30.08.2008, 50. Todestag Karl Heim, Theologe (1874 – 1958) Karl Heim gilt als einer der einflussreichsten protestantischen Theologen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Wirken bestand darin, den christlichen Glauben auf eine sichere Grundlage zu stellen - in einer Zeit, da die Naturwissenschaft dem Weltbild eine radikal atheistische Philosophie zugrunde legte und sich viele Intellektuelle vom Glauben abwendeten. Sein viel beachtetes Lebenswerk „Glauben und Denken“ umfasst sechs Bände. Karl Heim, geboren am 20 Januar 1974 im württembergischen Frauenzimmern, entstammt einer alten schwäbischen Pfarrersfamilie: Sowohl Vater als auch Großvater waren Pfarrer mit vornehmlich pietistischer Prägung. Er besuchte die Lateinschule in Kirchheim unter Teck und ging dann, nach dem bestandenem „Landexamen“, in die Seminare Schöntal und Urach. 1892 begann Karl Heim sein Theologiestudium als Stipendiat am Evangelischen Stift in Tübingen und schloss sich der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung (DCSV) an. Nach seiner Vikarszeit in Giengen an der Brenz sowie einer Lehrtätigkeit am Christlichen Volksschullehrerseminar bei Crailsheim trat Heim von 1899 bis 1902 die Tätigkeit als Reisesekretär der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung (DCSV) an. Seine Aufgabe bestand darin, quer durch Deutschland zu reisen und an Hochschulen Vorträge über den christlichen Glauben zu halten. Hier wurde Karl Heim unmittelbar mit dem naturwissenschaftlich begründeten Atheismus konfrontiert. Das verdeutlichte ihm, wie weitreichend die Säkularisierung besonders in den akademischen Kreisen fortgeschritten war. Das gebildete Bürgertum wandte sich vom Glauben ab: Die biblische Botschaft und Gott als Schöpfer schien den Erkenntnissen der Naturwissenschaft unversöhnlich gegenüber zu stehen. Und so bestimmten gerade diese Erfahrungen seine späteren theologischen Forschungen und Lehrtätigkeit. Zwei verschiedene Auffassungen von der Welt Heims Habilitationsschrift im Jahre 1905 „Das Weltbild der Zukunft. Eine Auseinandersetzung zwischen Philosophie, Naturwissenschaft und Theologie“ zeigte schon die zukünftige Ausrichtung des Theologen, wenngleich ihm diese Studie viel Kritik seitens der Theologie und Philosophie einbrachte. Heim unterscheidet zwei verschiedene Auffassungen von der Welt: Für den Monismus besteht die Welt nur durch sich selbst und erhält sich nur aus sich selbst – weder Wunder noch Schöpfer sind denkbar. Für den Dualismus ist die Welt dagegen nicht durch sich selbst vorhanden, sondern wurde von einer jenseitigen Stelle ins Dasein gerufen. Dies wirft Fragen der Erkennbarkeit von Gott auf: Wie tut er sich kund? Wie kann man Gewissheit erlangen was Gott ist und was Gott will (Glaube und Denken, 7. Auflage, S. 16 - 18). Seine Laufbahn als Theologe begann Heim am Theologischen Konvikt in Halle als Inspektor und erhielt 1914 an der neu gegründeten evangelisch-theologischen Fakultät in Münster einen Lehrstuhl für systematische Theologie. 1920 wurde er nach Tübingen berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1948 als einflussreicher theologischer Lehrer wirkte. In seine Vorlesungen drängten nicht nur Theologiestudenten, sondern auch Studierende aller Fachbereiche. Gaben sie doch „vielen gebildeten Christen ein intellektuell gutes Gewissen zurück“ (Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde, S. 887). Nicht nur geschätzter Lehrer, auch beliebter Prediger Heims Lebenswerk bestand darin, den durch neuzeitliche Weltbilder und Geistesströmungen angefochtenen Glauben auf eine sichere Grundlage zu stellen. Er arbeitete sowohl am Problem der Glaubensgewissheit, als auch am vermittelnden Gespräch zwischen Glaube und Naturwissenschaft. Das Ergebnis seiner Auseinandersetzung von Theologie und Naturwissenschaft ist sein sechs Bände zählendes Hauptwerk "Der evangelische Glaube und das Denken der Gegenwart; Grundzüge einer christlichen Lebensanschauung", welches auch heute noch aufgelegt wird. Neben seiner Lehrtätigkeit war Heim aber auch ein sehr geschätzter Prediger: Er sprach so anschaulich, dass „Philosophen, Naturwissenschaftler und Weingärtner“ die Kirchenbänke füllten. In seinen Predigten zeigte er die entscheidende Bedeutung der Begegnung mit Jesus Christus auf. Der Theologe hatte auf mehrere Pfarrergenerationen bleibenden Einfluss. Karl Heim verstarb am 30. August 1958 in Tübingen. Anlässlich seines 100. Geburtstags wurde 1974 die Karl-Heim-Gesellschaft zur Förderung einer biblisch-christlichen Orientierung in der wissenschaftlich-technischen Welt in Freudenstadt gegründet. Seit 2000 verleiht auch die Karl-Heim-Gesellschaft den Karl-Heim-Preis für Arbeiten, die sich historisch oder systematisch mit Beziehungen zwischen christlichem Glauben, Theologie sowie Natur- und Humanwissenschaften auseinandersetzen. Sybille Kannwischer Weiterführende Literatur: Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde; Brockhaus Verlag Wuppertal Wikipedia – die freie Enzyklopädie www.wikipedia.org/wiki/Karl_Heim_(Theologe) Biographischs-bibliographisches Kirchenlexikon, Verlag Traugott Bautz www.bautz.de Weitere Informationen: Karl-Heim-Gesellschaft www.karl-heim-gesellschaft.de Jubiläumstagung der Karl-Heim-Gesellschaft Vom 31. Oktober bis zum 2. November 2008 findet die Jubiläumtagung der Karl-Heim-Gesellschaft in Bad Urach mit einem Festakt an der Universität Tübingen statt.