30. Oktober 2005, 200. Geburtstag

Christoph Ulrich Hahn (1805 - 1881)

Christoph Ulrich Hahn zählt zu den Gründervätern der Diakonie in Württemberg. Heute ist er weitgehend vergessen. Wichtiger als sein Nachruhm sind jedoch seine diakonischen Gründungen. Die bedeutendste ist die 1830 gegründete Evangelische Gesellschaft Stuttgart (eva).


Hahn wird am 30. Oktober 1805 in Stuttgart geboren. Sein Vater Christoph Matthäus Daniel Hahn ist der jüngere Bruder des Erfinders Philipp Matthäus Hahn. Wie sein berühmter Onkel schlägt er die Theologenlaufbahn ein.  Nach dem Studium und einem Auslandsaufenthalt in der Schweiz – Hahn arbeitet als Erzieher und als Sekretär einer Traktatgesellschaft – wird er 1829 Vikar in Esslingen.


Pionier der Diakonie in Württemberg

In der Neckarstadt begründet Hahn seinen Ruf als Pionier der württembergischen Diakonie. Er regt "die Errichtung einer Gesellschaft zur Ausbreitung kleiner religiöser Schriften" an – um "zum Lesen der Heiligen Schrift anzutreiben und die Grundwahr-heiten unseres evangelischen Glaubens, von dem man in unserer Zeit vielfach abgewichen ist, unter dem Volke wieder vertraut, bekannt, wert und teuer zu machen."
 
Hahns Initiative wird von Esslinger Bürgern und Pfarrern aufgenommen. Der 1830 gegründete Traktatverein bringt in den kommenden Jahren zehntausende erbaulicher Schriften unter das Volk und kümmert sich um die Sammlung und Weitergabe von Spenden an Bedürftige. 1835 verlegt die Gesellschaft ihren Sitz nach Stuttgart. Die Evangelische Gesellschaft Stuttgart ist die wichtigste Gründung Hahns – mit heu-te 800 haupt- und 400 ehrenamtlichen Mitarbeitern ist die Gesellschaft auf allen Feldern diakonischer Arbeit aktiv und feiert im 200. Geburtsjahr Hahns ihr 175jähriges Jubiläum.
 
Hahn bleibt der Arbeit der Evangelischen Gesellschaft bis zu seinem Lebensende verbunden – auch noch, als er 1833 als Vereinsvorstand zurücktritt, um eine Pfarrstelle in Bönnigheim anzutreten. Wieder wird er auf dem Feld der Bildungsarbeit und der Diakonie tätig: Er ruft zunächst ein Knabenerziehungsinstitut ins Leben, dann eine Volksküche. In seinen Publikationen wirbt er für eine Diakonie, die nicht nur die Folgen, sondern die Ursachen der Armut bekämpft. Hahn gründet unter anderem einen Kindergarten (der bis heute besteht), einen Leseverein, einen Verein zur Bekleidung armer Landleute, einen Verein gegen Bettel der Handwerksgesellen und schließlich einen Verein für christlich erziehende Ackerbauschulen.
 
Neben seiner praktischen Arbeit betätigt er sich wissenschaftlich. Bezeichnenderweise interessiert sich Hahn vorwiegend für Themen aus der Sektengeschichte und dem Pietismus. Für den zweiten Band seiner monumentalen ‚Geschichte der Ketzer im Mittelalter’ verleiht ihm die Theologische Fakultät Leipzig 1849 die Ehrendoktorwür-de.
 
1859 wird Hahn als Pfarrer nach Stuttgart-Heslach berufen. Als Mitglied in der Zentralleitung des Württembergischen Wohltätigkeitsvereins engagiert er sich für den Ar-beitsschutz der Fabrikarbeiter. 1864 unterzeichnet er für das Königreich Württemberg die Genfer Konvention. Im selben Jahr wird er Vorsitzender des Württembergischen Sanitätsvereins, dem Vorläufer der Roten Kreuzes.
 
1880 tritt Hahn, für sein diakonisches Engagement hoch geehrt, zum letzten Mal in der Öffentlichkeit auf. Anlass ist die 50-Jahr-Feier der Evangelischen Gesellschaft. Er stirbt im Jahr darauf.
 
In einem Flugblatt der Evangelischen Gesellschaft von 1832 heißt es: "Der wahre Glaube an Christum ist immer in der Liebe thätig, und wer von Herzen ein Christ ist, der wünscht auch, daß alle Menschen so fröhlich und selig in Gott sein möchten, wie er es ist." Hahns Leben ist ein getreuer Spiegel dieses Programms.
 
U. Dreesman
 
 
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Mehr zum Thema
Diakonisches Werk Württemberg
 
Weiterführende Links
Biographisch Bibliographisches Kirchenlexikon
 
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Christoph Ulrich Hahn, Text [RTF, 20 KB]
Christoph Ulrich Hahn, Bild in Druckqualität [JPG, 400 KB], Quelle: Württembergische Landesbibliothek

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