22. Oktober 2005, 200. Geburtstag
Sixt Karl Kapff (1805 - 1879)
Einen "Brückenbauer" auf dem Weg zum Glauben nannte sich Sixt Karl Kapff selbst. Seine Predigten zogen Tausende von Menschen an. Kapff verband persönliche Frömmigkeit mit sozialem Engagement.

Sixt Karl Kapff
"Bei ihm hat man gesehen, dass der Glaube eine Macht ist", soll eine Frau aus dem Volk zu seiner Beerdigung gesagt haben. Er förderte den Pietismus und prägte die Evangelische Kirche in Württemberg über seine Zeit hinaus. Er gehörte zu den einflussreichsten evangelischen Geistlichen seiner Epoche.
Dekan und pietistischer Schriftsteller
Sixt Karl Kapff wurde am 22. Oktober 1805 als Sohn eines Pfarrers in Güglingen bei Brackenheim geboren. Seine Mutter stammte aus der französischen Schweiz. Unter seinen Vorfahren gab es viele Geistliche, so dass er wie selbstverständlich zur Theologie fand. Sein Studium nahm Kapff 1823 im Stift in Tübingen auf. Nach einer kurzen Zeit als Vikar bei seinem Vater, inzwischen Dekan in Tuttlingen, wurde er Lehrer in der Schweiz und schließlich Studienleiter am Tübinger Stift.1833 wurde Kapff Pfarrer der Brüdergemeinde in Korntal. In den Augen des Gemeindevorstehers war Kapff der Richtige für die Gemeinde, die von einer besonderen Frömmigkeit geprägt war und außerhalb der evangelischen Landeskirche stand. Kapffs Predigten fanden großen Anklang, die Gemeinde blühte auf. Hier begann er seine Tätigkeit als geistlicher Schriftsteller. Ab 1843 war Kapff Dekan in Münsingen, danach in Herrenberg. 1850 wurde er Prälat und Generalsuperintendent von Reutlingen und damit Mitglied der Kirchenleitung. Kapff war in diesem Amt nicht besonders glücklich. Er nahm weiterhin an Gemeinschaftsstunden teil und verband so Pietismus und Kirche in seiner Person. Diese Haltung hat die öffentliche Meinung über ihn gespalten. Einige Stimmen sprachen von der "Herrschaft des Pietismus in der württembergischen Kirche". Er habe die Einfügung der Gemeinschaften in die Landeskirche bis heute gefördert, so die andere Seite. 1852 wurde Kapff auf Anraten des scheidenden Stiftspredigers Klemm an die Stiftskirche nach Stuttgart bestellt.
Die Menschen strömten in die Stiftskirche, um seine Sonntagspredigten zu hören. Die Kirche war oft bis zum letzen Platz besetzt. Hier hatte Kapff die Möglichkeit seelsorgerisch zu wirken und missionarisch zu predigen. Seine große Wirkung entfaltete sich auch dank unzähliger Hausbesuche. Die Praxis war Kapffs Stärke. Er gab den Anstoß zur Gründung des Diakonissenhauses in Stuttgart. Unter seinem Einfluss soll eine der bekanntesten Darstellungen des im Pietismus beliebten Motivs "vom breiten und vom schmalen Weg" entstanden sein. Auf dem schmalen Weg sind Kindergottesdienst, Rettungshaus und Diakonissenanstalt zu sehen – Dinge, die Kapff gefördert hat. Kapff war zudem ein erfolgreicher Schriftsteller besinnlicher Literatur. Insbesondere seine Gebet- und Predigtbücher waren im Pietismus und in der württembergischen Kirche sehr geschätzt und verbreitet. Nach kurzer Krankheit, am 1. September 1879 starb Kapff überraschend. Er wurde auf dem Stuttgarter Fangelsbachfriedhof begraben.
B. Dreinhöfer
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Weiterführende Links
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Heiligenlexikon
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Sixt Karl Kapff, Bild in Druckqualität [JPG, 300 KB], Quelle: Landeskirchliches Archiv Stuttgart




