinen, die Hohn und Spott über ihn ausgossen. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen mit der lutherischen Staatskirche erleidet Kierkegaard am 2. Oktober 1855 einen Schlaganfall und bricht auf offener Strasse zusammen. Wenige Wochen später, am 11. November, stirbt er im Frederiks-Hospital in Kopenhagen.
 
In einer Tagebuchnotiz schreibt er 1839 in Vorahnung auf sein kommendes Leben: "Du blinder Gott der Liebe. Du, der du im Dunkeln siehst, willst du mir Klarheit schenken?... Oh, ich will alles von mir werfen, um leicht genug zu sein, damit ich dir folgen kann."
 
M. Bogner
 
 
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Weiterführende Links
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
 
Downloads
Sören Kierkegaard, Text [RTF, 20 KB]
Søren Kierkegaard, Bild in Druckqualität [JPG, 220 KB], Quelle: Landeskirchliches Archiv Stuttgart

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