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Hüter der Herde des Herrn


Als Schafexperte Laienvorsitzender einer evangelischen Kirchengemeinde

Ulrich Rothweiler hat mit Schafen zu tun. Nicht nur, dass er selbst vier Exemplare sein eigen nennt und sein Geld als Ansprechpartner einer Gemeinschaft von 120 Schäfern aus Baden-Württemberg verdient. Rothweiler nimmt auch kirchliche Hirtendienste wahr: Bis zum diesjährigen Ende der Wahlperiode ist er Laienvorsitzender der Evangelischen Kirchengemeinde Albershausen im Landkreis Göppingen.

Und so verwundert es kaum, dass der Agraringenieur Ulrich Rothweiler Schafe mag: „Manche sagen, die stinken, aber für mich riechen sie angenehm.“ Schon früh hat er seinem Onkel, einem Schäfer, bei der Arbeit ausgeholfen. „Ich wollte als Junge einfach draußen sein.“ Auch das Traktorfahren habe er so schon bald gelernt. 


Zutraulichkeit durch ein "Zuckerle"

Schafexperte Ulrich Rothweiler beim Füttern seiner Schafe

Im Kontakt zu den Tieren verfügt der heute 47-Jährige somit über einige Erfahrung. Er weiß, wie man es schafft, dass die Tiere zutraulich bleiben: „Abends kriegen meine Schafe ein Zuckerle.“ Mit ihnen sei es wie mit den Menschen: „Wie man sich ihnen gegenüber verhält, so geben sie es einem zurück.“ Zudem meint er festgestellt zu haben, dass sich auch der Gemütszustand eines Menschen auf die Tiere übertrage: „Wenn man ausgeglichen mit ihnen umgeht, dann tun sie auch, was man von ihnen will.“


Schafe sind nicht dumm

Den populären biblischen Vergleich der Menschen mit hirtenlosen Schafen kann Rothweiler nachvollziehen. Schafe seien zwar grundsätzlich gutmütig und nicht dumm, aber manchmal würden sie im Herdentrieb doch einem „dahergelaufenen Idioten“ hinterher rennen. Das sei bei den Menschen auch nicht viel anders. „Sie sind wie Schafe. Es kommt sehr viel auf den Hirten an“, sagt Rothweiler. Wenn bei den Tieren Panik aufkomme, dann stürzten sich diese sogar regelrecht ins Verderben. So weiß Rothweiler die Geschichte von einem befreundeten Hirten zu erzählen, dessen Herde von einem fremden Hund erschreckt wurde. Bei der Flucht durch den engen Talweg hätten sich die Tiere gegenseitig so stark bedrängt, dass schließlich 50 von ihnen tot auf dem Weg lagen.

Der Schafexperte, der für die Schäfer den Weiterverkauf der Tiere organisiert, ist der Ansicht, dass die Tiere vorher merken, wenn ihr Lebensende gekommen ist: „Sie verstummen.“ Rothweiler weiß auch von eigenen Vorbehalten, wenn es darum geht, ein Tier privat zu schlachten. Vor vielen Jahren habe er ein wunderschönes schwarzes Lämmchen besessen. Nach einigem Hin und Her habe er sich schließlich zwar fürs Schlachten entschieden, „essen habe ich es aber nicht gekonnt“, bekennt er. Die Zuneigung zu dem kleinen Tier sei zu stark gewesen. Daraus grundsätzliche Überlegungen über das Schlachten ableiten will er aber nicht.


Hirtendienste auch in der Kirchengemeinde

Als stellvertretender Vorsitzender der Kirchengemeinde Albershausen hat Rothweiler seit sechs Jahren auch Hirtendienste im Auftrag der Kirchengemeinde übernommen. Von seiner dort geleisteten Arbeit will er allerdings nicht viel Aufhebens machen. Er neigt er eher dazu, die Ärmel hochzukrempeln und dort anzupacken, wo es etwas zu tun gibt. So zum Beispiel im Bauausschuss, dessen Vorsitzender er ist. Auf der Agenda des Kirchengemeinderates standen in den letzten Jahren verschiedene Gemeindefeste, die Rothweiler mit organisiert hat, etwa die 550-Jahr-Feier der Albershäuser Johanneskirche. Aber auch um verschiedene Angebote für Erwachsene hat er sich gekümmert, zum Beispiel um einen Vortragsabend über Schafe und Schafkrankheiten oder um die Durchführung eines Glaubensgesprächskreises.

So könnte man meinen, Ulrich Rothweiler gehöre zu den Menschen, die sich mehr oder weniger ihr ganzes Leben lang schon eng mit der Kirche identifizieren und in ihr engagieren. Doch das wäre gefehlt. „Nach der Konfirmation war bei mir mit Kirche nicht mehr viel“, erinnert er sich. Und auf die Frage, wie er den Weg zurück zur Kirche gefunden habe, ist spürbar, dass Rothweiler eigentlich gar nicht so ausführlich darüber sprechen will, weil er fürchtet, nicht verstanden zu werden. In einer Situation, in der Gott und die Kirche für ihn nicht besonders im Blickfeld waren, entdeckte er vor Jahren einen Verteilzettel mit dem Hinweis, doch mal das Johannesevangelium zu lesen. Was er dort las, hat Rothweiler in seinen damaligen Lebensumständen stark berührt. Das eine kam zum anderen, und schon bald fand er sich in den Gottesdiensten der Albershäuser Kirche wieder. „Der neue Pfarrer, den wir damals bekommen haben, hat mir von seinem Predigtstil her sehr gut gefallen“, sagt Rothweiler, und so kam er nun sonntags regelmäßig.


Erneut Kandidat bei den Kirchenwahlen 2007

Die Folge: Kurz vor der damals anstehenden Kirchenwahl haben ihn dann einige Gemeindeglieder gefragt, ob er sich nicht vorstellen könne, für den Kirchengemeinderat zu kandidieren. Rothweiler konnte. Seit zwölf Jahren ist er nun dabei, die letzten sechs als stellvertretender Kirchengemeinderatsvorsitzender. Sechs weitere Jahre sollen es nun werden. Bei den Kirchenwahlen am 11. November in der württembergischen Landeskirche will der bescheiden wirkende Mann wieder kandidieren. Für Albershausen und seine Schäfchen, die in der Kirche natürlich.

Stefan Wittig

Weitere Informationen

Kirchenwahl 2007


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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