Autos sind seine große Leidenschaft
Ende Februar 2009 tritt der Fahrer des Bischofs, Helmut Scheuler, in den Ruhestand
Fragt man Helmut Scheuler nach seinem Beruf, so fangen seine Augen sofort an zu strahlen – und die Antwort fällt leicht: „Fahrer“. Das ist er nun schon seit 18 Jahren. Vier verschiedene evangelische württembergische Landesbischöfe hat er zu ihren Terminen gefahren, die vielen Kilometer sind ungezählt. Nacht- und Wochenenddienst inklusive.
Ob ihm das nichts ausgemacht hat? „Nein, ich fahre sehr gerne Auto“, sagt der bald 65-Jährige und lächelt dabei. Schon als Kind wollte er Fahrer werden: Eines Tages, Scheuler war gerade sieben oder acht Jahre alt, kam der damalige Bundespräsident Theodor Heuss nach Stuttgart, und er stand mit vielen anderen am Straßenrand. Was ihn am meisten beeindruckt hat, war aber nicht der Politiker: es war das Auto, ein schwarzer 300er Mercedes, und sein Fahrer. „Wie der da stand, mit seiner Uniform, und dem Bundespräsidenten die Tür aufhielt – das hatte was“, blickt der gelernte Metzgermeister zurück.
Auch Taxifahrer trugen damals eine Berufskleidung, eine Art Uniform – und Helmut Scheuler wollte später nicht nur so schick sein wie sie, sondern auch dieselbe Verantwortung tragen. Verantwortung – das ist ein Wort, das man häufig vom Bischofsfahrer hört. Seinen Chef sicher, ohne Stress und pünktlich ans Ziel zu bringen, das zeichnet seine Arbeit aus. Das sagt der bescheidene Mann nicht selbst, das sagen andere über ihn. Beispielsweise sein derzeitiger Chef, der evangelische württembergische Landesbischof Frank Otfried July: „Herr Scheuler ist ein sehr guter Fahrer, dem ich das sichere Ankommen und angenehme Begleitung verdanke.“ Auch sei sein Fahrer ein Gesprächspartner, von dem er viel gelernt habe. Und Scheuler ist immer gut angezogen – graue Stoffhose, dunkles Jackett und Krawatte gehört seiner Meinung nach einfach dazu.
Zunächst Ausbildung zum Metzger

- Stets zu Diensten: Fahrer Helmut Scheuler.
Zunächst jedoch sah der Lebensweg von Helmut Scheuler nicht so aus, als würde er eines Tages seinen Vorbildern, den Taxifahrern und Chauffeuren nacheifern: Da sein Vater eine Metzgerei besaß, war der Berufsweg für den Sohn erst einmal vorgezeichnet. Mit 14 ging er in die Lehre, mit 17 legte er die Gesellenprüfung als Metzger ab. Und weil sein Vater krank wurde, durfte er schon mit 21 die Meisterprüfung machen – normalerweise hätte er vor der Meisterschule fünf Jahre als Geselle arbeiten müssen. Und obwohl er gerne zur Bundeswehr, zu den Gebirgsjägern gegangen wäre, blieb er im väterlichen Betrieb, wurde mit 24 Jahren selbst Chef, der Beruf seines Herzens geriet in Vergessenheit.
Was jedoch blieb, war die Faszination für das Auto. So fuhr er häufig mit seiner Frau „eben geschwind“ die 220 Kilometer nach Oberstdorf, um spazieren zu gehen und Kaffee zu trinken, danach ging es wieder zurück ins heimische Stuttgart. „Meine Frau sagte dann immer: „Gell, jetzt kannst Du wieder durchatmen“, erzählt Scheuler. Und so sei das tatsächlich gewesen. Auto fahren als Entspannungsprogramm.
Schlaflose Nächte

- Autofahren ist seine Leidenschaft.
23 Jahre lang betrieb Scheuler seine Metzgerei. Schon damals hatte er mit dem Oberkirchenrat zu tun: Dieser bestellte nämlich die „kleinen Bewirtungen“, wie belegte Brötchen und ähnliches bei ihm. So kamen immer wieder Chauffeure zu ihm, um die Waren abzuholen. Einmal erzählte ein Fahrer, dass er in den Ruhestand gehe – und Helmut Scheuler witzelte: „dann mach ich Ihr Geschäft“. Dass es dann tatsächlich so kommen sollte, hat den Stuttgarter denn doch etwas überrascht – das Bewerbungsverfahren lief mehrere Monate. So manche schlaflose Nacht hatte er zu diesem Zeitpunkt hinter sich gebracht. Sollte er tatsächlich den väterlichen Betrieb aufgeben? Als die Zusage kam, fiel die Entscheidung schnell. Geholfen hat dabei auch, dass zur gleichen Zeit der Stuttgarter Schlachthof schloss und Scheuler danach viel seltener die Möglichkeit gehabt hätte, die zu schlachtenden Tiere lebend auszusuchen. „Wenn man sieht, wie ein Tier sich bewegt, kann man feststellen, ob es gesund ist oder nicht“. Bei einem toten Tier sei es nicht immer möglich, die gewünschte Qualität zu erkennen.
"Einmal mit einem Z1 fahren"

- Helmut Scheuler entspannt sich, indem er fährt.
Ein halbes Jahr war Scheuler als Fahrer der Kirchenleitung tätig, als die Stelle des Bischofsfahrers frei wurde. Der damalige Landesbischof, Theo Sorg, fragte ihn, ob er nicht sein Chauffeur werden wolle. Scheuler fühlte sich geehrt, wollte aber erst seine Frau fragen, ob sie damit einverstanden sei – denn geregelte Arbeitszeiten und freie Wochenenden sind beim Fahrer des Bischofs naturgemäß genau so selten wie beim Chef selbst. Doch seine Frau Gerlinde stand hinter Helmut Scheuler, erkannte, dass mit diesem Job ein Herzenswunsch ihres Mannes in Erfüllung gehen würde und trug die Arbeit immer mit. Was ihm jetzt, im Ruhestand, am meisten fehlen wird? Na sicher, das Herumreisen. Immer ganz dicht am Geschehen zu sein, die Begegnungen mit vielen interessanten Menschen. Doch langweilig wird es ihm so schnell nicht werden: Scheuler hat fünf Enkelkinder, mit denen er bereits im Mercedes-Benz-Museum war. Und jetzt, im Februar oder März, wird er wohl als erstes dem neu eröffneten Porsche-Museum einen Besuch abstatten – mit allen fünf Enkeln auf einmal. Gibt es noch Träume? „Einmal mit einem BMW Z1 durch die Gegend fahren, das wäre wirklich toll.“
Nicole Marten [30. Januar 2009]
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