Gedenkgottesdienste für Körperspender
Anatomiegottesdienste in Ulm
Sind Körperspenden nach dem christlichen Glauben ver- oder geboten? Darüber sprach elk-wue.de mit Studentenpfarrerin Isolde Meinhard aus Ulm. Sie gestaltet Gedenkgottesdienste für Körperspender mit. Ihr ist es wichtig, "dass in der Anatomie darauf geachtet wird, dass diese Menschen als Personen im Bewusstsein bleiben, dass diese Menschen nicht nur Material sind." Dazu diene auch der Anatomie-Trauergottesdienst.
![Isolde Meinhard [Foto: privat] Isolde Meinhard [Foto: privat]](typo3temp/pics/9eddc86db5.jpg)
Isolde Meinhard [Foto: privat]
elk-wue: Wie läuft ein Anatomie-Trauergottesdienst in Ulm ab?
Isolde Meinhard: Es ist ein ökumenischer Gottesdienst mit Lied, Psalm, Eingangsgebet, Predigt, danach kommt das Votum der Studierenden und des Anatomie-Professors. Sie danken den Angehörigen, dass sie diese Zeit nach dem Tod mitgetragen, manchmal auch ertragen haben, dass ein Angehöriger lange nicht bestattet werden konnte. Die Studierenden bereiten den Gottesdienst mit vor. Sie formulieren die Fürbitten, das Eingangsgebet, sie sprechen auch über ihre Erfahrungen aus dem Anatomie-Präparationskurs. Danach wird ähnlich wie im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag die Totentafel verlesen. Es sind meist an die einhundert Namen, in diesem Jahr 93. Für jeden Namen wird eine Kerze entzündet und aufgestellt. Nach dem Gottesdienst können sich die Angehörigen diese Kerze mitnehmen. Ein Studentenchor singt und Studierende machen Instrumentalmusik, meist sitzt auch ein Student an der Orgel, die Studierenden finanzieren auch den sehr aufwändigen Blumenschmuck selbst.
elk-wue: Wie lange liegt der Tod der Menschen zurück?
Meinhard: Bis zu zwei Jahre.
elk-wue: Sind die Menschen, derer man sich im Gottesdienst erinnert, bereits bestattet?
Meinhard: Sie werden in den Wochen nach dem Gottesdienst bestattet.
elk-wue: Werden die Körper von Menschen, die sich wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung gestellt haben, vollständig bestattet?
Meinhard: Alles, was zu einem bestimmten Körper gehört, wird in seinem Sarg verwahrt und bestattet.
elk-wue: Gebietet oder verbietet es der christliche Glaube, den eigenen Körper nach dem Tod wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung zu stellen?
Meinhard: Lange Zeit konnte man sich in der christlichen Tradition solche Forschungen am menschlichen Körper nicht vorstellen. Die frühesten anatomischen Forschungen mussten geheim bleiben. Was sicher mit der christlichen Vorstellung von der Auferstehung des Leibes zu tun hat. Ob ein Körper erst in der Erde zerfällt oder schon im Leben durch Krankheit oder Verletzung angegriffen oder durch anatomische Forschung nach dem Tod versehrt wird: In jedem Fall glauben wir Christen, dass Gott uns nach dem Tod in ein neues Leben ruft. Die anatomischen Eingriffe beschädigen einen Menschen nicht im Blick auf die Auferstehung oder seine Zugehörigkeit zu Gott. Es ist wichtig, dass in der Anatomie darauf geachtet wird, dass diese Menschen als Personen im Bewusstsein bleiben, dass diese Menschen nicht nur Material sind. Dazu dient auch der Anatomie-Trauergottesdienst.
elk-wue: Wie stehen Sie selbst zur Körperspende?
Meinhard: Ich kann gut nachvollziehen, wenn Angehörige sagen: Mir ist mein verstorbener Mann, meine Schwester wichtig so, wie ich sie leibhaftig gekannt habe. Die Vorstellung tut weh, dass jemand für das anatomische Lernen gebraucht wird. Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen: Das werde ich nie machen, mich der anatomischen Forschung zur Verfügung zu stellen. Aber ich habe auch noch nicht gedacht, dass ich das auch mal tun werde.
elk-wue: Vielen Dank für das Gespräch!
Weitere Informationen:
Studentenpfarrerin Dr. Isolde Meinhard
Tel.: 0731 9503313
E-Mail: esg-ulm@gmx.de
esg-ulm@gmx.de




