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Schorndorfer Ehrenbürger wird 80 Jahre alt


Werner Lempp war 48 Jahre im Kirchengemeinderat tätig

Der studierte Wirtschaftsfachmann Werner Lempp hat sich schon immer engagiert und eingemischt. Ob im Kirchengemeinderat, im Gemeinderat oder im Kreistag: überall war er gern gesehen und für seinen Humor bekannt. Am 8. Juli wird der für sein ehrenamtliches Engagement vielfach Ausgezeichnete 80 Jahre alt. Auch im hohen Alter ist Werner Lempp nach wie vor aktiv.


Werner Lempp feiert seinen 80. Geburtstag im Familienkreis. (Foto: Baumgarten)

Einen Empfang zu seinem Geburtstag möchte der Jubilar allerdings nicht. Die Stadt Schorndorf hatte große Pläne und wollte eine Matinee für ihren Ehrenbürger veranstalten. Werner Lempp lehnte bescheiden aber bestimmt ab. „Das ist mir zu viel des Guten.“ Auf ein Fest im Kreise der Familie will er aber nicht verzichten. Als Familienmensch lade er bei runden Geburtstagen gerne alle ein.


Vom elterlichen Pfarrhaus geprägt

Der Zusammenhalt in der Familie ist Werner Lempp immens wichtig. Er und seine Frau pflegen engen Kontakt zu ihren drei Kindern und den fünf Enkeln. Man steht füreinander ein und hilft sich gegenseitig. Dies hat Werner Lempp schon früh gelernt. Als jüngstes von sechs Kindern des Prälaten Dr. Richard Lempp ist er in Stuttgart aufgewachsen. Während des Zweiten Weltkriegs muss die Familie Lempp einige Schicksalsschläge verkraften. Werner Lempp hat drei Brüder: einer fällt im Krieg, ein anderer kommt erst nach 10 Jahren Gefangenschaft aus Russland zurück. Sein Vater hat diesen Verlust nur schwer verkraftet. Er stirbt kurz nach Kriegsende im Sommer 1945. Werner Lempp ist mit 16 Jahren Halbwaise.


Er hat viele Grundsätze des Vaters übernommen. „Mein Vater war ein Mann mit viel Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl. Das hat mir imponiert.“ Und diese Werte hat er sich auch zu Eigen gemacht. Sie haben sein Leben lang Gültigkeit gehabt. Deshalb kann er mit Zufriedenheit zurückblicken. Werner Lempp resümiert: „Ich habe in diesen 80 Jahren viel Glück gehabt.“
Zum Glück gehört auch seine Frau Else. Werner Lempp hat sie schon früh kennen gelernt. Beide gingen auf dieselbe Schule. „1946 habe ich mir eine der Hübschesten als Freundin rausgesucht“, erklärt er lachend und zeigt auf Else Lempp. „Ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie mein Engagement immer unterstützt hat und aktiv dabei war.“ Auch der christliche Glaube hat die Eheleute seit jeher verbunden. Das empfindet Werner Lempp als wichtig. „Auch wenn es immer heißt, Gegensätze ziehen sich an. Das glaube ich nicht ganz. Eine gemeinsame Basis ist etwas ganz Entscheidendes. Und die haben meine Frau und ich.“


In der Gemeinde und in der Politik aktiv

Bereits mit 30 Jahren hat Werner Lempp für den Kirchengemeinderat kandidiert. Dort ist er lange aktiv geblieben. Bis 2007 – fast ein halbes Jahrhundert lang – hat er die Belange seiner Gemeinde maßgeblich mit gelenkt. Er hat sich dort primär um die finanziellen Fragen gekümmert. „Damit tun sich die Theologen immer etwas schwer“, erklärt der promovierte Wirtschaftswissenschaftler schmunzelnd.


Er selbst war hauptberuflich immer als Wirtschaftsfachmann beschäftigt. Zuletzt 14 Jahre als kaufmännischer Vorstand bei der Diakonie Stetten. „Das war eine sehr befriedigende Arbeit. Wir haben gebaut wie die Weltmeister.“ Es sei eine „gute und produktive Zeit“ für ihn gewesen, aber auch für die Einrichtung, da Stetten in dieser Phase stark expandiert hätte.

Werner Lempp war zudem 36 Jahre für die CDU im Gemeinderat, die meiste Zeit als Fraktionsvorsitzender. Er erinnert sich gerne zurück: „Bei uns ging es immer sehr munter zu, auch in den Fraktionssitzungen.“ Denn unter den 14 CDU-Mitgliedern waren fünf Frauen. „Die waren immer etwas sozialer eingestellt als die Herren. Das hat zu so mancher Diskussion geführt.“ Damit aber nicht genug. Als Stadtverbandsvorsitzender der CDU in Schorndorf organisierte er viele Wahlkämpfe, war 15 Jahre lang Mitglied der CDU-Kreistagsfraktion. Was er in der Politik gelernt hat? „Andere Meinungen zu akzeptieren, nicht mit Häme über andere herzufallen und sich mit Respekt zu begegnen.“ Denn es sei keine Lösung, mit der Faust auf den Tisch zu hauen. Die eigentliche Leistung sei es, einvernehmliche Lösungen zu finden. Auch jetzt noch ist er aktiv dabei. Vor den Regional- und Kommunalwahlen im Juni hat er fleißig Wahlzettel für seine Partei verteilt.


Bundesverdienstkreuz, Brenz-Medaille und Ehrenbürger

Der noch rüstige Rentner ist noch immer an Politik und Gesellschaft interessiert. (Foto: Baumgarten)

Seine zahlreichen Ehrenämter haben viel Zeit in Anspruch genommen. Neben seinen (Kirchen-)politischen Ämtern war er lange Jahre aktiv im Stiftungsrat der Gustav-Werner-Stiftung in Reutlingen, Vorsitzender des Ausschusses der Diakoniestation Schorndorf und Vorsitzender des Freundesvereins des Kreiskrankenhauses Schorndorf. „Mit Ehrenamt kann man viel bewegen und mit gestalten. Die Arbeit bringt Vielseitigkeit in das eigene Leben, “ lautet sein Fazit. Für sein Engagement hat Werner Lempp das Bundesverdienstkreuz erster Klasse erhalten. Beim Ausscheiden aus dem Kirchengemeinderat folgte die Brenz-Medaille in Bronze, eine Auszeichnung der evangelischen Landeskirche in Württemberg. Als einen persönlichen Höhepunkt bezeichnet der Jubilar die Ehrenbürgerschaft der Stadt Schorndorf. Auch wenn er sich aus Altersgründen aus vielem zurückgezogen hat, ist er bis heute Mitglied des Stiftungsrates des Marienstiftes. Dort berät er – wie sollte es anders sein – vor allem in Finanzfragen. „Ich habe meine Rolle immer stark darin gesehen, mein kaufmännisches Wissen dort einzubringen, wo es gebraucht wird.“


Der Kirche verbunden – aber durchaus kritisch

Werner Lempp bezeichnet sich selbst als fleißigen Kirchgänger. Zugleich ist und bleibt er ein kritischer Kopf. Er sieht als ein großes Problem der Kirche, dass sie viele Menschen in der heutigen Zeit nicht mehr anspricht. „Es wird oft über die Köpfe der jungen Leute hinweg gepredigt.“ Da sei noch Potential. Die jungen Leute sollten „nicht aus der Kirche hinaus gepredigt werden“. Vielmehr sollten sie, beispielweise durch Jugendgottesdienste, für die Kirche gewonnen werden.

Auch im Alter nimmt Werner Lempp noch am kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Leben der Stadt teil. Ein Notebook steht auf seinem Schreibtisch. Er lobt die „Wunder der Technik“. „Ich schreibe gerne und viele E-Mails. Dieser Kommunikationsweg ist äußerst praktisch.“ Um sich zu informieren, liest er zwei Tageszeitungen sowie eine Wochenzeitung. Auch findet man viele historische Romane in seinem Bücherregal. Zum Lesen hat er jetzt mehr Zeit als früher. Aber ganz aus dem Stadtleben heraushalten, wird er sich trotzdem nicht. „Ich diskutiere noch weiter mit“, verspricht Werner Lempp für die Zukunft.

Juliane Baumgarten

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