"Glaube und Arbeit ist eins – und das ist das Schöne daran"
Schwester Margarete Mühlbauer bekommt den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen
Stuttgart/Schwäbisch Hall. 1974 begann Margarete Mühlbauer ihre Karriere als Krankenschwester. Schnell hat sie festgestellt, dass ihre Berufung darin liegt, anderen Menschen zu helfen. Ihr Lebenslauf spricht Bände, ein Kaleidoskop von sozialen, missionarischen und ehrenamtlichen Tätigkeiten zum Wohle von Menschen, die Hilfe benötigen. Für ihren mehr als 35-jährigen Dienst für das Gemeinwohl bekam sie nun zusammen mit 22 anderen Bürgerinnen und Bürgern aus Baden-Württemberg von Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland – im Volksmund besser bekannt als Bundesverdienstkreuz – verliehen.

- Schwester Margarete Mühlbauer [Foto: Diakoniewerk Schwäbisch Hall]
Richtig realisiert hat Margarete Mühlbauer im ersten Moment nicht, was ihr da verliehen werden soll. Sie berichtete ihrer Mutter davon und merkte dabei, wie gerührt diese war. Dass ihrer Tochter so eine Ehre zuteil wird, sei etwas Wunderbares, ist die Mutter überzeugt.
Schon mit 20 Jahren begann Schwester Margarete, sich für hilfsbedürftige Menschen zu engagieren. Während ihrer Ausbildung zur Krankenpflegerin hat sie viel Leid und Sorgen, aber auch Freude erlebt. Die Leiden der Menschen haben sie schon immer bewegt und sehr betroffen gemacht. Daher hat sie sich dazu entschlossen, ihr Leben ganz in diesen Dienst zu stellen. Diese Erkenntnis kam ihr schon kurz nach Ende ihrer Ausbildung 1977 – offiziell als Diakonisse und Diakonin eingesegnet wurde sie dann im Jahr 1985. Bei der Einsegnung zur Diakonisse verpflichtete sie sich, nicht zu heiraten.
Kein "Aha-Erlebnis"
Ein "Aha-Erlebnis" hatte sie dabei allerdings nicht. Die Entscheidung war ein Prozess. Schon im Laufe ihrer Ausbildung dachte sie sich immer wieder, das könnte ihr Weg werden: ganz für andere da sein und auf alles andere zu verzichten. Auch heute noch sagt die 57-Jährige "ja"zu ihrer Wahl: "Ich bin diesen Weg gerne gegangen. Ich habe auf Familie und Ehe verzichtet, um ganz und gar im Dienst für andere da sein zu können. Es hat sich rentiert und es ist gut, dass ich es so gemacht habe!"
Bestätigung ihrer Lebenswahl findet sie in ihrer inneren Zufriedenheit. Sie ist dankbar für ihr Leben, für die Unterstützung ihrer Kollegen und dafür, immer wieder etwas verändern zu können, damit es anderen besser geht. "Oft sind es nur Kleinigkeiten, aber die bereiten mir eine ganz große Freude: wenn ich sehe, dass sich etwas bewegt und man wieder etwas Gutes getan hat", erzählt Margarete Mühlbauer.
Zweifel kamen der Schwester in ihrem Leben selten. Wenn sie miterleben durfte, wie Freundinnen ihre Kinder zur Welt brachten, dachte sie allerdings schon kurz darüber nach, ob ihre Entscheidung gut war. "Als Frau macht einem das schon mal was aus. Man fragt sich, ob es das Richtige war. Aber immer wieder komme ich zu dem Schluss: doch, es war richtig!"
"Es ist in Ordnung, was ich mache. Es ist gut, dass ich der Gesellschaft diene."
Schwester Margarete Mühlbauer
Gutes tun, damit Menschen leben können
Viele Jahre hat sie sich um Patienten gekümmert und stand in direktem Kontakt mit ihnen. Nachdem sie 1998 ihr Diplom in Betriebswirtschaft erhalten hat, wechselte sie den Arbeitsplatz - vom Krankenbett zum Schreibtisch. Ob Schwester Margarete den Menschen direkt hilft oder über ihre Mitarbeiter viel Gutes tut, damit Menschen leben können, spielt für sie dabei keine Rolle.
Momentan leitet Margarete Mühlbauer den Geschäftsbereich "Ambulante Dienste" im Evangelischen Diakoniewerk Schwäbisch Hall und ist stellvertretende Oberin der Gemeinschaft der Haller Schwestern und Brüder. Mit ihren Mitarbeitern und ihrer Fachkompetenz versucht sie dazu beizutragen, eine gute ambulante Pflege erbringen zu können und dafür zu sorgen, dass in der Gesellschaft die Kranken wahrgenommen werden.

- Heike Baehrens, Vorstandsmitglied im Diakonischen Werk Württemberg, Pfarrer Hans-Joachim Lenke, Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Diakoniewerkes Schwäbisch Hall, Pfarrer Volker Steinbrecher, Beauftragter der evangelischen Kirchen in Baden und Württemberg bei Landtag und Landesregierung mit Schwester Margarete Mühlbauer. [Foto: Diak Schwäbisch Hall]
Im Ehrenamt kümmert und kümmerte sie sich um viele verschiedene Bereiche: Ob beim Evangelischen Landesverband für Diakonie-Sozialstationen, in dem sie seit über 20 Jahren tätig ist, als Mitglied im Kreistag von Schwäbisch Hall oder als Synodale der Württembergischen Evangelischen Landessynode, in der sie mittlerweile in der dritten Legislaturperiode tätig ist, das Gemeinwohl steht bei Margarete Mühlbauer stets ganz oben. Dass dieses Engagement nun Anerkennung erhält, brachte sie allerdings zunächst ins Zweifeln: "Darf ich das überhaupt annehmen?" fragte sie sich. Schwester Margarete sagt von sich selbst, dass sie aus der Dankbarkeit lebt. Dankbar ist sie gegenüber Gott, dass sie so arbeiten darf. In welcher Verbindung Arbeit und Glauben steht, erklärt die Schwester mit einfachen Worten: "Das ist eins – und das ist das Schöne daran!" Ihren Glauben bringt sie überall ein. Sie artikuliert und reflektiert ihn – egal ob sie im Evangelischen Diakoniewerk arbeitet oder in ihrer Funktion als Vorsitzende des Evangelischen Landesverbands für Diakonie-Sozialstationen: Der Glaube ist immer mit dabei. Inzwischen freut sie sich auch über die Auszeichnung für ihr ehrenamtliches Engagement: "Es ist in Ordnung, was ich mache. Es ist gut, dass ich der Gesellschaft diene. Und nun freue ich mich auch darüber."
Jens Schmitt/Sarah-Lisa Angress
Am 5. Dezember wurden auch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Evangelischen Landeskirche mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet: Gerlinde Bäßler aus Asperg setzt sich in der evangelischen Kirchengemeinde dafür ein, dass Entscheidungen zum Wohl von Kindern und Jugendlichen getroffen werden. Roswitha Haury aus Ludwigsburg-Neckarweihingen gestaltet seit den 1980er Jahren das Leben in der evangelischen Kirchengemeinde aktiv mit – in Erwachsenenbildung und Anstaltsseelsorge. In der Justizvollzugsanstalt Heimsheim gibt sie Englischunterricht. Marieliese Lang aus Böblingen engagiert sich bei Kirchenfesten, Basaren und Altennachmittagen und kümmert sich um die Bewohner eines Alten- und Altenpflegeheims in Böblingen. Michael Stäbler aus Wilhelmsdorf ist Fachlehrer an der Heimsonderschule Haslachmühle. Vor 21 Jahren gründete er eine Sportgemeinschaft für Menschen mit Behinderung und integrierte die Gruppe im örtlichen Sportverein.




