Kann denn Liebe Sünde sein?
Gespräch über die Thematik sein
Offener Brief der Kirchlich-Theologischen Arbeitsgemeinschaften in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg:
Unter der Überschrift "Kann denn Liebe Sünde sein...?" haben sich die Verantwortlichen der Kirchlich-theologischen Arbeitsgemeinschaften in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (KTA) auf ihrer Jahrestagung vom 12. 14. November 2001 in Heiligkreuztal mit "Liebes-Lebensformen: Vielfalt in der Kirche" beschäftigt.
Kann den Liebe Sünde sein ...?
Thema der Tagung der Verantwortlichen der KTA
Damit wurde der Erstunterzeichnung des Briefes an den Landesbischof "Unterschiede wahrnehmen - einander achten" sichtbarer Ausdruck verliehen. In dem im April 2001 dem Landesbischof übergebenen Brief erklären über 800 Pfarrerinnen und Pfarrer der württembergischen Landeskirche, dass lesbische Pfarrerinnen und schwule Pfarrer zu unserer Landeskirche gehören , und setzen sich dafür ein, dass Vorbehalte gegenüber Homosexualität überprüft werden.
Im Anschluß an die auf der Jahrestagung erfolgten Grundsatzreferate, biblisch-theologischen Arbeiten und Gespräche mit lesbischen Christinnen und schwulen Christen stellen wir fest:
Positionen
Begrüßenswert ist, dass durch viele Initiativen ein Gespräch zwischen Menschen verschiedener sexueller Orientierungen in der Kirche geführt wird, um die Diskriminierung homosexuell lebender Menschen schrittweise und nachhaltig zu beseitigen.
Neben Ehepaaren stehen auch Menschen, die in anderen Lebensformen leben, unter Gottes Segen.
Anläßlich des Inkrafttretens des Lebenspartnerschaftsgesetzes wies der Oberkirchenrat mit einem Erlaß lediglich darauf hin, dass eine Segnung homophiler Paare nicht möglich sei. Diese Verweigerung des öffentlichen Zuspruchs von Gottes Segen drängt Menschen faktisch aus der Kirche hinaus. Im Positionspapier der vom Landesbischof einberufenen Arbeitsgruppe "Homophilie" (s. "Gesichtspunkte im Blick auf die Situation homosexueller kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", S. 17). kommen ausdrücklich verschiedene Meinungen zur Frage der Segnung zu Wort. Wir erinnern daran, dass in dieser Frage kein Konsens erzielt werden konnte und ein Teil der Kommission dringend die Weiterarbeit an diesem Thema gefordert hat. Diese Tatsache darf nicht unterschlagen werden.
Forderungen
Das Positionspapier der Arbeitsgruppe "Homophilie” (veröffentlicht 2000 als Bestandteil der "Gesichtspunkte”, s.o.) ist auf den verschiedenen kirchlichen Ebenen weiterzudiskutieren.
Wir fordern die Landessynode auf, auf die durch das Lebenspartnerschaftsgesetz veränderte gesetzliche Situation kirchenrechtlich zu reagieren.
Im Sinne des Amtes der Einheit ist es elementarer Bestandteil des Bischofsamtes, die unterschiedlichen exegetisch-hermeneutischen Positionen zur Homosexualität in unserer Kirche nach außen zu vertreten und sich nicht zum Sprecher einer einzigen Auffassung zu machen. Dies gilt auch bezüglich der Aussagen zu konkreten Lebensvollzügen haupt- und ehrenamtlicher MitarbeiterInnen.
Das Theologische Dezernat im Oberkirchenrat sollte die notwendige theologische Diskussion qualitativ deutlich stärker als bisher voranbringen.
Eine deutlich verbesserte Konfliktfähigkeit bei Führungskräften auf der mittleren Ebene für den Abbau von Diskriminierungen von lesbischen und schwulen Mitarbeitenden ist nötig.
Wir ermutigen die Pfarrerinnen und Pfarrer ausdrücklich, in Pfarrkonventen, Kirchlich-theologischen Arbeitsgemeinschaften und vor allem in ihren Kirchengemeinden das Gespräch über diese Thematik zu suchen, damit Ängste, Vorurteile und Unterstellungen gegenüber Menschen in unserer Kirche abgebaut werden.
Einstimmig verabschiedet auf der Jahrestagung der KTA, Heiligkreuztal 14. November 2001
Zur Erläuterung:
Die Kirchlich-theologischen Arbeitsgemeinschaften sind die selbst verantwortete Fortbildung der Pfarrinnen und Pfarrer in der Region





