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"Das Staunen über die Natur nicht vergessen"


Interview mit Klaus-Peter Koch

Es geht in Sachen Klimaschutz nicht nur darum, Glühbirnen gegen Energiesparlampen auszutauschen, meint der neue Umweltbeauftragte der Landeskirche, Klaus-Peter Koch. Am 1. Dezember 2011 wurde er in sein neues Amt eingeführt.


elk-wue: Herr Koch, sie haben Biologie studiert – in Stuttgart-Hohenheim und auf Rhode Island (USA). Haben Sie bereits von Anfang an gewusst, dass Sie sich beruflich in Sachen Umweltschutz engagieren wollen?
Koch: Ich war schon als Kind gern in der Natur unterwegs – und mich hat schon immer das fasziniert, was um uns herum passiert. Ich freue mich an unserer Umwelt und an der Schöpfung. In den 1980er Jahren kam dann die Umweltbewegung auf – und ich wollte mehr wissen über die Zusammenhänge. Außerdem wollte ich dieses Wissen dann auch an meine Mitmenschen weitergeben. Deshalb habe ich Biologie studiert.

elk-wue: Weshalb sind Sie nach Rhode Island gegangen?
Koch: Damit wollte ich mir einen persönlichen Traum erfüllen. Die Meeresbiologische Abteilung auf Rhode Island war eine Ergänzung zu Hohenheim. Die große Welt der Meere hat mir deutlich gemacht, wie stark alles mit allem zusammenhängt. Beispielsweise greift die Fischereipolitik stark in Umweltsysteme ein.

elk-wue: Wie unterscheidet sich amerikanischer Umweltschutz vom deutschen?
Koch:
In Amerika gibt es zwar nicht so öffentlichkeitswirksame Umweltschutz-Aktionen wie bei uns, aber es gibt dort sehr viele ernsthaft engagierte Menschen. Ich hatte dort Kontakt zu Gruppen, die sich bereits damals, in den 1980er-Jahren, mit Energiepolitik, den Grenzen des Wachstums und ähnlichen Themen befasst haben. An der Uni gab es beispielsweise einen Hofladen, eine Einkaufsgenossenschaft, die Produkte von Farmern aus der Umgebung verkauft hat.


 


Zur Pressemitteilung über die Amtseinführung von Klaus-Peter Koch am 1. Dezember 2011


Klaus-Peter Koch konnte sich schon immer für die Natur begeistern. [Foto: privat]

elk-wue: Bevor Sie zur Landeskirche als Umweltbeauftragter kamen, waren Sie in Bad Dürrheim Umweltbeauftragter und Leiter der Koordinierungsstelle Bürgerschaftliches Engagement. Welche Schwerpunkte hatte Ihre Arbeit dort?
Koch:
Der Bereich war sehr groß. Aber um ein paar Beispiele zu nennen: Die regenerativen Energien waren ein großer Schwerpunkt meiner Arbeit. Wir haben dafür gesorgt, dass auf allen städtischen Dächern, die dafür geeignet waren, auch Solaranlagen installiert wurden. Die Renaturierung von Gewässern stand ebenfalls weit oben auf meiner Liste. Damit bestimmte Flächen als Biotop ausgewiesen werden konnten, mussten beispielsweise Flächennutzungspläne angepasst werden. Außerdem war ich Ansprechpartner für die Lokale Agenda 21.

elk-wue: Die Lokale Agenda 21 bedeutet genau?
Koch: Sie geht auf die Beschlüsse der Klimaschutzkonferenz in Rio de Janeiro zurück. Hauptanliegen ist es, ökologisch, wirtschaftlich und sozial – also nachhaltig – zu handeln. Alle drei Bereiche müssen verbunden werden. Es nützt nichts, nur die Ökologie im Blick zu haben, wenn man soziale Aspekte außer Acht lässt. Wichtig war es mir bei der Lokalen Agenda 21 auch, die Bürgerinnen und Bürger an den Entscheidungen zu beteiligen. So haben wir zum Beispiel das Bürger-Gutachten in Bad Dürrheim eingeführt. Dazu wurden – beim Umbau einer Straße – die Bürgerinnen und Bürger befragt, wie sie die vorgeschlagenen Änderungen beurteilen. Sie sollten uns aus ihrer Sicht sagen, wie sich die Änderungen auf Radfahrer, Fußgänger, Rollstuhlfahrer, Autofahrer etc. auswirken. Und sie sollten uns sagen, was sie brauchen: Wo müssen Bänke hin, wo Bäume gepflanzt werden? Diese Umfrage floss dann als gutachterliche Stellungnahme in den Planungsprozess ein und war für den Gemeinderat ein wichtiges Dokument.

elk-wue: Welche Schwerpunkte wollen Sie nun als landeskirchlicher Umweltbeauftragter setzen?
Koch: Erst einmal bin ich noch dabei zu sichten, wahrzunehmen, was es alles so gibt. Wir müssen unsere Arbeit auf alle Fälle so ausrichten, dass wir Angebote vor Ort, in den Kirchengemeinden, haben. Wir müssen immer im Blick haben, wie wir Kirchengemeinden und Kirchenbezirke vor Ort gut beteiligen und betreuen können. Das heißt, dass wir das Klimaschutzkonzept, das wir in der Landeskirche entwickeln, so konkret fassen müssen, dass es vor Ort umgesetzt werden kann. Energie ist dabei ein ganz großes Thema.

elk-wue: Das heißt für Sie…
Koch: Es geht dabei nicht nur darum, Glühbirnen gegen Energiesparlampen auszutauschen. Klimaschutz bedeutet auch Mobilität und Beschaffung. Den Beschluss der Synode vom Frühjahr, nachdem die Landeskirche bis zum Jahr 2015 25 Prozent CO2 einsparen soll, wollen wir umsetzen. Vielleicht schaffen wir ja sogar mehr. Wir dürfen dabei aber nicht nur die technische Seite im Blick haben – das, was konkret zu tun ist. Wir müssen auch darauf schauen, warum wir das machen. Es geht darum, dass wir das Staunen über die Schöpfung nicht verlernen. Deshalb geht es nicht nur darum, drei Kilowattstunden Strom einzusparen, sondern darum, wie wir uns in diesem großen Ganzen der Schöpfung sehen.

elk-wue: Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Nicole Marten.


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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