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„Mein Mann war mir wichtiger“


Eine Entscheidung zwischen Ehe und Beruf

Als Isolde Betz 1951 in Tübingen mit dem Theologiestudium begann, war sie eine von wenigen Frauen unter vielen Männern. Und ihre Berufsaussichten waren ziemlich schlecht: Frauen konnten damals nicht "richtige" Pfarrerinnen werden, und eine kirchliche Anstellung war an die Bedingung geknüpft, unverheiratet zu bleiben.


Isolde Betz

Auf dem Couchtisch steht vor einer Blumenvase mit frischen, bunten Herbstblumen eine kleine Schwarz-Weiß-Fotografie in einem schmalen Rahmen. „Mein Mann“, sagt Isolde Betz und setzt sich auf die altmodische braune Couch in ihrem Wohnzimmer. Das Bild zeigt Otto Betz, Theologe, 13 Jahre älter als sie und im Mai dieses Jahres verstorben. Mit ihm hat die 75-Jährige vier eigene Kinder großgezogen und ein Pflegekind aufgenommen und für ihn hat sie ihren Beruf aufgegeben, ist Hausfrau und Mutter geworden.

Begonnen hat alles vor mehr als 50 Jahren in Tübingen: Isolde Betz schrieb sich für ein Theologiestudium ein, „als eine der wenigen Frauen unter vielen Männern“, erzählt sie. Von den Berufsaussichten für Theologinnen habe sie sich damals nicht abschrecken lassen, obwohl diese für Frauen äußerst schlecht waren: Seit 1927 gab es für Frauen zwar die Möglichkeit, als Vikarinnen angestellt zu werden, bis 1968 aber wurden sie nicht ordiniert. Und eine kirchliche Anstellung war an die Bedingung geknüpft, unverheiratet zu bleiben. „Das hat mich damals nicht gestört“, erzählt die kleine grauhaarige Frau heute. „Ich hielt es für sehr fraglich, dass ich je heiraten würde“. Überhaupt habe das Thema „Männer“ am Anfang des Studiums keine Rolle gespielt, „wir waren eine nette, lustige Gemeinschaft, mehr nicht“. Flirts mit den männlichen Theologiestudenten? Isolde Betz schüttelt den Kopf. „Das war nicht unser Ding“, meint sie entschieden. Das habe sicherlich auch an den traumatischen Kriegserfahrungen gelegen, „wir haben Tod und Sterben erlebt“ und das habe ihre Generation geprägt. Zwischen Theologinnen und Theologen habe ein lockeres und völlig unproblematisches Verhältnis geherrscht und auch die Lehrer hätten die jungen Frauen sehr höflich behandelt.

Isolde Betz studierte also Theologie, stürzte sich in Altes und Neues Testament und ins Hebräische. Die Fächer Ethik und Dogmatik dagegen, erzählt sie, hätten ihr nicht ganz so gelegen. „Und dann kam diese Studienreise“, sie lacht. Auf der lernte sie ihren Mann kennen, der zu dieser Zeit als Repetent am Stift in Tübingen arbeitete. Durch die gemeinsame Arbeit an einem von Otto Betz geschriebenen Theaterstück bleiben die beiden auch daheim in Tübingen noch in Kontakt. Ihr späterer Mann habe „mehr und mehr Annäherungsversuche gemacht, aber ich war sehr zögerlich“, beschreibt sie die Situation damals und ergänzt dann: „Irgendwann aber habe ich gemerkt, dass er nicht nur ein ungeheuer gescheiter Mensch ist, sondern auch ein herzensguter“. Isolde Betz ist klar, dass ihre Beziehung das Ende ihrer beruflichen Träume bedeutet, denn eine verheiratete Theologin darf keinen Beruf innerhalb der Landeskirche ausüben. Die beiden einigen sich deshalb, nicht sofort nach dem ersten Examen zu heiraten, damit Isolde Betz noch das Vikariat antreten kann. Beim Evangelischen Oberkirchenrat aber müssen die beiden frisch Verlobten vorsprechen, „dort musste man seine Verlobte beziehungsweise seinen Verlobten vorstellen“.

Und dann geht die junge Frau als Vikarin nach Aalen, „eine schöne Zeit“, erinnert sie sich. Die Pfarrer und auch die Kollegen an der Schule hätten sie freundlich und herzlich aufgenommen, die Arbeit habe ihr große Freude gemacht. „Die Berufserfahrung war mir wichtig, auch wenn ich wusste, dass es nach einem Jahr zu Ende sein würde“. Nach einem Jahr muss Betz ihren Beruf an den Nagel hängen. Sie heiratet Otto Betz, der inzwischen Assistent an der Uni Tübingen ist. „Ich wäre gerne im Beruf geblieben“,  meint sie rückblickend, „aber mein Mann war mir wichtiger“. Sie trifft eine Entscheidung für ihren Traummann und gegen ihren Traumberuf. Ist sie neidisch auf die Theologiestudentinnen von heute, die sich beide Träume erfüllen können? „Ach“, sie schaut nachdenklich zum Couchtisch hinüber, „manchmal war ich schon etwas unglücklich, dass ich so sehr aus dem Geistigen herauskam, als ich aufgehört habe im Beruf zu arbeiten“. Aber ihre Entscheidung von damals habe sie trotzdem nie bereut.

Angelika Hensolt


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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