Vom Kaminzimmer bis zum Kirchentag
Thomas und Rotraut Knodel haben den Text des bislang ersten Kirchenwahl-Liedes geschrieben
Dieses Lied wird in keiner Hitparade vertreten sein, in keiner CD-Abteilung eines Kaufhauses zu finden sein und in keinem der großen Radio-Sender gespielt werden. Und trotzdem ist es ein Lied für Millionen, das in den nächsten Monaten in ganz Württemberg gesungen wird.
Die Rede ist vom bislang ersten Kirchenwahl-Lied mit dem Titel „Gib deiner Kirche deine Stimme“. Eigens für die Kirchenwahl in der württembergischen evangelischen Landeskirche am 11. November komponiert, soll das Lied die knapp zwei Millionen wahlberechtigten Protestanten nicht nur zum Wählen, sondern auch zum Nachdenken über die Kirche animieren.
„Warum lohnt es sich, der Kirche seine Stimme zu geben?“, fragt Rotraut Knodel und hat sofort eine Antwort parat. „Weil Kirche unheimlich viele Möglichkeiten bietet, weil sie Zeit und Raum gibt für meine Bedürfnisse und Ansprüche, weil sich Menschen in ihr einbringen können mit dem Anteil, den sie einbringen möchten.“ Genau dieses Bild von Kirche und Gemeinde haben Rotraut und Thomas Knodel im Text des Kirchenwahl-Liedes entworfen. Das Ehepaar hat einen landeskirchlichen Wettbewerb gewonnen, bei dem insgesamt 44 Textvorschlägen eingereicht worden waren.
„Erst war es eine Herausforderung, dann kam die Inspiration, dann kamen die ersten Verszeilen“, blickt Thomas Knodel zurück, der nicht ungeübt ans Werk ging. Der Gemeindediakon ist zugleich seit vielen Jahren Liedermacher und hat bereits vier CDs mit eigenen Liedern veröffentlicht. Als Liederpoeten treten die Knodels im ganzen Land auf, „vom Kaminzimmer bis zum Kirchentag“, und meist vor einem Publikum, das „eher die leisen, feinen Töne sucht und eigene Lebensgeschichten in unseren Texten wieder findet“, wie Thomas Knodel weiß. Auch wenn das musizierende Ehepaar bei seinen Auftritten den überschaubaren Rahmen und die Nähe zum Publikum bevorzugt, den Auftritt beim Evangelischen Kirchentag 1999 in Stuttgart bezeichnen beide dennoch als „Highlight“. Damals lockten ihre Lieder so viele Menschen in die Schlosskirche, dass diese wegen Überfüllung geschlossen werden musste. Das sei „einfach ein tolles Gefühl“ gewesen, erinnert sich Thomas Knodel, den ein Erlebnis dieser Art auch am 7. Juli erwartet.
Dann wird das Kirchenwahllied in der Stuttgarter Stiftskirche uraufgeführt. Die Knodels werden vor Ort sein und sich von mehreren hundert Sängerinnen und Sängern aus ganz Württemberg ihr eigenes Lied vorsingen lassen. Anschließend wird es seinen Weg in die württembergischen Kirchengemeinden antreten und die Menschen auf die Wahl am 11. November einstimmen.
Das Motto der Kirchenwahl – „Der Kirche eine Stimme geben“ – nahmen die Knodels als Vorlage für ihren Liedttext. So heißt es im Kehrvers: „Gib deiner Kirche deine Stimme, bleib nicht allein, bringe dich ein“. Aus dem Textbaustein „…eine Stimme geben“ wurde das stärker auffordernde „…deine Stimme geben“, weil es bei der Kirchenwahl darum gehe, „dass deine Stimme dort ankommt, wo sie mit entscheiden kann“, betont Rotraut Knodel. Die stellvertretende Präsidentin der württembergischen Landessynode versteht die Stimmabgabe nicht als „Sich Einmischen in irgendetwas“, sondern als Türöffner zu einer Gemeinschaft, in der jeder seinen Platz findet.
Wolf-Dieter Retzbach
Download
Der vollständige Text zum Herunterladen [RTF, 56 KB]
Alle Infos zum Kirchenwahl-Lied und
zur Uraufführung am 7. Juli
Text und Noten Kirchenwahl-Lied





