Ein Porträt

Landesbischof Frank Otfried July

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Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July bei seiner Bischofseinführung 2005 in der Stuttgarter Stiftskirche.

Ursprünglich wollte Frank Otfried July Theaterwissenschaften und Germanistik studieren. Dass er sich dann doch für Theologie einschrieb, ist seinem Religionslehrer zu verdanken. Der habe ihn zum Theologiestudium gebracht, erzählt der heutige Landesbischof und fügt lachend hinzu: „Ich nehme an, dass ihn mein bisheriger Lebensweg nicht unglücklich macht.“ Immerhin hat der 1954 in Darmstadt geborene July eine rasante Karriere gemacht.

Nach seinem Abitur studierte er Theologie in Tübingen und Wien. Seine Studienschwerpunkte waren Kirchengeschichte und Systematische Theologie. Nach dem Vikariat in der Gemeinde Reutlingen-Betzingen (1980 bis 1983) wurde er wissenschaftlich-theologischer Assistent im Fach Religionsphilosophie an der Universität Heidelberg. 1987 übenahm der damals 33-jährige die Aufgabe des Persönlichen Referenten des damaligen württembergischen Landesbischofs Hans von Keler. Auch für von Kelers Nachfolger Theo Sorg und Eberhardt Renz arbeitete July als „rechte Hand“ und Leiter des Bischofsbüros. 1996 wurde er Direktor und erster Pfarrer des Evangelischen Diakoniewerks Schwäbisch Hall. Dort trieb er den Umbau der traditionell geprägten Diakonissenanstalt zu einem Diakoniewerk mit 2.500 Mitarbeitern voran.

Im März 2005 schließlich wählte die württembergische Landessynode Frank Otfried July bereits im ersten Wahlgang zum neuen Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er übernahm damit die Nachfolge von Landesbischof Dr. Gerhard Maier. Als July am 23. Juli 2005 in der Stuttgarter Stiftskirche in sein Amt eingeführt wird, ist er mit 51 Jahren der jüngste Bischof in der Geschichte der Landeskirche.

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Landesbischof July (rechts) im Juli 2007 zusammen mit dem damaligen Ministerpräsidenten des Landes Bades-Württemberg, Günther Oettinger (Mitte) und dem ehemaligen badischen Landesbischof, Dr. Ulrich Fischer, nach der Unterzeichnung des Staatskirchenvertrages.

Landesbischof July will eine Kirche, die nah bei den Menschen ist, und ist davon überzeugt: „Wenn unser Wir-Gefühl weiter gestärkt wird, dann wollen Menschen auch zu dieser Kirche gehören.“ In diesem Sinne sieht er auch seine Rolle als Bischof. Dieses Amt lebe von einer intensiven Kommunikation. „Vom Hinhören, vom Antworten, vom miteinander Sprechen.“ July sieht es als eine wichtige Aufgabe an, „die unterschiedlichen Strömungen unter den württembergischen Protestanten zusammenzuhalten.“ Er versteht die Kirche als „Hoffnungsgemeinschaft“, die es trotz aller strukturellen und finanziellen Veränderungen zu stärken gilt. Den evangelischen Glauben auch aus wissenschaftlicher Perspektive kritisch zu reflektieren, gehört für den Theologen zu einer Volkskirche dazu. Auch deshalb setzte er sich immer wieder für Sicherung des Bestands und der Qualität der Theologischen Fakultäten im Land ein. „Es ist mir wichtig, die Kirchenleitung und die wissenschaftliche Theologie auch in Zukunft ins Gespräch zu bringen“, betont July. Die Evangelisch-Theologische Fakultät in Tübingen verlieh ihm für dieses Engagement im Juli 2008 die Ehrendoktorwürde.

Ein Meilenstein in der Arbeit des Landesbischofs ist die Unterzeichnung des Staatskirchenvertrags im Juli 2007 nach monatelangen Verhandlungen. Er sei ein Novum für die württembergische Landeskirche, die damit als letzte der damals 23 Gliedkirchen in Deutschland ihr „freundschaftliches und gutes Verhältnis“ zum Staat auf eine vertragliche Basis stelle, betonte July bei der Unterzeichnung. Der Vertrag ordnet die Beziehungen der beiden Evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg mit dem Land. Er regelt u. a. den Sonn- und Feiertagsschutz, den Bestand der Evangelisch-Theologischen Fakultäten in Tübingen und Heidelberg und die Rahmenbedingungen für den Religionsunterricht. Außerdem garantiert er die Staatsleistungen als Entschädigung für frühere Enteignungen.

Religion ist für Bischof July nicht nur Privatsache. Die Kirche müsse gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Kirche ohne diakonisches Engagement und Handeln ist für ihn nicht denkbar. Diakonie sei der Beitrag der Protestanten an der „Sozialgestaltung unserer Gesellschaft“, betonte er in seinem Bischofsbericht bei der Sommersynode 2007. In diesem Zusammenhang nannte er explizit auch den kirchlichen Bildungsauftrag. In jüngster Zeit setzte sich July vor allem für eine Verbesserung der Pflege und der Hospizarbeit ein. Sein diakonisches Engagement unterstrich July in den vergangenen Jahren auch immer wieder in der Gremienarbeit. Von 2010 bis 2012 saß er dem Diakonischen Rat des Diakonischen Werks der EKD vor, das im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE) aufging. Er war in besonderer Weise für den Verschmelzungsprozess zuständig. Heute gehört er dem Aufsichtsrat des EWDE an.

Die Kirchen sehen es als ihre Aufgabe an, mit dafür zu sorgen, dass Muslime in guter Nachbarschaft mit den Christen ihren Glauben leben und gestalten können.
Landesbischof Frank Otfried July

So wie die Diakonie gehört auch die Ökumene für July als wichtiger Bestandteil zur Landeskirche dazu. „Ökumene ist eine innere Haltung des Glaubens an den einen Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus“, ist July überzeugt, der ein herzliches Verhältnis zu seinem katholischen Amtskollegen pflegt. Doch auch die weltweite Ökumene liegt ihm sehr am Herzen. „Christsein kann man nicht allein leben, sondern in weltweiter Gemeinschaft. Dies bewahrt auch die deutschen Kirchen vor Selbstgenügsamkeit und Provinzialismus“, erklärte Bischof July im vergangenen Juni bei der Ratstagung des Lutherischen Weltbunds. Der LWB sei eine gemeinsame Konfessionsfamilie, die eine globale Sicht auf die Dinge und gleichzeitig ein Teilen theologischer Einsichten möglich mache. Bischof July gehört seit der Vollversammlung des LWB im Juli 2010 in Stuttgart dem Rat des Lutherischen Weltbunds an und ist Vizepräsident für die Region Westeuropa.

In den vergangenen Jahren hat sich Landesbischof July für den christlich-islamische Dialog stark gemacht. Seitdem nutzte July verschiedene Gelegenheiten, um mit Vertretern des Islam ein „Gespräch auf Augenhöhe“ zu führen. „Unsere Gesellschaft und diese Welt benötigen mehr dialogische Toleranz“, sagte July bei einem Besuch im Oman im Februar 2013. „Die Kirchen sehen es als ihre Aufgabe an, mit dafür zu sorgen, dass Muslime in guter Nachbarschaft mit den Christen ihren Glauben leben und gestalten können.“ Immer wieder rief er Vertreter des Islams dazu auf, sich gemeinsam für Menschenrechte und Toleranz einzusetzen.

2013 machte Landesbischof July mit seiner Kritik am EKD-Familienpapier von sich reden. Man habe sich „fast weggeduckt vor theologischer Argumentation.“ Die Orientierungshilfe gebe „den institutionellen Aspekt der Ehe fast lautlos auf“. Die Bedeutung der so genannten klassischen Familie werde nicht ausreichend geachtet. „Auch das Ziel lebenslanger Treue sei nicht aufgebbar", betonte July in einer Stellungnahme zum Familienpapier im Juni 2013. „Sie ist schließlich abgeleitet von der ewigen Treue Gottes zu den Menschen. Auch das vielfache Scheitern streicht dieses Ziel nicht aus.“ 

In seiner raren Freizeit ist Frank Otfried July vor allem ein Familienmensch und liest auch gerne. Mit seiner Frau Edeltraud, mit der er seit 35 Jahren verheiratet ist, spricht er gerne über Gedichte. Das Paar hat vier erwachsene Kinder.

Ute Dilg

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      15.04.2016