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Die Schule als Herzensangelegenheit


Ingeborg Soller-Britsch, Geschäftsführerin des Evangelischen Schulwerks, geht in den Ruhestand

Stuttgart. Sie ist dann mal weg. Der 22. Juli ist ihr letzter Arbeitstag. Dann hat sie mehr Zeit, hofft sie. Mehr Zeit um zu musizieren, mehr Zeit um zu schwimmen, mehr Zeit für ihren Ehemann. Und auch für den einen oder anderen Segeltörn in den Ägäis. 


„Ich habe 42 Jahre gearbeitet. Jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist“, sagt Ingeborg Soller-Britsch mit einem Lächeln. Die Vorfreude auf den Ruhestand ist ihr anzumerken.
Die vergangenen 18 Jahre leitet sie als Geschäftsführerin das Evangelische Schulwerk Württemberg in Stuttgart. Seit Beginn des Jahres ist sie auch für die evangelischen Schulen im badischen Landesteil zuständig. Ingeborg Soller-Britsch geht mit 64 Jahren „zufrieden“ in den Ruhestand. Sie hat ihre Arbeit gerne gemacht und ist dankbar dafür, „dass ich immer einen tollen Job gehabt habe.“

Als Kind will sie zunächst Kinderärztin werden, entscheidet sich aber dann für eine Ausbildung zur Grund- und Hauptschullehrerin. „Ich wollte immer mit jungen Menschen zu tun haben und damals wurde händeringend nach neuen Lehrern gesucht“, erzählt Soller-Britsch. Schon als Schülerin ist Mathematik ihr Lieblingsfach. Als Lehrerin unterrichtet sie „Mathe“ über zwei Jahrzehnte, außerdem Geschichte, Technik und Religion. Bei ihrer Tätigkeit als Haupt- und Realschullehrerin hilft ihr ihre Fähigkeit, andere Menschen zu begeistern und zu motivieren. Bei ihren Schülern war Ingeborg Soller-Britsch deshalb sehr beliebt, sagt sie, und denkt auch „dass ich als Lehrerin erfolgreich war“.
 


Engagiert und spontan

Ingeborg Soller-Britsch [Foto: Pressestelle]

„Ich bin eine engagierte Person, kann sehr spontan sein, manchmal auch etwas impulsiv!“ So schätzt sich Soller-Britsch selber ein. Außerdem ist die verheiratete Mutter einer Tochter politisch sehr interessiert und 24 Jahre lang kommunalpolitisch aktiv: als Gemeinderätin in Weil im Schönbuch und als Kreisrätin in Böblingen. Mittlerweile wohnt sie in Holzgerlingen und will dort auch im Ruhestand wohnen bleiben.

Die Schule liegt ihr am Herzen - insbesondere das evangelische Schulwesen. Nach 24 Jahren im aktiven Schuldienst wechselt Ingeborg Soller-Britsch 1993 ins Evangelische Schulwerk Württemberg. In dem Verband sind über 160 Schulen in evangelischer Trägerschaft zusammengeschlossen.
„In jeder Schule gibt es ein theologisch begründetes Grundkonzept, das Schulklima ist einfach anders“, erklärt Soller-Britsch und beruft sich dabei auch auf viele Rückmeldungen von Schülern und Eltern.
Rund 30.000 Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg besuchen derzeit eine evangelische Schule - Tendenz steigend. Das Schulwerk berät Schulen und Träger in rechtlichen, finanziellen und konzeptionellen Fragen, organisiert Fortbildungen und übernimmt die politische Außen- und Interessenvertretung.
 


Auf das Potenzial schauen, das im Schüler steckt

Ingeborg Soller-Britsch blickt zufrieden auf Ihre Arbeit als Geschäftsführerin zurück. „Ich muss mir nicht furchtbar viel vorwerfen“, sagt sie. Ihre eigene Vorstellung von Schule war für sie immer wichtig: „Es gibt viel zu viel Selektion und Prüfung. Wir sollten nicht fragen, wo hat der Schüler Defizite, sondern mehr auf das Potenzial schauen, das in dem Schüler steckt!“ Die aktuellen Pläne der baden-württembergischen Landesregierung, Gemeinschaftsschulen einzuführen, findet Soller-Britsch „toll“. Auch wenn die Rahmenbedingungen noch abgewartet werden müssten.

Sie ist einst angetreten um das evangelische Schulwesen in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Das sei ihr gelungen, ist Ingeborg Soller-Britsch überzeugt. Im Ruhestand freut sie sich jetzt auf „mehr Selbst- und weniger Fremdbestimmung.“ Wobei sie den Kontakt mit ihren Kolleginnen im Schulwerk ganz sicher vermissen wird: „Ich werde ja jetzt dann nicht mehr gebraucht“, stellt sie mit Bedauern fest.
Aber so ganz unbrauchbar wird die 64-jährige auch im Ruhestand nicht sein: Das zeigen schon die zahlreichen Ehrenämter, die ihr schon angeboten wurden. Bis Weihnachten hat sie sich aber erstmal Ruhe verordnet.

Zum Abschied wünscht sie dem Evangelischen Schulwerk Baden und Württemberg, „dass es weiterhin wächst und gedeiht!“ Nach dem 22. Juli allerdings ohne Ingeborg Soller-Britsch. Sie ist dann mal weg und genießt ihren wohlverdienten Ruhestand.

Matthias Huttner

Weitere Informationen
Das Evangelische Schulwerk im Bildungsportal
Evangelisches Schulwerk Baden und Württemberg


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