englishfrancais

StartseiteArbeitsfelderKirche und MenschenPorträts aus der LandeskircheArchiv PorträtsLore Fischer

Musik zur Ehre Gottes


55 Jahre lang hat Lore Fischer Orgel gespielt

Auf der Orgelbank war Lore Fischer zu Hause. 55 Jahre lang ließ sie die „Königin der Instrumente“ erklingen. Jetzt ist sie in Niederstetten-Wildentierbach im Main-Tauber-Kreis in den Ruhestand verabschiedet worden.

Bereits als kleines Mädchen mit 10 Jahren hat Lore Fischer das Orgelspiel erlernt. Der Pfarrer ihrer Heimatgemeinde Adolzhausen im Taubertal hatte sie dazu ermuntert, da dringend Nachwuchsorganisten gesucht wurden. Ein anderer Pfarrer gab ihr Unterricht, und schon kurze Zeit später hat die junge Lore Fischer 1952 ihren ersten Gottesdienst auf der Orgel begleitet. Knapp 12 Jahre lang erfreute sich die Adolzhausener Gemeinde an ihrem Spiel. Dann heiratete die begabte Musikerin nach Wildentierbach. Seit 1970 spielte Lore Fischer nun regelmäßig in der Wildentierbacher Marienkirche, bis heute. Egal ob Sonntagsgottesdienst, Beerdigung, Hochzeit, Konfirmation oder Andacht, stets zuverlässig ließ sie geistliche Orgelmusik in der Kirche erklingen.


Kindererziehung, Haushalt, Orgeldienst

Organistin Lore Fischer (Mitte), Pfarrer Roland Stiehle (links) und Kirchengemeinderatsvorsitzende Luise Klenk (rechts)

Neben Kirchenmusik hatte Lore Fischer auch andere Aufgaben. Sie kümmerte sich mit ihrem Mann, einem Landwirt, um die Werkstatt zur Reparatur der Landmaschinen, betreute die Landwirtschaft mit und übernahm die Erziehung ihrer drei Kinder. „Es war immer was los und viel zu tun“. Lore Fischer erzählt auch, dass es manchmal durchaus schwierig war, Familie, Geschäftshaushalt und Orgeldienst zu vereinbaren. Aber die rüstige Frau wusste sich zu helfen. „Am Samstag habe ich für Sonntag vorgekocht“, berichtet Lore Fischer von ihrem organisatorischen Talent. So konnte die Familie nach dem Gottesdienst ohne Stress gemeinsam Mittagessen.


Lampenfieber auch noch nach 55 Jahren

Ihre Zuverlässigkeit und ihr besonderes Engagement waren für die kleine Kirchengemeinde im Kirchenbezirk Weikersheim ein Segen. Jeden Samstag bereitete sich Lore Fischer auf den Gottesdienst vor. Sie suchte die passenden Noten heraus und ordnete alles für den Sonntag. Selbst nach jahrelanger Tätigkeit übte sie stets am Festtag eine halbe Stunde vor Kirchenbeginn die Choräle und Lieder. „Jeder gute Künstler spielt vor seinem Auftritt nochmals alles durch“, erläutert Lore Fischer ihre Gewissenhaftigkeit. Besonders aufgeregt war sie, wenn eine Trauung oder eine Beerdigung stattfand. Denn bei solch einem Ereignis lauschten nicht nur die gewohnten Kirchgänger, sondern auch viele fremde Besucher ihrem Spiel. Da setzte sie sich auch noch nach 55 Jahren mit ein wenig Lampenfieber auf die Orgelbank. „Schließlich präsentiert man sich der Öffentlichkeit und will ohne Fehler musizieren“, erklärt Lore Fischer ihre Nervosität.


Durchhaltevermögen und Begeisterung

Üben muss also sein. Und außerdem gab es auch für sie immer wieder Neuartiges. Die Einführung des neuen evangelischen Gesangbuchs 1996 zum Beispiel bereicherte kirchliche Feiern mit vielen modernen Liedern. Diese hat Lore Fischer gerne einstudiert. „Die haben mir auch gefallen“, stellt sie fest. Doch ihr absolutes Lieblingslied ist der traditionsreiche Kirchenschlager „Großer Gott, wir loben dich“. Mit dem Vortrag dieses Werks hat sie sich am 22.Juli dieses Jahres von der Orgel in Wildentierbach und ihrer Kirchengemeinde verabschiedet.

Insgesamt begleitete sie rund 2500 Gottesdienste. „Ungern“, so Pfarrer Roland Stiehle in seiner Laudatio, lasse die Gemeinde sie ziehen, doch man akzeptiere Lore Fischers Wunsch, aus Altersgründen aufzuhören. „So lange durchzuhalten und ganz selbstverständlich da zu sein, das gelingt nur, wenn man es auch mit Freude und innerer Anteilnahme macht“, meint Stiehle. Ihr langes Durchhaltevermögen erklärt Lore Fischer selbst so: „Ich bin froh, wenn ich jeden Sonntag gesegnet in die neue Woche gehen darf“.


Juliana Vogt/ Peter Keßler


(Wieder)Eintritt in die Kirche
Bookmarks und RSS

RSS Feed abonnieren

Hilfe für Missbrauchsopfer