Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: Philosoph der Romantik
Zum 150. Todestag (1775 - 1854)
Der 1775 in Leonberg geborene Schelling gehört zu den bedeutendsten Philosophen des Abendlandes. Er entwickelte eine theistische Religionsphilosophie und beschäftigte sich mit der Identität von Natur und Geist. 1798 wurde er durch Goethe als Professor nach Jena berufen.
Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling ist am 20. August vor 150 Jahren im Schweizer Kurort Bad Ragaz gestorben. Von Berlin war er dorthin gefahren, um sich von einer Schleimhautentzündung zu erholen. Seine letzten Vorlesungen in Berlin waren alles andere als ein Erfolg gewesen.
Zuvor hatte er in Würzburg, Erlangen und München gelehrt. Der anfangs volle Hörsaal in Berlin leerte sich zusehends. Zwar wirkten seine philosophischen Beiträge wie zuvor anregend, aber die Zahl derer, die sich von Schelling abwandten, war am Ende seines Lebens größer als die Zahl seiner Anhänger und Freunde.
Friedrich Wilhelm Joseph Schelling
"Zur Theologie tauge ich nicht"
Dem geistigen Abstieg folgt einige Jahre später der körperliche. Ohne zynisch zu sein, könnte man dies als folgerichtig - im Sinne von Schellings Identitätsphilosophie – verstehen: Als Geist in seiner Zeit mehr oder weniger bedeutungslos geworden, erholt sich der Körper des nunmehr 79-Jährigen auch im schweizerischen Kurort nicht mehr.
Mit Identitätsphilosophie bezeichnet Schelling eine Denkrichtung, die Materie und Geist, Sein und Denken nicht voneinander scheidet, sondern als Erscheinungen ein und derselben Wirklichkeit versteht. Wissen beruht laut Schelling auf einer Übereinstimmung von Objektivem und Subjektivem.
Schelling wird 1775 in Leonberg geboren, sein Vater ist hier Diakon, der sich auch als theologischer Schriftsteller betätigt und später Professor und Prediger am Kloster Bebenhausen wird. In Bebenhausen, einer Vorschule für das Tübinger Stift, lernt Schelling bereits als Achtjähriger alte Sprachen, später geht er auf die Lateinschule in Nürtingen.
Als er nach Bebenhausen zurückkehrt, nimmt er am Unterricht wesentlich älterer Schüler teil, denen der Frühreife nicht nachsteht. Mit einer Sondererlaubnis tritt Schelling als Fünfzehnjähriger an das Tübinger Stift ein, das reguläre Eintrittsalter lag bei achtzehn Jahren. Zwei Jahren philosophischer Ausbildung folgen drei Jahre theologischer Studien, nach deren pflichtgemäßer Beendigung schreibt Schelling als gerade einmal 22-Jähriger: "Zur Theologie tauge ich nicht, weil ich indes um nichts orthodoxer geworden bin."
Was keineswegs heißt, dass Schelling Atheist gewesen wäre, im Gegenteil. So wenig sich Schelling die Welt unbeseelt vorstellen kann, so wenig darf es in seinen Augen die Philosophie sein. Er schreibt: "Ich verlange ein mit Weisheit, Voraussicht, Freiheit gesetztes Sein". Schopenhauer, von Schelling beeinflusst, bescheinigt diesem ein "metaphysisches Bedürfnis".
Gott manifestiert sich nach Schelling in der Natur und lässt sich vom Menschen erkennen. "Wir können nun zum voraus sagen, dass eigentlich der ganze Prozess der Weltschöpfung, der noch immerfort der Lebensprozess in der Natur und in der Geschichte – dass dieser eigentlich nichts anderes als der Prozess der vollendeten Bewusstwerdung, der vollendeten Personalisierung Gottes ist."
Schelling schafft es nicht, die Gesamtheit seiner Gedanken zu systematisieren. Aus den einzelnen Denkansätzen und Argumentationen hat sich nie ein philosophisches Ganzes gefügt. Auch deshalb habe Schellings Werk zahlreiche Fehldeutungen erfahren, wie der 1944 geborene Philosoph Jürgen Kirchhoff feststellt.
Schelling selbst gestand die Unfertigkeit seiner Gedanken zu, nicht ohne gleichzeitig seine Gegner mangelnder Aufnahmefähigkeit und mangelnden Wohlwollens zu bezichtigen.
Astrid Günther
Unser Ausflugstipp
Besuchen Sie das Geburtshaus Schellings in Leonberg. Das heutige Stadtmuseum stellt in einem Schelling-Gedenkraum Interessantes und Rares über den Philosophen aus. Mehr >>
Weiterführende Links
Stadtmuseum Loenberg mit Schelling-Gedenkraum
Ausführlichere Version des Textes








