englishfrancais

StartseiteArbeitsfelderKulturHelmuth-Uhrig-Ausstellung

Einem Engel begegnet

Sammlung des Württemberger Künstlers Helmuth Uhrig auf dem Kirchberg

Er schuf Glasfenster, Kanzeln, Paramente, Altäre und Taufsteine, gestaltete Figuren, Reliefs, Bauplastiken und Mahnmale, zeichnete und malte. Seine Werke finden sich in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Doch der Schwerpunkt seines Schaffens lag eindeutig in Baden-Württemberg. Im Jahr 2006 hätte Helmuth Uhrig seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Seit dem Jahr 2000 ist in der Unteren Scheuer des Berneuchener Klosters auf dem Kirchberg eine Kunstsammlung zu Uhrigs Werken ausgestellt. Anlässlich dieses Bestehens ist seit Sonntag, den 27. Juni 2010, auch eine thematische Jubiläumsausstellung zu sehen. Diese widmet sich Uhrigs zahlreichen Frauengestalten - von der biblischen Eva bis zu Uhrigs Gattin Margarete. Nahezu alle Kunstwerke werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Der gebürtige Heidenheimer zählt zu den herausragenden christlichen Künstlern des 20. Jahrhunderts, maßgeblich beeinflusst vom kubistischen Werk Pablo Picassos, der Psychologie C.G. Jungs und der Theologie Rudolf Bultmanns.

Sein Schaffen war geprägt durch den Versuch, „Wahrheit der Kunst und Wahrheit des Glaubens im 20. Jahrhundert wieder miteinander zu verbinden“, so der Kunstfachmann und Theologe Waldemar Wucher. Seit sechs Jahren wird die Kunstsammlung Helmuth Uhrig im Berneuchener-Haus Kloster Kirchberg präsentiert. Seine Frau hatte den künstlerischen Nachlass der Michaelsbruderschaft vermacht, der der Künstler seit 1951 angehörte.

Uhrig studierte beim Stuttgarter Bildhauer Professor Alfred Lörcher, wurde dessen Meisterschüler und Assistent. Lörcher war der enge Zusammenhang von freier Gestaltung und mathematischer Bindung wichtig. Lörcher und Uhrig verband die Liebe zur Geometrie und Uhrig entwickelte sich, so Wucher,  zum Bildhauer par excellence. 

Nach der Machtübernahme der Nazis weigerte sich Uhrig in die NSDAP einzutreten, verließ die Akademie und wurde freiberuflich tätig. Er engagierte sich beim Deutschen Roten Kreuz, wurde nach Kriegsbeginn eingezogen und war auf verschiedenen Kriegsschauplätzen für die Zusammenstellung von Lazarettzügen mit Verwundeten zuständig. Dass er, um ihr Leben zu retten, einen Transport von Frauen und Kindern veranlasst hatte, obwohl dieser nicht zugelassen war, brachte ihm die Strafversetzung zu einer Nahkampftruppe ein. Häufig ein Todesurteil. 

Als die Truppe in schwere Kämpfe verwickelt wurde und Uhrig nicht mehr ein noch aus wusste, wies ihm ein Soldat den Weg. So gelang es dem Künstler, den Kampfort zu verlassen und in Sicherheit zu gelangen. Für Uhrig ein Wendepunkt in seinem Leben. Er war überzeugt, in dem unbekannten Soldaten einem Engel begegnet zu sein.


Was Uhrig an Krieg, Zerstörung und menschlichem Leid erlebte, hatte von da an großen Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen. Ebenso seine Erfahrung mit dem Engel. Mehr als 300 seiner Werke zeigen Engel, in denen nach Uhrigs Überzeugung Gott selbst den Menschen begegnet. Aber auch seine Arbeiten zu biblischen Geschichten wie zum verlorenen Sohn, zu Hiob oder Jona, werden zu Kunstwerken.

Uhrig wollte seine Mitmenschen im christlichen Glauben bestärken, setzte dabei auf die Kraft der Symbolik und befasste sich auch in Vorträgen, Diskussionen und Schriften mit Fragen zeitgemäßer Verkündigung durch die Kunst.

Die Kunstsammlung ist von März bis Dezember jeweils am ersten und dritten Sonntag eines Monats von 14 bis 17 Uhr geöffnet, sowie nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 0 74 54 / 88 30.

Weiterführende Links

Berneuchener-Haus Kloster Kirchberg

(Wieder)Eintritt in die Kirche
Bookmarks und RSS

RSS Feed abonnieren

Ich glaub schon
Hilfe für Missbrauchsopfer