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Nicht nur an der Oberflächte kratzen


Der langjährige Oberkirchenrat Roland Tompert wurde am 31. Mai 2007 75 Jahre alt


Ein Auto gibt es im Haushalt Tompert nicht mehr. Roland Tompert und seine Frau fahren lieber Rad, oder weitere Strecken mit dem Zug. Die Umwelt liegt dem langjährigen Oberkirchenrat am Herzen. Auch unser Gespräch findet draußen statt, inmitten duftender Blumenpracht.


Gepflegt werden die Blumen und Bäume von Frau Tompert, das Gemüse und der Kompost seien seine Welt, meint Roland Tompert stolz. Aus dem Garrtenhäuschen schweift der Blick über Weilimdorfer Felder. Die Welt wachse immer weiter zusammen, so der promovierte Jurist, das führe an vielen Stellen zu Problemen. Am 31. Mai 2007 feiert Roland Tompert seinen 75. Geburtstag und wird nicht müde, über Lösungen nachzudenken: „Die großen Probleme der Welt zu lösen, bedarf es einer globalen Rechtsordnung.“ Er hat sich in den letzten Jahren zunächst mit islamischem Recht befasst, zurzeit arbeitet er an einem Vortrag zum chinesischen Recht.

Roland Tompert wurde in Stuttgart-Feuerbach geboren. Nach dem Krieg war nie viel Geld im Hause. Doch Tompert hatte Glück – er war ein guter Schüler und zwei Pfarrer, Otto Mörike und Gotthilf Schenkel, sorgten dafür, dass er 1948 sein Landexamen ablegen und die Evangelisch-theologischen Seminare in Schöntal und Bad Urach durchlaufen konnte. Dies sei eine entscheidende Weichenstellung für sein späteres kirchliches Engagement gewesen.

Der „normale Weg“ hätte ihn an die Theologische Fakultät in Tübingen geführt. „Aber wenn man nicht schwimmen kann, stürzt man sich nicht ins Wasser“, sagt Roland Tompert und strafft die Schultern. Er war der Meinung, dass man nur dann Theologie studieren sollte, wenn man die Existenz Gottes zweifelsfrei bejahen könne. Er selbst sei sich damals nicht sicher gewesen und entschied sich für Jura.

Nach seiner Promotion begann Roland Tompert als Rechtsanwalt zu arbeiten, wechselte dann ins Landratsamt, wo er sich mit Abwasserorganisation und Wasserwirtschaft beschäftigte. Seine Augen leuchten, wenn er über den Bau erster Kläranlagen in Württemberg berichtet. Parallel begann Tompert, sich verstärkt für die Kirche zu engagieren. Über befreundete Theologen kam er zum Projekt „Kolonie im Ramtel“, einem Stadtteil von Leonberg. Dabei ging es um neue Formen der Gemeindearbeit, unter anderem um die Integration von Migranten. Tompert hatte großen Spaß bei dieser Arbeit, unbefriedigend sei für ihn als berufstätigen Juristen allein die knappe Zeit gewesen. „Wenn man in der Kirche etwas bewegen will, muss man das hauptamtlich machen“, das sei Tompert in dieser Zeit klar geworden. 1967 wechselte Tompert erneut die Arbeitsstelle. Manfred Rommel, ehemaliger Stuttgarter Oberbürgermeister und zu dieser Zeit Redenschreiber bei Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, ermutigte ihn, nach Bonn zu kommen. Tompert war dort im Bereich Wirtschaftspolitik für das Bundeskanzleramt tätig. Zwei Jahre später betrat er wieder württembergischen Boden – er sei der „Ellbogenkultur der Bonner Beamtenschaft“ nicht gewachsen gewesen, sagt Tompert.

Roland Tompert trat nun hauptamtlich in kirchlichen Dienst als Oberkirchenrat für den Bereich Dienst- und Organisationsrecht. Er begann die Organisations- und Dienstrechtsstruktur zu reformieren. Er war gefordert wie nie zuvor und froh, als Ende der 80er Jahre ein neuer Kollege zu seiner Entlastung eingestellt wurde. Er schließt für einen Moment die Augen und erinnert sich daran, wie sehr er es genoss, wieder mehr Zeit für sich zu haben.

1994 ging Roland Tompert offiziell in den Ruhestand und blieb kirchlich engagiert, beispielsweise als Vorstandsmitglied des Trägervereins Evangelischer Fachschulen für Sozialpädagogik. Seinen 75. Geburtstag wird Roland Tompert im kleinen Familienkreis mit seiner Frau, seiner Tochter und den Enkeln feiern.

Simone Scheps


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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