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In Nord-Borneo bei dem Volk der Momogun


Der Bernhäuser Missionar Traugott Forschner wird 80 Jahre alt

Am 1. Juli vor 80 Jahren kam Traugott Forschner 1927 in dem Haus in Bernhausen auf den Fildern zur Welt, in dem er heute noch immer lebt. So könnte man meinen, Forschner wäre in seinem Leben nicht weit über die Fildern hinausgekommen, doch weit gefehlt.

Zwar war sein Argument für die noch im Krieg absolvierte Ausbildung zum Metallflugzeugbauer die Nähe Bernhausens zum Flughafen, der wenige Jahre zuvor auf den Fildern entstanden war. Aber dass ihn sein Leben mit 28 Jahren als Missionar nach Malaysia verschlagen würde, war da noch nicht absehbar.


Traugott Forschner

Den ungeliebten Krieg überlebt hat Forschner, der mit 17 Jahren kurz vor Ende noch zwangsweise einberufen wurde, wahrscheinlich nur wegen einer Lungenentzündung. 1947 trat er in den Dienst der Basler Mission und fing mit einer siebenjährigen Ausbildung an, die ihn zum Studium nach Wuppertal führte. Für zwölf Jahre ging Forschner anschließend nach Malaysia, genauer in eine Region, die damals in noch kolonialer Zeit den Namen Britisch-Nordborneo  trug. In der Provinz Sabah lebt bis heute das Volk der Momogun. Eigentlich sind es mehrere Völker, aber sie eint eine Sprache, eben Momogun. Ungefähr 200.000 Menschen sind ihrer heute noch mächtig, erzählt Forschner. Damals, als er nach Sabah kam, wurde diese Sprache zwar gesprochen, aber das war alles. Momogun schreiben oder lesen konnte niemand. Denn eine Schriftsprache existierte nicht. Forschner machte sich daran, zunächst selbst die Sprache zu lernen, kein leichtes Unterfangen sollte man meinen, wenn Wörter durch Hinzufügungen davor oder dahinter bis zu 167 Veränderungen erfahren können. Dann schuf er eine Schriftsprache, erstellte Wörterbücher und Grammatiken. Aber er brachte den Momogun nicht nur bei, ihre eigene Sprache zu schreiben und zu lesen, sondern stellte auch Materialien her, mit denen die Momogun Englisch lernen konnten.


Im Auftrag der Basler Mission gründete Forschner auch ganze Schulen. Später übersetzte er das Neue Testament und schließlich auch große Teile des Alten Testaments in die Sprache der Menschen, die ihm ans Herz gewachsen waren. 1966 war er an der Gründung der protestantischen Kirche in Sabah wesentlich beteiligt, zu deren ersten Präsidenten er gewählt wurde. Weil sich aber schon ein Jahr später die politische Situation in Malaysia so entscheidend veränderte, führte nun kein Weg mehr an einer Ausreise vorbei, um einer Ausweisung zuvorzukommen. So widmete er sich nun von Deutschland aus der Unterstützung der Missionsarbeit. Gleichzeitig reiste er Jahr für Jahr für mehrwöchige Aufenthalte nach Malaysia. Forschner legte 1970 noch das Zweite theologische Examen der Landeskirche ab und wurde so Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, 1973 Prälaturpfarrer für Mission und Ökumene in Stuttgart. Er hielt Vorträge landauf und landab, um in den Gemeinden für die Sache der Mission und immer wieder auch für seine Momogun in Nordborneo zu werben und Spenden zu sammeln.

Der Mann, der so viel bewegt hat, sagt dennoch von sich: „Die Dinge sind auf mich zugekommen, ich habe nie eine Vision gehabt, Sachen zu machen.“ Den Kritikern der Missionsarbeit, die ihr vor allem den Import eines westlichen Kultur- und Zivilisationsverständnisses vorwerfen, hält Forschner entgegen, „ohne unsere Arbeit wären die Momogun kaputt gemacht worden, sie wären herabgesunken zu primitiven Plantagenarbeitern“. Denn Jahrzehnte vorher sind viele Chinesen ins Land gekommen, ursprünglich selbst einmal arm, waren sie in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu reichen Großgrundbesitzern geworden. Deren billige Arbeitskräfte wären die Momogun ohne die Bildungsinitiative der Basler Mission geworden. „Durch unsere Arbeit haben heute viele von ihnen im Land eine gesellschaftliche Leitungsposition inne“, sagt Forschner nicht ganz ohne Stolz auf die geleistete Arbeit. Ein Brief der vergangenen Woche aus Malaysia belegt es: Einer von Forschners damaligen Mitarbeitern, denen er Lesen und Schreiben beigebracht hat, erzählt von seinen Enkeln, die heute wie selbstverständlich aufs Gymnasium gehen, ein Studium absolvieren oder sogar als Dozenten an der Universität unterrichten. Ein schönes Geburtstagsgeschenk für den 80-Jährigen.

Stefan Wittig


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