Der Hochzeitspfarrer von Schloss Solitude
In seiner über dreißigjährigen Amtszeit hat Fritz Egelhof hunderte von Paaren getraut
Während seiner Amtszeit hat er in der Schlosskapelle Solitude ein paar hundert Paare getraut, jetzt geht der Botnanger Pfarrer Fritz Egelhof Ende Juli in den Ruhestand. Seine letzte Amtshandlung ist, wie kann es bei Pfarrer Egelhof anders sein, eine Trauung.
Ende Juli, eigentlich schon nach seiner offiziellen Verabschiedung aus dem Dienst, wird der Pfarrer in der Schlosskapelle Solitude noch einen Traugottesdienst halten. Den Bräutigam kennt Egelhof noch aus dem Konfirmandenunterricht und eigentlich wollte der erst im September oder Oktober heiraten. Geht nicht, hat Egelhof gesagt, „wenn ich euch trauen soll, musst du die Trauung vorverlegen“. Und? „Tja, jetzt heiratet er Ende Juli!“ Er lacht.
Nach über 30 Jahren im Dienst der Botnanger Kirchengemeinde, zu deren Gebiet auch die Schlosskapelle Solitude gehört, verabschiedet sich Egelhof in den Ruhestand. 1973 hat er als Pfarrer in Botnang angefangen und seitdem lebt er auch in dem Stuttgarter Stadtteil. „Es war eine schöne Zeit“, sagt der 65-Jährige rückblickend. Die Wahl, in Botnang Gemeindepfarrer zu werden, hat er nicht bereut.
Und das liegt auch an der Schlosskapelle. „Dieser Kirchenraum bietet einfach besondere Möglichkeiten“, sagt Egelhof. Denn in der hohen, in weiß gehaltenen Schlosskapelle lässt sich’s nicht nur gut heiraten, sondern die Kapelle ist nach Meinung des Pfarrers auch der ideale Platz für Konzerte, Gespräche oder informelle Treffen. „Wir nutzen die Kirche hier ganz gezielt“, erklärt er und verweist auch auf die speziellen Kirchenführungen, die die Gemeinde anbietet.
In einem Gottesdienst muss alles zusammenpassen
Als geschäftsführender Pfarrer der Botnanger Evangelischen Kirchengemeinde ist Egelhof vor allem verantwortlich für Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und den Konfirmandenunterricht. Für den Theologen bedeuten diese Gottesdienste eine ganz besondere Herausforderung, denn „sie sind sehr persönlich“. Teile der Biografie von Menschen müssten in den Gottesdienst „liebevoll“ eingearbeitet werden.
Vor allem Traugottesdienste hält der 65-Jährige gerne. Eine Trauung, das ist für ihn ein „Gesamtkunstwerk, das mit in dem Moment, in dem das Paar in die Kirche einzieht, beginnt und mit den letzten Tönen des Orgelnachspiels endet. „Früher war mir vor allem die Predigt wichtig“, erinnert er sich, heute wisse er, dass in einem Gottesdienst alles zusammenpassen müsse. Überhaupt habe sich in den letzten 30 Jahren gerade bei Hochzeiten einiges verändert: In den siebziger Jahren, kurz nachdem die Anti-Baby-Pille auf den Markt kam, habe er kaum schwangere Bräute erlebt. „Heute traue ich fast nur noch schwangere Frauen.“ Er schmunzelt. Und auch an die erste Braut mit Tattoo und die erste im bauchfreien Brautkleid erinnert er sich noch gut.
Die Brautpaare kommen aus der ganzen Welt
Egelhof hat Brautpaare aus dem ganzen Land, sogar aus dem Ausland getraut. „Wir haben auch immer wieder Paare aus den USA und England“, erzählt er. Und wer schon einmal bei gutem Wetter über das Gelände der Solitude geschlendert ist, weiß, was die Schlosskapelle bei Brautpaaren so beliebt macht: Wenn die Sonne scheint und sich die Braut im weißen langen Kleid auf der breiten Schlosstreppe für das Hochzeitsfoto postiert, ist das ein Bild fast wie aus einem Märchen. Aber nur fast: Denn märchenhafte Ruhe und romantische Einsamkeit finden die Brautpaare hier selten. „Am Wochenende können Sie hier drei bis vier verschiedenen Bräuten über den Weg laufen“, so die Erfahrung des Pfarrers.
Während Solitude früher vor allem für Heiratswillige eine der ersten Adressen im Land war, ist die Kapelle inzwischen auch für Taufen sehr beliebt. „Letztes Wochenende habe ich sieben Kinder getauft“, meint Egelhof und ergänzt, insgesamt gäbe es an die 40 Taufgottesdienste pro Jahr in der Schlosskapelle. „Zahlreiche Paare, die hier geheiratet haben, taufen auch ihre Kinder hier“, glaubt er. Für viele Leute sei es außerdem nicht mehr so wichtig, dass das Kind in der eigenen Gemeinde getauft werde, „sie verbinden ihren Glauben nicht mehr unbedingt mit der Ortskirche“.
Taufen, Trauungen und auch Beerdigungen sind für den Theologen eine Chance, „auch kirchenferne Menschen davon zu überzeugen, dass ein Gottesdienst schön und sinnvoll sein kann“. Und auch daran hat Egelhof die letzten drei Jahrzehnte in der Kirchengemeinde in Botnang gearbeitet. Jetzt freut er sich auf den Ruhestand – und natürlich auch auf seine vorerst letzte Trauung in der Schlosskapelle. Sein letzter Besuch auf dem Schlossgelände aber wird das wohl nicht sein, „ich werde sicherlich immer wieder hier vorbeischauen“, sagt er. Aber dann wird der Pfarrer ganz privat über die Schlosswiese schlendern oder einen Blick in die Kapelle werfen – und sich mit den glücklichen Frauen in weißen Hochzeitskleidern und den elegant gekleideten Männern freuen, die um und in der Kapelle umherschwirren. Auch wenn er nach über 30 Dienstjahren weiß: „Ein Garant für eine glückliche Ehe ist auch eine Trauung in der Schlosskapelle nicht.“
Angelika Hensolt






