02.12.1860, 150. Todestag

Ferdinand Christian Baur (1792 - 1860)

Nicht überall, wo Paulus draufsteht, ist auch Paulus drin. So könnte man die für damalige Zeit neue Sicht Baurs auf das Neue Testament umschreiben. Als Tübinger Theologieprofessor begründete er die neuere „Tübinger Schule“ und führte die historisch-kritische Methode ein, mit deren Hilfe die biblischen Quellen auf ihren historischen Ursprung untersucht werden.

Ferdinand Christian Baur (Quelle: Landeskirchliches Archiv)

Ferdinand Christian Baur (Quelle: Landeskirchliches Archiv)


Baur wurde am 21. Juni 1792 in Schmiden bei Cannstatt als Sohn eines Pfarrers geboren. Wie viele Pfarrerssöhne besuchte er das theologische Seminar in Blaubeuren und später in Maulbronn. Ehe F. C. Baur als Professur für Theologie- und Dogmengeschichte in Tübingen begann eine unglaubliche Zahl an Schriften und Bücher zu veröffentlichen, war er Vikar, dann Repetent am Tübinger Stift und von 1817 bis 1826 Professor am Seminar Blaubeuren.

In Tübingen wird man durch eine Veröffentlichung auf Baur aufmerksam und bietet ihm einen Lehrstuhl an der theologischen Fakultät an. 34 Jahre lang wirkt er als Wissenschaftler der Fakultät, als prägender Lehrer für viele Studenten und zeitweise als auch als Prediger, bis einer seiner Schlaganfälle 1860 zum Tod führt. Er war ein Arbeiter, setzte sich sein Leben lang, im Sommer wie im Winter, von morgens früh um 4 Uhr an den Schreibtisch. Zu welcher Erkenntnis kam er dabei?


Geschichte als Prozess

F. C. Bauer konnte nachweisen, dass das Urchristentum nicht eine einheitliche Größe ohne inhaltlichen Spannungen war. Er unterschied die Urkirche der Jerusalemer Apostel, die dem Judentum sehr nahe stand, und die heidenchristliche – paulinisch-hellenistisch geprägte – Urkirche. Erst im Laufe des 2. und 3. Jahrhunderts sei die altkatholische Kirche als Synthese der beiden hervorgegangen.

Historisch-kritisch betrachtete er auch den neutestamentlichen Kanon, in welchem sich für ihn die Stadien dieser Entwicklung wieder spiegeln. Nur die Schriften sind für ihn echt, die diesen urchristlichen Konflikt wiedergeben: lediglich die Briefe an die Römer, Korinther und Galater schreibt er Paulus zu. Auch die Apokalypse war für ihn ein Dokument der ersten Stunde.

Die historisch-kritische Forschung hat Aspekte seiner Arbeit bestätigt, anderes ist längst überholt. Schon bald wurde er wegen seiner Nähe zu Hegel kritisiert. Nicht überholt ist aber seine Frage, wie Kirchengeschichte innerhalb der Kirche betrieben werden kann, wie mit biblischen Texten als historischen Dokumenten umzugehen ist. Karl Barth bescheinigt ihm bleibende Bedeutung: „Baur hat eine theologische Grundfrage gestellt, an der man, wie man sie auch beurteilen möge, jedenfalls nicht vorbeikommt.“

Silke Stürmer
 
Weiterführende Links
Wikipedia
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
 
Downloads
Ferdinand Christian Baur, Text [RTF, 12 KB]  
Ferdinand Christian Baur, Bild in Druckqualität [JPG, 2,47 MB] Quelle: Landeskirchliches Archiv
 
 

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