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Zukunftsmodell Familie


Entschließung der 13. Landessynode vom 8. Juli 2005

Die Württembergische Evangelische Landessynode hat sich des Themas Familie langfristig angenommen und unter dem Titel "Zukunftsmodell Familie" auf ihrer Tagung im Sommer 2005 einen Sondertag eingefügt.


Mit ihrem klaren Ja zum "Zukunftsmodell Familie" hat die Synode deutlich gemacht, dass Familie für sie kein Auslaufmodell ist, sondern Zukunft hat. Es wurde aber auch deutlich, dass sich das traditionelle Familienbild stark im Wandel befindet.

Im Rahmen des Sondertages entstand eine Entschließung der Synode mit neun Thesen zum "Zukunftsmodell Familie", die Sie auch am Ende dieser Seite herunterladen können. 


Zukunftsmodell Familie - 9 Thesen

Familie ist die grundlegende Form des menschlichen Zusammenlebens, in der Menschen von Beginn bis zum Ende ihres Lebens Heimat und Raum zum Leben finden. Zur Institution Familie gibt es keine Alternative. Sie ist die Keimzelle menschlichen Lebens.

I. Wir wollen die Familien stärken


1. Verlässlichkeit

Menschen brauchen Verlässlichkeit. Die Heilige Schrift bezeugt, wie Mann und Frau in der Ehe und wie Kinder in der Familie einen Schutzraum haben, in dem sie Verlässlichkeit erfahren und lernen. Darum stehen Ehe und Familie unter Gottes ausdrücklichem Segen und seinem schützenden Gebot (1. Mose 1,26f; 2,18.24; 2. Mose 20,12 u. 14, Matthäus 19,4-6).

Durch die Jahrhunderte hindurch blieb die Familie als elementare Lebensform erhalten, war aber zugleich ständigen Veränderungsprozessen unterworfen.

Familie wurde in den Sippenverbänden der Frühzeit anders gelebt als in den Hausgemeinschaften der Antike, in den Großfamilien der agrarischen wiederum anders als in den Kleinfamilien der industriellen Gesellschaft.

Entsprechend verändern sich bis heute ihre Erscheinungsformen stetig: Neben der klassischen Familie gibt es Ein-Eltern-Familien, sog. Patchworkfamilien, nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern u. a. – manche Soziologen sprechen sogar von der "postfamilialen Familie". Die verschiedenen Familienformen, die uns heute real begegnen, finden in der biblischen Sicht von Ehe und Familie eine lebensdienliche Orientierung.

2. Vertrauen

Immer weniger junge Menschen entscheiden sich dafür, Kinder zu bekommen. Das Vertrauen in gesellschaftliche Sicherungssysteme sinkt. Darüber hinaus verunsichern Erfahrungen des Scheiterns von Partnerschaften, Misstrauen gegenüber der eigenen Bindungsfähigkeit und der des Partners, Angst vor Arbeitslosigkeit und eine kinderfeindlich erscheinende Gesellschaft.

Alle Menschen brauchen jedoch ein Grundvertrauen in die Macht des Lebens. Christen und Christinnen vertrauen auf den Gott, den Schöpfer allen Lebens, der uns von allen Seiten fürsorglich umgibt und auch durch Krisen und Scheitern mit seiner Liebe begleitet. In die-sem Vertrauen erwächst auch aus dem Scheitern neue Zuversicht – auch der Mut zur Gründung einer Familie und die Freude an Kindern. Kinder sind eine Gabe und ein Segen Gottes (Psalm 127,3-5); durch sie wird unser Leben reich. Zugleich sind sie ein Vorbild des Vertrauens (vgl. Markus 10,13-16).

3. Verbündete

Die persönlichen Lebensentwürfe sind gegenwärtig vielfältiger als früher. Beruf und Karriere, eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten und unterschiedliche persönliche Bedürfnisse beanspruchen Zeit, Kraft und Geld; sie ziehen Familienmitglieder in verschiedene Richtungen. Konflikte, Spannungen und schmerzhafte Erfahrungen bleiben nicht aus.

Familiäre Beziehungen sind jedoch in erster Linie Bereicherung. Um sie zu pflegen und zu gestalten, braucht es Zeit. Die Pflege der Partnerschaft sowie die fürsorgliche Beziehung zwischen Eltern, Kindern und älteren Menschen kann daher nur gelingen, wenn ihr Vorrang eingeräumt wird.

Dabei sind Familien auf verlässliche Partner angewiesen, die ihnen als Verbündete zur Seite stehen. Verschiedene Gruppen in Kirchengemeinden und kirchlichen Institutionen bieten eine solche Partnerschaft an in Fragen der Alltagsbewältigung, der Erziehung, Seelsorge und Beratung.

II. Wie können wir in unseren Gemeinden Familien stärken?

4. Begegnung und Beheimatung

Familien sind die zentrale Zielgruppe der Kirchengemeinde. Wir machen den Gemeinden Mut, sich in ihrer Arbeit daran zu orientieren. Familien sind mit ihrer je eigenen Geschichte und mit ihrer Ortsgebundenheit Teil ihrer Gemeinde. In vielfältigen Angeboten der Gemeinde finden Familien zusammen. Darüber hinaus brauchen die Generationen Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs.

5. Glaubensgemeinschaft und Glaubensvermittlung

Familie ist der Ort, wo Glauben und Werte gelebt werden. Im Glauben an Jesus Christus können Familienmitglieder Ermutigung, Gemeinschaft miteinander und heilende Kräfte der Vergebung erfahren.

Kirchengemeinden übernehmen mit der Taufe die Aufgabe, Eltern, Großeltern und Paten bei der Weitergabe von Glaubensinhalten zu begleiten und zu beraten. Die Erzähltradition, Rituale und das gemeinsame Gebet sollten über den Kindergottesdienst, den Kindergarten und den Religionsunterricht sowie die Jugendarbeit hinaus in den Familien wieder belebt werden. Eltern und andere Erziehende werden in der Begleitung von Kindern und Jugendlichen auf dem Weg des Glaubens unterstützt und können so auch in ihrem eigenen Glauben gestärkt werden.

6. Gemeindeaufbau

Kirchengemeinden feiern vielfältige Gottesdienste mit Familien. Sie begleiten diese in der Eltern-Kind-Arbeit, Kindergartenarbeit, durch verschiedene Modelle der Konfirmandenarbeit (KU 3+8) sowie durch die Jugendarbeit und stärken mit Bildungsangeboten die Erziehungskompetenz der Eltern. Dadurch entstehen Netzwerke.

Motiviert durch den Auftrag der Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus engagieren sich kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind zur Begleitung bereit und geschult. Seelsorgerliche und diakonische Begleitung, Beratung und Bildungsange-bote geschehen möglichst vor Ort. Die Angebote übergemeindlicher Einrichtungen sollen in den Gemeinden bekannt und niederschwellig zugänglich sein.

Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder sind Zentren eines familienfreundlichen Gemeindeaufbaus und können sich weiterentwickeln zu Nachbarschaftszentren bzw. zu Häusern für Kinder und Familien.

III. Wie können wir als Landeskirche die Familien stärken?

7. Finanzielle Entlastung

Kinder sind ein Segen. In ihnen und mit diesen geben Menschen das ihnen anvertraute Leben weiter. Kinder bereichern unser Leben und dürfen nicht zum Armutsrisiko werden. Die Förderung der Familie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Familien werden derzeit nicht hinreichend unterstützt, die gesellschaftlichen Lasten sind ungerecht und ungleich verteilt.

Das betrifft alle Familien, Väter, Mütter und Kinder und in besonderer Weise die Familien von Alleinerziehenden. Familien brauchen deshalb veränderte finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen. Vordringlich sind die Einführung eines Familiensplittings, die Berücksichtigung der Familienarbeit bei der Rentenberechnung und eine veränderte, Familien entlastende Steuerpolitik. Um ein Signal für Kinder zu setzen, könnte das Kindergeld bereits während der Schwangerschaft bezahlt werden. Kirche unterstützt das politische und kommunalpolitische Engagement ihrer Mitglieder und Mitarbeitenden.

8. Gesellschaftliche Würdigung

Familie ist tragendes Element der Gesellschaft und für die Zukunft unersetzbar. Familien erbringen enorme intergenerative Leistungen. Erziehungs- und Hausmanagement, Beziehungs- und Altenpflege geschehen vorwiegend durch Frauen und in Familien. Leider erfah-ren diese Tätigkeiten zu wenig Anerkennung und Würdigung. Deshalb unterstützen wir die Gleichstellung von Familien- und Erwerbstätigkeit für Frauen und Männer. Familie vermittelt auch grundlegende kulturelle und soziale Werte; sie ist Lernort von Toleranz, Solidarität und Rücksichtnahme, aber auch von Konfliktfähigkeit und Kompromissbereitschaft.

9. Kirche als familienfreundliche Arbeitgeberin

Wo Kirchengemeinden, Landeskirche und Diakonie selbst Arbeitgeberinnen sind, müssen sie auf familienfördernde Arbeits- und Arbeitszeitregelungen aus sein und sie verbessern. Das betrifft besonders Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, von familienfreundlichen Arbeitszeiten, des Wiedereinstiegs ins Erwerbs-leben auch nach längerer Elternzeit und des Umgangs mit Lebensarbeitszeit und Elternzeit.


Entschließung herunterladen oder bestellen

Die Entschließung können Sie hier herunterladen [PDF, 316 KB]
oder als Broschüre bestellen über:


Evangelisches Medienhaus GmbH
Augustenstraße 124
70197 Stuttgart
Fon: 0711/2227626
Fax: 0711/2227643
verwaltung.emh@dont-want-spam.elk-wue.de
Oder online bestellen unter
www.shop.evangelisches-medienhaus.de


Broschüre zum Thema Arbeit und Familie

Vorschläge für Aktionen und Gottesdienste zum Thema Arbeit, Familie und Beruf hat der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) in einer Broschüre zusammengestellt. Die Broschüre will dazu anregen, den Buß- und Bettag in seiner ursprünglichen Bedeutung wieder zu gestalten und zu beleben. Der zweite Teil dokumentiert, wie Familienfreundlichkeit in Kirche und Wirtschaft bereits Gestalt angenommen hat.

Das Heft mit dem Titel "Arbeitsleben Familienleben, Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2005" ist für 2 Euro zuzüglich Porto zu beziehen bei Ingrid.Brokelmann@dont-want-spam.ev-akademie-boll.de


Mehr zum Thema

Sommertagung der Landessynode 2005

Preis Familienfreundliche Gemeinde

Broschüre Alleinerziehende und Kirche


Downloads

Zukunftsmodell Familie, Entschließung mit Reden [PDF, 316 KB

Zukunftsmodell Familie - 9 Thesen [PDF, 180 KB]

Internetauftritt

Arbeitsstelle Familie (ASteF)
Darstellung, Förderung und Begleitung familienfreundlicher Projekte und familienunterstützender Maßnahmen.
Die Arbeitsstelle Familie (ASteF) besteht seit September 2006.
Sie ist ein Ergebnis der Sommersynode 2005 der Evangelischen Landessynode in Württemberg mit dem Schwerpunktthema "Zukunftsmodell Familie".  Sie ist bei der EAEW angesiedelt.


 

Datum: Veranstaltung: Veranstaltungsort:
24.05.2012
Ev. Diakonieverband im Landkreis Calw Calw-Stammheim
14.06.2012
Evangelische Akademie Bad Boll Bad Boll
15.06.2012
Kilianshaus Heilbronn

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