15. Mai 2005, 125. Geburtstag
Otto Dibelius (1880-1967)
Otto Dibelius war eine der führenden, aber auch facettenreichsten Persönlichkeiten der Evangelischen Kirche im Deutschland des 20. Jahrhunderts.
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Otto Dibelius
Kirchenpolitiker und Bischof
Otto Dibelius war in den 1930er Jahren Mitglied der Deutschnationalen Partei - und wenig später Mitglied der Bekennenden Kirche im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Als Bischof von Berlin und Brandenburg hat er 1945 die Stuttgarter Schulderklärung unterzeichnet - und als EKD-Ratsvorsitzender 1956 den Militärseelsorgevertrag. Er hat nach eigener Aussage von 1933 "schon während meiner Studentenzeit im Kampf gegen Judentum und Sozialdemokratie gestanden" - und sich später als Präsident des Ökumenischen Rats der Kirchen für Weltfrieden und Ökumene eingesetzt.Otto Dibelius wird vor 125 Jahren, am 15. Mai 1880, in Berlin geboren und wächst dort als Sohn eines preußischen Postbeamten und einer Pfarrerstochter auf. Nach Theologiestudium, Promotion und Ordination heiratet er im Dezember 1906 seine Frau Armgard. Aus der Ehe gehen sechs Kinder hervor.
Nach Jahren im Pfarrdienst wird er 1925 Generalsuperintendent der Kurmark. "Das Jahrhundert der Kirche" ist der programmatische Titel seines literarischen Hauptwerkes von 1926. Dibelius kritisiert darin die Säkularisierung des Staates nach der Novemberrevolution 1918, sieht aber gleichzeitig die Chance für die Kirche, im neuen Staat die Rolle einer Wächterin der Sittlichkeit zu übernehmen. In seiner Schrift "Friede auf Erden" fordert er 1930 die Verhinderung jeglicher Kriege aus christlicher Überzeugung.
Am 21. März 1933 predigt Dibelius in Potsdam vor den neu gewählten, überwiegend nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten. Er begrüßt die Regierungsübernahme der Nazis, warnt gleichzeitig aber vor einem Hineinregieren des Staates in die Kirche. Der preußische Staatskommissar für die Kirchen, August Jäger, enthebt Dibelius im Juli 1933 aller seiner Ämter. Nach gut halbjährigem Dienst als Kurprediger in San Remo schließt sich Dibelius, wieder zurück in Berlin, der oppositionellen Bekennenden Kirche an und rückt 1936 auf in deren Leitungsgremium, den Bruderrat. Trotz offiziellen Redeverbots predigt und schreibt er regelmäßig. 1937 veröffentlicht er zusammen mit Martin Niemöller das Buch "Wir rufen Deutschland zu Gott". Altersbedingt wird er selbst nicht mehr zum Krieg eingezogen, er verliert aber zwei seiner Söhne.
Nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes tritt Dibelius ein für eine Rückkehr zu den Strukturen der konsistorialen Kirche von vor 1933 und damit gegen das Anliegen der jüngeren Widerstands-Pfarrer, die synodale Arbeitsweise der Bekennenden Kirche und der Bruderräte fortzuführen. Sowohl in der Kurmark wie auch in ganz Deutschland setzt sich Dibelius - und mit ihm die Restauration - durch: 1945 wird er wieder in sein Amt als Generalsuperintendent von Berlin-Brandenburg eingesetzt; er nimmt jetzt den Titel "Bischof" an. Im gleichen Jahr tritt er der CDU bei. 1949 wird er auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit 183 Stimmen gegen 26 für Martin Niemöller zum Ratsvorsitzenden gewählt. Er unterstützt die Westintegration der Bundesrepublik, kritisiert die Staatsgründung der DDR und setzt sich erfolgreich für die Einheit der evangelischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland ein. 1954-1961 ist er einer von sechs Präsidenten des Weltkirchenrats.
Anfang 1966 tritt Dibelius im Alter von 85 Jahren hochgeehrt von allen Ämtern zurück. Er stirbt am 31. Januar 1967 in Berlin und wird auf dem Parkfriedhof im Stadtteil Lichterfelde in einem Ehrengrab beigesetzt. Sein Grabstein trägt die Inschrift "Vivit" (ER lebt).
P. Steinle
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Weiterführende Links
Biographisch Bibliographisches Kirchenlexikon
Wikipedia
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Otto Dibelius, Bild in Druckqualität [JPG, 650 KB], Quelle: Amt für Information





